SAN-Tour: Rätikon — 13.-16. Oktober 2005


Der Gebirgszug des Rätikon erstreckt sich an der Grenze zwischen West- und Ostalpen; im Nordwesten , bei Feldkirch in Vorarlberg, von Rhein und Ill begrenzt, im Südosten an die Berge der Silvretta anschließend. Mit Österreich, der Schweiz und dem Fürstentum Liechtenstein haben drei Staaten Anteil an der Region. Geologisch auffallend ist das hohe Vorkommen von Sulzfluh-Kalk, der das Landschaftsbild prägt und besonders im Bereich der Hauptkette zu auffälligen und beeindruckenden Felsformationen geführt hat. Typisch sind dort mächtige Wandfluchten und klotzartige Gipfel. Auch trifft man eine ungewöhnlich artenreiche Flora und Fauna an.

© Arno, Dirk, Karsten 2005

5 SANler machten sich auf, diese eindrucksvolle Landschaft rund um das Brandner Tal zu erkunden: Eve und Dirk aus Mühlacker, Meike und Arno aus Weil der Stadt und Karsten aus Erding. Verabredet hatte man sich am Parkplatz der Lünerseebahn am Ende des Brandner Tales. Weil sich der Rest etwas verspätete, war Karsten als Erster vor Ort und stieg nach telefonischer Absprache schon mal zur Hütte voraus. Wir anderen folgten auf komfortablere Art mit der Lünerseebahn, die direkt bei der Douglasshütte (1.979 m) am Ufer des Lünersees endet, unserem Quartier für die nächsten 4 Tage. Wir belegten schnell unsere Zimmer in der Hütte, bevor uns das herrliche Herbstwetter wieder nach draußen lockte.

© Arno, Dirk, Karsten 2005

Ein Blick auf die Uhr sagte, daß uns noch genügend Zeit für eine Eingehtour am Nachmittag blieb. Also los ging’s auf den Schafgafall (2.414 m), dem am schnellsten erreichbaren Berg über dem See, der einen schönen Blick auf das Tourengebiet der nächsten Tage ermöglichte. Wir erreichten nach gut einer Stunde Aufstieg den Gipfel und genossen die Nachmittagssonne beim Blick auf den Lünersee unter uns. Um uns herum zeigten sich die möglichen Ziele der nächsten Tage: Saulakopf, Kirchlispitzen, Schesaplana, Girenspitz. Natürlich beeindruckte auch die übrige Bergwelt drumherum. Nach ausgiebiger Pause machten wir uns wieder an den Abstieg zur Douglasshütte. Angenehmerweise waren wir dort fast die einzigen Gäste, lediglich ein einzelner Wanderer quartierte sich ebenfalls ein.

© Arno, Dirk, Karsten 2005

© Arno, Dirk, Karsten 2005

Nach dem Abendessen sprachen wir über das Programm der kommenden Tage. Da die Schneelage in den Gipfelhöhen schwer einzuschätzen war, wurde für den nächsten Tag der Saulakopf sowie der Rundweg über die Heinrich-Hueter-Hütte als Ziel erklärt. Der Gipfelanstieg verläuft dort über die völlig schneefreie Süd- und Südwestflanke.
So ging es am nächsten Morgen los, erst über die Staumauer am See, dann über den schönen, leicht versicherten Saulasteig ins Saulajoch (2.065 m).

© Arno, Dirk, Karsten 2005

Von dort erst in Serpentinen durch Geröll, dann in die felsige Südflanke und durch diese auf anregendem Felsensteig zum Gipfel des Saulakopfes (2.517 m). Eine Stunde hielten wir bei blauem Himmel und herrlicher Rundsicht dort aus, bevor wir uns an den Abstieg zur Heinrich-Hueter-Hütte (1.766 m) machten. Auch dort genossen wir die warme Sonne auf der Terrasse und ließen es uns bei der leckeren Hüttenkost gut gehen. Irgendwann mußten wir uns dann auf den Rückweg machen. Vorbei an beeindruckenden Dolinen („Gipslöcher“, der Boden dort ist extrem kalkhaltig) zur Lünerkrinne (2.155 m), von dort in der Abendsonne abwärts zum See mit der Douglasshütte, wo das Abendessen lockte.

© Arno, Dirk, Karsten 2005

© Arno, Dirk, Karsten 2005

Nach dem Abendessen wurde über den kommenden Tag beraten. Eine Besteigung der Kirchlispitzen (2.551 m) erschien wegen der Schneelage in der Nordflanke, durch die der anspruchsvolle Gipfelanstieg führt, unmöglich. Obwohl deutlich höher, versprach die Schesaplana (2.965 m) mehr Erfolg, da der Anstieg größtenteils südseitig erfolgt. Somit stand das Ziel fest.

