Hochtourenkurs für Anfänger vom 28.06. bis 06.07.2008


Wer beim Alex einen Kurs machen möchte muss schnell sein. Kaum war der Kurs ausgeschrieben, war er auch schon voll. Die Teilnehmer waren fast keine Überraschung. Die Mehrheit war im letzten Jahr beim Alpinkletterkurs oder hat sich auf die Cevedale führen lassen. 

Hier also die Gruppe, die nach 9 Kurstagen in der Lage sein soll besonnen und gut vorbereitet über Gletschergelände zu gehen: Wolfgang (wk) und Barbara, Jana (scrat) und Annette, Karin (greka) und Mike (Mike). 

Auf der Fahrt zur Grawaalm, unserem Treffpunkt, gab es einige Hindernisse zu überwinden. Nicht nur, dass ich gleich zu Beginn ein wichtiges Utensil (meine Stöcke) zu hause vergaß und dadurch erstmals nicht pünktlich am Bahnhof Haar erschien, ein Stau - durch den Ferienverkehr verursacht - unsere Fahrt ungewöhnlich verlangsamte, war wohl das schlimmste an diesem Tag der Hunger, den Alex, Mike und ich verspürten. 

Mit der SAN beim goldenen „M“ einzukehren bevor man auf Bergtour geht, scheint sich wohl wirklich mehr und mehr durchzusetzen. Eine besondere Empfehlung ist der Weg über Sulzenaualm zur Sulzenauhütte. Da der Weg nur wenig schwierig ist, trifft man hier neben vielen Tagesausflüglern und Wochenendwanderern auch Familien mit Kindern. Das Gelände um die Sulzenauhütte bietet mit Seen, Wiesen und Bächen (aber Vorsicht bei den besonders reißenden Strömungen) eine abwechslungsreiche Spielwiese für Kinder.

Kursinhalt des ersten Tages sind „Toter Mann“, Gehen und Abfahren auf Firn und Firnsturzübungen. Nein, wir üben nicht das Stürzen, sondern das Abfangen eines Sturzes. Wer sich auf dem Gletscher bewegt, sollte sich bewusst sein, dass ein Sturz schlimmste Folgen haben kann und dieser stets zu vermeiden ist. Aber wenn man mal fällt, sollte man zusehen, schnell wieder auf die Beine zu kommen, bevor die Abfahrt im Ungewissen endet. 

Ein geeignetes Übungsfirngelände ist oberhalb der Blauen Lake (kein Pfützchen, sondern ein richtiger See) bald gefunden und so kann es losgehen. Sichelförmig treten wir unsere Spuren und queren den Hang. Wir hauen kraftvoll unsere Schuhspitzen in den Firn und steigen auf, dann hauen wir unsere Hacken in den Firn und steigen ab, und das ganze noch mal, und noch mal... Irgendwann ist der Hang mit unseren Tritten übersäht. 

Hier üben wir auch gleich noch den „Toten Mann“ begraben. Zur Gletscherausrüstung gehört unter anderem ein Pickel, der im Falle eines Falles Leben retten kann. Richtig vergraben hält er auch stand, wenn sechs Leute versuchen ihn rauszuziehen.

Für unsere Bremsübungen muss aber nun ein neues Firnfeld her. Dort üben wir die gängigsten Varianten von Stürzen und wie diese abgebremst werden. In Rutschrichtung Kopf vorne auf dem Bauch oder Kopf hinten auf dem Bauch, auf dem Rücken mit Kopf unten und bremsen mit behandschuhten (empfehlenswert) Händen und Füßen. 

Trotz aller Vorsicht passiert, was nicht passieren sollte. Bei einer Rutschübung verletzt sich Barbara am Fuß. Alex ruft die Bergrettung und schildert den Fall. Ein Hubschrauber wird Barbara ins Tal fliegen. An dieser Stelle: Gute Besserung Barbara. 

Von einer Minute zur nächsten ist die Stimmung betrübt. Wir brechen zunächst ab und gehen zur Hütte zurück. Wolfgang entschließt sich ins Tal abzusteigen. Nur schwer finden wir wieder in den Kurs und bleiben den Nachmittag an der Hütte. Die Spaltenbergung steht noch auf dem Programm. Zunächst konzentriert sich das Handling der Bergung nur auf den Seilzweiten, bis die Handgriffe sitzen. Am zweiten Tag vertiefen wir das Gelernte und erfahren, wie wir nun jemanden aus einer Spalte bergen können. Hier zeigt sich wie klug es ist, wenigstens in einer Dreierseilschaft unterwegs zu sein. Die Chancen für eine erfolgreiche Bergung sind ungleich höher.

