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5 Tage Kaiser - mit Kaiserwetter und kaiserlichem Seilgenossen (Gelesen: 8291 mal)
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5 Tage Kaiser - mit Kaiserwetter und kaiserlichem Seilgenossen
05.09.2011 um 00:13:02
 


17 Jahr, blondes H, so stehst Du vor mir.....

... mehr ist heute, Dienstag, den 9. August, nach einer Woche Regen, im fahlen Licht der Straßenlampen vor dem Kufsteiner Bahnhof, nicht zu erkennen. Doch die oberflächlichen Schnulzenmacher aus den noch unsäglicheren 70ern hätten ohnehin keine Worte für das, was die wahren Werte eines guten Berggefährten ausmachen. Nämlich dass sich hinter dem fein geschnittenen Gesicht (jedenfalls alles andere, nur keine Nordwandvisage) eine nicht nur für dieses Alter bemerkenswerte mentale Stärke verbirgt. Und hinter seiner schmalen Figur eine unglaubliche Ausdauer, für seine 68 kg (zugegebenermaßen nur vom Feinsten) unglaubliche Kräfte. Von einer perfekten Technik ganz zu schweigen. Doch nun von Anfang an.

Viel weiß ich nicht von dem Burschen, der mich in den nächsten 5 Tagen durch den wilden Kaiser begleiten und sich gleichzeitig noch um Lenni, meinen bergmäßig vollkommen unbedarften Kletterpartner kümmern soll. Denn ich bin kurzfristig mit einer Erkältung und mittelfristig mit der Rückängigmachung der durch durch nichts gerechtfertigten viel zu langen Schonzeit bedingten Atrophie mit mir selbst beschäftigt. Und das vollständig.

Beim Handschlag bemerke ich alsbald das doch filigrane Instrument in meiner Hand und sehe vorerst davon ab, den Schraubstock einzuschalten. Irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, dass solche Finger schon mal im oberen neunten Grad unterwegs waren. Kaum im Auto zum Jägerwirt, plaudert er munter drauflos, aber was ich da zu hören bekomme, lässt mich erst mal erschrecken. Nur zwei Beispiele:

"Du darfst nicht überlegen, ob du beim Klettern einen Absturz überlebst" - "oder nicht" hänge ich noch dran. Und kurz drauf erfahre ich noch, dass auf winterlichen Nordwandbesteigungen das LVS-Gerät das Erste ist, das aus Gewichtsgründen zu Hause bleibt. Also entweder habe ich einen Dummschwätzer vor dem Herrn oder einen im jugendlichen Leichtsinn befindlichen Draufgänger bei mir.
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« Zuletzt geändert: 02.05.2013 um 10:42:10 von Lamл[tm] »  

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Re: 17 Jahr, blondes H, so stehst Du vor mir.....
Antwort #1 - 05.09.2011 um 00:14:11
 
Das kann ja heiter werden.

Vom Jägerwirt zur Unterwegscheidalm regnet es sich leicht ein. Obwohl Fabian, so heißt der Bub, einen gut gepackten 45 Liter- Rucksack mit beiden Halbseilen dabei hat, nimmt er mir noch einiges ab - und läuft mir immer  noch davon. Die Befürchtung "Dummschwätzer" beginnt sich schon wieder aufzulösen.

Bis Mitternacht bombardiere ich den Fabian noch mit Fragen - die er mir mit großteils nachprüfbaren Details beantwortet. Ganz ehrlich - wäre ich derart verhört worden, hätte ich mich am nächsten Morgen wieder aus dem Staub gemacht.

Doch solchen gibt es erst mal nicht, es regnet bis 11 Uhr. Lenni sagt für heute das Klettern ab.
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Re: 5 Tage Kaiser - mit Kaiserwetter und kaiserlichem Seilgenossen
Antwort #2 - 05.09.2011 um 00:18:35
 
Kennenlernen

Mit ras(s)e(l)ndem Atem hetze ich hinter dem klaglos alles immer noch unter Eisen subsummierte Aluminium und beide Seile tragenden Fabian hinauf zur Multerkarwand. Nachdem ich erst mal abgeschwitzt habe, geht es in den ersten halbwegs trockenen Weg. Halbwegs heißt, dass die 6+ Schlüsselstelle, die trocken für mich ein Genuss sein dürfte, nass grün und schleimig, der Rest tatsächlich trocken ist. Den Fabian ficht das nicht an. Die zwei Ausstiegslängen tropfen noch, das müssen wir uns nicht geben. Durch nasses Gras steigen wir ab, gehen noch ein paar andere, mittlerweile trockene 1-2 Seillängen.