Die Tour begann am nächsten Morgen mit dem Aufstieg zur Totalphütte (2.381 m), wo kurz gerastet und Flüssiges getankt wurde. Dann ging es über das Karstgebiet der Totalpe in den Kessel unter dem Gipfelaufbau. Der präsentierte sich zum Glück fast völlig schneefrei und damit unschwierig, und somit stand dem Gipfelsturm nichts mehr im Weg. Arno und Karsten waren mal wieder ein Stückchen voraus – als trainierte Langstreckenläufer brauchten sie zwischendurch mal eine flottere Etappe. Der Rest der Gruppe ließ sich etwas mehr Zeit, ein Grund zur Eile bestand schließlich nicht. Zusammen am Gipfel genossen wir die grandiose Fernsicht, die u.a. von den nahen Nachbargebirgen wie Lechquellengebirge, Verwall und Silvretta über Ötztaler Alpen, Ortler, Bernina und Glarner Alpen bis ins ferne Wallis reichte. Nach wieder einmal ausgiebiger Gipfelrast machten wir uns an den Abstieg über die verschneite Westflanke, bis wir auf ca. 2.700 m in den Südwandsteig abbogen, der uns wieder auf die Ostseite des Berges ins Gebiet der Toten Alpe brachte. Wir durchquerten das interessante Gebiet bis zur Gamsluggen und erreichten schließlich wieder die Totalphütte, wo wir nochmals ausgiebig in der Sonne rasteten. Die Sonne verschwand um 17 Uhr hinter den Höhen im Westen, und mit den letzten Strahlen erreichten wir die Douglasshütte.

© Arno, Dirk, Karsten 2005

© Arno, Dirk, Karsten 2005

© Arno, Dirk, Karsten 2005

Nach dem Abendessen wurde beschlossen, am letzten Tag die Kirchlispitzen über Gafalljoch und Schweizertor zu umrunden, freilich ohne den Gipfel zu besteigen. Karsten wollte etwas früher zur Heimreise starten, und so wurde beschlossen, daß er die Runde in seinem schnelleren Tempo andersherum laufen und sich dann beim Treffen unterwegs verabschieden würde.

© Arno, Dirk, Karsten 2005

© Arno, Dirk, Karsten 2005

So ging es am nächsten Morgen zur Lünersee-Alpe am gegenüberliegenden Seeufer, wo Karsten den Weg zum Verajoch einschlug, der Rest der Gruppe das Gafalljoch (2.239 m) erstieg. Ab dort ging es auf Schweizer Boden auf schönem Steig unter den beeindruckenden Steilwänden der Kirchlispitzen hindurch, wo wir zahlreiche Kletterer beobachten konnten. Auch die im Rätikonzug folgenden Gipfel wie Drusenfluh, Drusentürme und Sulzfluh beeindruckten mit ihren teilweise senkrechten Süd- und Südwestwänden. Beim Abstieg übers Parduitzbödeli kam uns auch schon „Renntier“ Karsten entgegen. Er verabschiedete sich vom Rest der Gruppe und machte sich an seinen letzten Anstieg ins Gafalljoch. Meike, Eve, Arno und Dirk marschierten weiter zum tiefsten Punkt, ca. 1.900 m, und wieder aufwärts durch das eindrucksvolle Schweizertor (2.137 m) zur nahen Zollhütte, wo wir uns zur Mittagsrast niederließen. Eingerahmt von den Nordseiten von Drusenfluh und Kirchlispitzen, schien uns durch das Schweizer Tor die Sonne auf den Bauch. Uns führte der letzte Anstieg ins Verajoch (2.330 m), wo sich noch einmal der gesamte Schesaplanastock zeigte. Zügig ging es abwärts zum Südufer des Lünersees und weiter zur Douglasshütte, wo wir unser übriges Gepäck aufsammelten und mit der Bahn hinunter ins Tal fuhren. In Brand wurde ausgiebig eingekehrt, bevor es wieder nach Hause ging.

Hinter uns liegen 4 herrliche Tage, die für mich geprägt waren vom traumhaften Wetter, der guten Stimmung untereinander und der eindrucksvollen Landschaft des Rätikon. Und ich hab mir sagen lassen, daß es allen Teilnehmern genauso viel Spaß gemacht hat…

© Arno, Dirk, Karsten 2005

© Arno, Dirk, Karsten 2005

© Arno, Dirk, Karsten 2005

© Arno, Dirk, Karsten 2005

Text: Dirk
Bilder: Arno, Dirk, Karsten

 

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