Wir vergraben also „Tote Männer“, lassen Karabiner durch die Schwerkraft „Alex“ in die „Spalte“ ab und retten und retten. Einen „echten“ Sturz verpasst uns Mike, als er sich auch für Alex überraschend fallen lässt. Nach fast 10m und kurz vor dem Ende des Firnfeldes bekommen wir Mädels den Sturz dann doch noch gebremst. Da jede Rettungsaktion beinahe eine halbe Stunde Zeit beansprucht, geht so der Tag recht bald dem Ende zu. 

Für den folgenden Tag ist unsere erste Hochtour geplant. Das Ziel soll die Gruppe selbst wählen. Das Tourengebiet ist abwechslungsreich, aber jede Tour recht lang. Wir wollen zunächst nichts schweres, zum warm werden eben, und entscheiden uns für die Müllerhütte. Gletscher überqueren und dann Cappuccino in Italien, pardon Südtirol. Im Aufstieg führt Annette uns über den Gletscher und als wir die Felswände sehen wird klar, ganz so einfach kommen wir wohl nicht an den Cappuccino. 

Besonders der Zustieg ist sehr steinschlagorientiert, wird mit Gewinn an Höhe aber immer weniger. Alex hat für den Steig die Führung übernommen und legt gekonnt das Fixseil. Die Hütte ist ein Traum, wie ein Adlerhorst, thronend über dem Übeltalferner und mit weiten Blicken. Das Pächterpaar (wir treffen zunächst nur die Heidi) sehr jung und unglaublich gut drauf. Dass Heidi nur noch ein Stück Kuchen über hat, den Alex abstaubt, stört nicht weiter. Denn der Kaiserschmarrn war auch sehr lecker. Die Aussicht dort ist unbeschreiblich und mit geschultem Auge hat wohl Alex ein neues Kursgelände ausgemacht (ganz sicher aber nicht für Anfänger).

Wir treffen Lukas von der Müllerhütte noch im Abstieg und plaudern. Alex erfährt von einer Abstiegsvariante, die er Mike führen lässt. Vom Wetterbericht schon erfahren und am Tag gut beobachtet ziehen die ersten Gewitterwolken heran. Der erste Donner grollt ganz schön nah, als wir am Ende des Gletschers sind. Schnell sucht Alex eine geeignete Stelle für unsere metalligsten Gegenstände und wir müssen uns die Gegend des Pickeldepots merken. 

Im Abstieg ist zunächst Eile geboten. Bald merken wir, dass das Gewitter einen anderen Weg gewählt hat, so viel Glück hat man aber nicht immer. Auf der Hütte angekommen, fängt es kurze Zeit später an zu regnen. Im Abstieg trafen wir auf eine andere Gruppe, die die Spaltenbergung übte. Klar, dass wir somit eine geeignete Spalte für den kommenden Tag hatten, um selber zu üben, ohne lange suchen zu müssen. Bevor wir aber mit der Spaltenbergung beginnen können, lernen wir noch Eisschrauben setzen. Der Fixpunkt, wenn kein Firn sondern Eis der Untergrund für unseren „Toten Mann“ ist. Wir setzen die unterschiedlichsten Schrauben ins Eis und entdecken schnell Vor – und Nachteile jeder einzelnen. Klarer Favorit sind die Eisschrauben mit eingebauter Kurbel. 

Dass die Gletscher nicht nur Gefahren durch die Spalten bergen wird uns auf unserem Weg zu unserem Pickeldepot klar. Hier und da hörten wir kleinere Felsstürze und auf dem Gletscher lagen schon einige „frische“ Brocken rum. Gekonnt suchten wir den optimalen Weg und waren bald an unserem Depot angelangt. Alex bereitet alles für die Spaltenbergung vor. Dann hieß es, wer will der erste sein. Klar dass hier Annette die Nase vorn hat. Die hat einfach vor nichts Angst. Der „Sturz“ war von Karin und mir kaum zu halten, gut dass Alex vorsorglich hintersicherte. Doch auch hier macht das Wetter nicht mehr mit. Mitten im Programm müssen wir abbrechen. Alex holt Annette aus der Spalte und dann hieß es hurtig zur Hütte. Mit wenigen Regentropfen bedacht erreichen wir diese. 