Das schöne am heutigen Tag war nicht nur, dass sich Fabi an als vorzüglicher Kletterer, oder ich als zwar nicht ebenbürtiger, aber doch zumindest brauchbarer Seilzweiter herausstellte. Sondern, dass wir zwei uns ab der ersten Seillänge so gut wie wortlos verstanden. Und dass mir Fabian mit seiner ruhigen Art die Gewissheit gab, dass mir mit ihm als Gefährten nichts auf der Welt passieren kann. Und wenn der Teufel persönlich irgend wo aus dem Berg herauskriechen sollte. Ich hoffe er hat sich mit mir auch einiggermaßen sicher gefühlt.

Um kurz nach 8 auf der Gruttenhütte treffen wir Lenni. Noch nie am Berg geklettert, aber im Ith doch immerhin bis zum Siebener unterwegs. Doch die beste Vorhersage der Woche ist morgen, und da verbietet sich Sportklettern, denn das schöne Wetter brauchen wir am Kopftörlgrat undbedingt. Dort gilt nämlich "Wer einsteigt, muss durchkommen; der Notabstieg taugt bei guten Verhältnissen vielleicht, um flott vom Aus- anden Einstieg der Leuchsturm- Südwand zu kommen. Bei Notfällen, selbst nur einfachen Regen ist das ein Himmelfahrtskommando. Man kann auch Canyoning ohne Neopren dazu sagen. Und der erste Notabstieg vor dem dritten Turm ist ja sowas von sinnlos - wenn hier das Wetter schlecht wird, wird nur ein Wahnsinniger in unbekanntes und unsichtiges Gelände absteigen anstatt die eine Stunde zum Kopftörl zurückzugehen.

"Das wird lustig" tönt es am Nebentisch. "Ein Kranker, einer, der noch nie am Berg war und vorneweg ein Kind. Sollen wir gleich die Rettung alarmieren oder soll einer von uns drei Leichensäcke mitnehmen?" Zum Glück habe nur ich das gehört. Das vermeintliche Kind ist nämlich bei der Bergwacht.
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« Zuletzt geändert: 06.09.2011 um 07:57:05 von Lamл[tm] »  

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Re: 5 Tage Kaiser - mit Kaiserwetter und kaiserlichem Seilgenossen
Antwort #3 - 05.09.2011 um 00:18:57
 
Lennis Initiation

Um 6 brechen wir auf, um 7 sind wir am Kopftörl, wo gleich die erste Stelle wartet, an der Lenni und ich gesichert werden wollen. Fabi stellt seinen sportlichen Ehrgeiz sofort hintenan. Fabian zerstreut so auch die Bedenken in Richtung "Draufgänger" nachhaltig und gibt somit vielen auch "Erwachsenen" ein Vorbild in Sachen Verantwortung(sbewusstsein). Denn schon oft habe ich in vergleichbaren Situationen hören müssen, ich solle mich mal nicht so anstellen, die Arschbacken zusammenkneifen oder "etwas" rauchen, und außerdem was soll das Herumgeheule, früher oder später würde ich ja ohnehin mal verrrecken, das sei sozusagen unvermeidlich.

Bis zum Beginn der eigentlichen Kletterei am vierten Turm (Leuchsturm) wandert das Seil noch mehrmals in den Rucksack und wieder heraus. Eine Zweierpartie, die bis dahin seilfrei unterwegs war, lassen wir vorbei, was wir nachher doch bereuen. Sobald die beiden selbst das Seil hernehmen, müssen wir an fast jedem Stand warten. Die Route wird oft geführt, das heißt, oft befindet sich oberhalb von schwierigen Stellen ein Klebehaken. Fabi findet das äußerst seltsam.

Auch das Klettern zu dritt klappt erstaunlich problemlos. Fabi und ich wechseln sich ab mit Vorausgehen, Lenni bindet sich immer hinten ein.

Am Leuchsturm war dann wieder mal so eine Stelle, wo wir "eben gerade noch" ohne Seil unterwegs sind (was auch der Tatsache geschuldet ist, dass man dort nirgendwo dran ein Seil befestigen kann. Ausgerechnet jetzt schwärmt Fabi von Panorama. Mag ja toll sein - aber jetzt gehört unseren Augen der Boden 1 m vor unseren Füßen. Der hat Nerven! Die Wartezeiten am Stand lassen auch uns genug Zeit fürs Panorama Smiley . Und das war auch das Einzige, wo Lenni mal einen Schreck bekommen hat. Ich habe "Stand" gemacht, indem ich mich in eine Vertiefung hinter einer kleinen Scharte gestellt habe. Doch auch das konnte der Fabian dem Lenni erklären.

Für mich ist das auch selten, das letzte Mal habe ich eine solche Tour vor 4 Jahren gemacht. Eigentlich müsste ich das öfters tun. Für Lenni hingegen war es das erste Mal, im echten Gebirge die Wanderwege zu verlassen. So begeistert leuchtende Augen habe ich nur ganz ganz selten gesehen.

Eine ausgiebige Gipfelrast mit einem leichten Lüftchen krönt den Tag. Ich mag gar nicht mehr runter, so schön ist es hier oben. Der Abstieg dauert nämlich nur 1 1/2 Stunden. Und der oft zum "Hüttenzauber" verklärte Rummel in der Gruttenhütte stößt dem Fabi total sauer auf. Lenni zeigt uns dann, dass sein Nebenjob in der Kletterhalle, als Ernährungsberater und als Surflehrer nicht ganz umsonst ist. Sobald er sich auspackt, dauert es nich mehr lang und ich packe mich wieder ein. An so einem frisch dem aktuellen Dolce & Gabbana- Katalog Entsprungenen möchte ich nämlich nicht gemessen werden. Jedenfalls nicht von 200 Hüttenbesuchern. Wir gönnen uns noch ein TAB - der einzige Alk übrigens in all den Tagen, denn ich muss mir die Tour nicht schön saufen - und dann verabschiedet sich Lenni zur Riedlhütte, seiner Braut und seinen Schwiegereltern. Wir bauen uns auf der trotz herrlichsten Wetters fast leeren Hüttenerrasse (dafür ist es drinnen proppenvoll) noch mal das durchaus genießbare Essen ein. Mit einem Drittel so viel Salz wäre der Schweinsbraten sogar obersuperlecker.
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« Zuletzt geändert: 06.09.2011 um 08:04:01 von Lamл[tm] »  

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Re: 5 Tage Kaiser - mit Kaiserwetter und kaiserlichem Seilgenossen
Antwort #4 - 05.09.2011 um 00:20:21
 
Wo bleibt das Gewitter?

Am Freitag Morgen sticht die Sonne schon um 6 Uhr. "Heute Mittag knallt es" ist einhellige Prognose. (Die der AV- Wetterbericht auch noch stützt.) Also noch mal zur Multerkarwand. Auf halber Strecke lesen wir den Lenni auf, dann heißt es für mich noch mal hinterherhecheln. Nach den 10 SL der "RWI", die wir nebenher zum Einweisen des Lennis in den Standbau mit zwei Bolts nutzten, muss Lenni Abschied nehmen. Er hat noch einen langen Ritt ins Flache Land vor sich.

Fabi nimmt jetzt auch ein Sonnenbad. Er kommt nicht aus dem D&G Katalog. Dafür, am Berg in jeder Hinsicht, auf zwei Rädern, auf Schi, an den Fingerspitzen hängend oder Eis hackend etwas zu reißen, wäre das auch mehr als hinderlich. Er vermeidet z.B. "extrem pumpige Kletterei". Aber seine Zähigkeit sieht man ihm an. Auf den ersten Blick.