Der nächste Tag verspricht gar nichts Gutes. Nicht nur Gewitter sondern Sturm und Hagel waren angesagt. Kein Tag, um eine Tour zu gehen. Am Morgen war davon noch nichts zu spüren. Mike wollte eigentlich aussetzen, da er sich am Tag zuvor ein Fuß umknickte. Wir berieten uns in der Gruppe und waren schnell einig. Ein „Pausentag“ täte uns allen ganz gut. Das Gelände vor der Hütte bot genügend Möglichkeiten die Spaltenbergung zu üben.

Erst war es noch warm und gemütlich. Alex ließ sich immer neuere Varianten einfallen, damit bei uns die Handgriffe sitzen. Eine Möglichkeit war dann auch, dass die Kursteilnehmer selbst lehren durften. Jeder notwendige Handgriff wurde von den anderen nach Anweisung eines Teilnehmers ausgeführt.

Da wir bisher immer als Dreier – bzw. Viererseilschaft geübt haben, war nach einer Regenpause auch die Zweierseilschaft dran. Eine eher ungünstige Konstellation. Annette durfte sich bei mir wahrlich ins Seil hängen und so hatte ich meine liebe Not das Seil zu entlasten. Erst nach mehreren Anläufen klappte es. Wie meinte Alex aus eigener Erfahrung: Mit der Wut der Verzweiflung werden ungeahnte Kräfte frei. Darauf verlassen will ich mich nicht. Deshalb sollten wir wohl auch sehen, was es heißt nur zu zweit auf den Gletscher zu gehen. 

Für den folgenden Tag war der Wilde Freiger geplant. Auch wenn uns am Morgen dicker Nebel die Sicht nahm, hieß es im Wetterbericht noch, es würde aufreißen. Also begaben wir uns auf den Weg. Dieses Mal sollten Karin und ich führen. Mir stand der Aufstiegsweg bevor. In der dicken Suppe von Nebelschwaden war es gar nicht so einfach die Markierungen auszumachen. Doch vereint haben wir den Zustieg zum Steig gefunden. Klar war alles nass und der Nebel auch noch nicht verschwunden. Alex und ich berieten uns kurz und entschieden wenigstens den Steig zu versuchen. 

Das Wetter könnte ja doch noch besser werden. Allzu schwierig (im Vergleich zur Müllerhütte sogar einfacher am Anfang) war der Weg ja nicht. Alex legte das Fixseil und wir mittels Degengriff hinterher. Unklare Wegführung und die Tatsache, dass es wohl doch nicht besser wird mit dem Wetter, zwangen uns dann zum Abbruch. Im Abstieg habe ich dann zum ersten Mal das Fixseil selbst legen dürfen.

Wenn das Wetter nicht so will wie es soll und wir doch was lernen sollen, heißt es am Nachmittag: Gehen nach Marschzahlen. Schnell ist ein Ziel auserkoren und zwei Marschzahlen dazu bestimmt. In dicker Nebelsuppe und trotz großräumiger Umschiffung eines Bachlaufs haben wir unseren Zielpunkt um nur 30m verfehlt. Da die Teilnehmerzahl am letzten Kurstag auf 2 zusammenschrumpfte, wurde der Kurs bereits am Freitag beendet. 

Für den späten Abend hat sich aber noch Gesellschaft (nordlichtangel, mali und Christoph) angekündigt. Alex legte ein gutes Wort für Mike und mich ein und so durften wir am Samstag die Gruppe auf den wilden Pfaff führen. Mike führte seine Abstiegsvariante über die Fernerstube im Aufstieg und auf mich wartete der Sulzenauferner im Abstieg. Mike verschwand im Aufstieg bis zu den Schultern in einer Spalte, kam da aber schnell wieder raus. Über die schon bekannte Kletterstelle und mit Abstecher auf die ebenfalls bekannte Müllerhütte ging es dann über den Ostgrat auf den Gipfel. Im Abstieg hatte ich mehr Glück. Bei mir hielten die meisten Spaltenbrücken noch.

Text: scrat, Mike

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