Kurz bevor wir uns in den Wald verkrümeln, um die mittlerweile fast unerträgliche Hitze auszusitzen, kommen ein paar Wolken.  Die "Kühle" von etwa 20° nutzen wir zum Sportklettern, immer auf das Donnerwetter wartend. Immerhin gelingt mir eine 7/7+. Was hier aber nichts zu sagen hat.
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Re: 5 Tage Kaiser - mit Kaiserwetter und kaiserlichem Seilgenossen
Antwort #5 - 05.09.2011 um 00:21:14
 
Sack aufgehängt

Das Unwetter lässt auf sich warten, erst Samstag um vier Uhr bricht es los. Bis wir aufstehen, ist es vorbei, am Weg zum Bauernpredigtstuhl sehen wir erst die Bescherung: Die obere W-Wand ist schwarz - vor Wasser. Ein Weitergehen erübrigt sich, es beginnt im Halbstundentakt zu schauern. Zurück zur Hütte, stümpere ich in den Regenpausen an einer Slackline herum. Fabi hat auch das drauf. Sagen wir mal: besser als ich.
Nachmittags rennen wir noch mal ins Kübelkar. Das Ziel heißt "ABS". überwiegend ein Sechser, eine sL 7-, alles gebohrt, nach den Erfahrungen von gestern reißen wir so was in einem Nachmittag runter. Pustekuchen. Zunächst mal steigen wir die falsche Tour ein. Denn im KleFü ist die ABS nicht drin, und das Topo aus Bergsteigen.at ist zwar exakt, aber leider trifft die Zustiegsbeschreibung auf mehrere Routen zu.

Aber jetzt sind wir schon mal hier, Bolts weisen den Weg, wir wissen zwar nicht was wir tun, aber das tun wir korrekt. Spaß macht es auch, jedenfalls bis wir an eine Grasrinne kommen. Jetzt, nach dem ganzen Regen, eher eine Schlammrinne. Mit Kletterschuhen ausgeschlossen. Grödel liegen unten, selbst barfuß geht nicht, weil zwschendurch immer mal wieder unabgespeckter Fels kommt. Wir sind ja nicht in Hessigheim. Bergschuhe auch unten, weil Abseilen geplant war. Und so dicht stecken die Haken nicht, dass man da einen Flug riskiert.

Ich seile gesichert an einer einzelnen Lasche ab. Fabian schaut mich fragend an. Er weiß wie ich, dass dabei schon mal Seile kaputt gehen. Doch mit Hilfe einer Bandschlinge banne ich die Gefahr. Und ich bin ja an zwei Seilen gesichert, Fabian nimmt das zweite Seil ein. Mit der geeigneten Technik bekomme ich dann auch die Bandschlinge wieder. Hat schon was, so eine FÜL- Ausbildung. Und Fabis Worte "Das kenne ich zwar, wäre mir jetzt aber nicht eingefallen" adelten mich (ein wenig).

Die ABS startet 20 m weiter rechts (unten). Nach 15 Metern wird es das erste Mal schwierig "Jetzt muss ich mein Leben einer einzelnen Expansionslasche anvertrauen."  Von unten tönt es "Ich dachte das Thema ist durch. Du vertraust Dein Leben Deinen Händen an." - "Ich will mich aber reinhängen" - "Nein. Du willst Dich beherrschen". Ich bin folgsam Zwinkernd und komme mit ziemlich harten Armen am zweiten und dann mit richtig harten Armen am dritten Haken an. Jetzt darf Fabi weitermachen, und auch er findet die günstigste Grifffolge nicht auf Anhieb. Nach vier Seillängen, in denen ich Rucksackträger bin, geht es ans gut organisierte Abseilen. Eine knappe halbe Stunde später stehen wir wieder am Einstieg, mit Wut im Bauch sind wir in weiteren 30 Minuten an der Hütte. Und ich endlich nicht mehr erkältet.

Irgend jemand entlockt mir dann unser Missgeschick und lächelte mitleidig. "Die Multerkarwand ist genau so über- wie die neueren Touren hier unterbewertet. Das muss man einfach wissen. "Die Junx aus Kitzbühel bohren wie die Weltmeister, locken mit schwachen Bewertungen die Leute an und kringeln sich, wenn von 20 Seilschaften mal wieder nur 2 oder 3 oben ankommen. Das Gelächer hört man dann hier oben noch Smiley . Aber umgekommen ist noch niemand." -  "Immerhin etwas." - "Die Touren sind fair gebohrt,keine Aufschläge, kein verbauter Rückzug. Und wo es wirklich schwer wird, steckt auch viel." Nun ja.

Wir genießen den letzten Sommer- Sonnenuntergang allein (!) auf der Hüttenterrasse.
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« Zuletzt geändert: 06.09.2011 um 07:55:57 von Lamл[tm] »  

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Re: 5 Tage Kaiser - mit Kaiserwetter und kaiserlichem Seilgenossen
Antwort #6 - 05.09.2011 um 00:21:46
 
Sack abgehängt

Am Sonntag geht es zum Leuchsturm. Mit dem Dreierweg habe ich noch eine Rechnung offen. Vor 10 Jahren hat er mich mittels dreier Regentropfen abgeworfen. Weil es heute noch nach Hause geht, starten wir trotz der Kürze der Route wieder um 6 Uhr. Das ist immer noch zu spät. Denn ab 7 Uhr 30 brennt die Sonne ohne erkennbares Erbarmen in die Südwand. Die Schlüssellänge, die mich 2001 (frei) fast eine Stunde gekostet hat, kriegen wir jetzt flott hinter uns. Daran, dass darauf ein senkrechter Zuckerwürfelhaufen folgt, erinnere ich mich wieder, als dieser an mich geht. Nein, in zweites Mal tu ich mir das nicht an. Und den Fabi mag ich auch nicht vorschicken. Aber hier haben viele ein Problem. Deshalb hat der Weg eine Begradigung erfahren. Ist zwar deutlich schwerer, 5- statt 3, aber direkt über dem Standplatz, sicherheitstechnisch optimal, ist eine schöne gesinterte Sanduhr, dann ein bombiges Köpfl, und dann kommen noch drei Bolts. Wer den alten Bruch immer noch steigen will, kann das gern im Originalzustand tun. Wo will man da auch bolten?

Die ganze Route ist damit reinstes Pläsierklettern, wenn man mit Keilen und Friends umgehen kann. Dort wo nichts geht, steckt ein Bolt. Aber nur dort. Und natürlich an den Standplätzen. Unvergesslich die Hangelschuppe in der sechsten Länge. Von der plattigen Querung an der Schlüssellänge ganz zu schweigen. Nur der dreckige, im Inneren mit grünen Schleim überzogene Kamin trübt das marginal. Wobei es jetzt eine Umgehung gibt. Mit riesigen Messinglaschen.

Der Abstieg ist ratzfatz erledigt. Von der mitten in der Wand befindlichen Ausstiegsscharte 60 m zum Leuchsturm- Schnellabstieg abseilen. Hier möchte ich mich noch mal beim Fabi bedanken, dass er mich an der langen Querung über einschichtigen Rollsplitt auf Platten ans Seil genommen hat. Obwohl er selbst dort "einfach so rüberlatschen" würde und ich früher oder später ohnehin .. s.o. Smiley

Wir bummeln zurück zum Jägerwirt, wo uns zwei Zugezogene noch bis München- Laim mitnehmen. Wir klamüsern unser Zeug auseinander und steigen in die gleiche S-Bahn. Die Tour ist jetzt Erinnerung. Zwei Haltestellen vor Hbf schaffe ich grade noch, die Tränen zurück zu halten. "Du, Fabian, Wir sehen uns doch noch mal?" Das erste Mal überhaupt schlingt er seine schlanken Arme um mich herum. Selbst beim Gipfelgruß hat er es nie getan. Er drückt so, dass ich keine Luft mehr bekomme. "Sicher". Wir wissen beide, dass das nicht sicher ist. Wenn ich schon zu schwach bin, um unter einer anständigen Umarmung noch zu atmen. Aber vielleicht hat er ja noch mal für ein paar Tage nichts Ebenbürtiges. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Aber auch sonst wünsche ich meinem "kleinen" (4 cm längeren) Bergfreund viele tolle Touren und immer gesunde Heimkehr. Auch Du, lieber Fabian, wirst nicht immer 17 sein. Doch wenn Du 70 bist, dann schau ich mir die Felsen schon von unten an. womit wir wieder in der Welt der unsäglichen Schnulzen wären.

Jetzt, 3 Wochen später, kommen mir diese 5 Tage wie ein ganz großes Geschenk vor.
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Re: 5 Tage Kaiser - mit Kaiserwetter und kaiserlichem Seilgenossen
Antwort #7 - 05.09.2011 um 00:22:47
 
Schreck in der Abendstunde.

Auf der Weiterfahrt nach Überlingen möchte ich meine Fotos vorsortieren. Die Kamera ist mir aus dem Deckelfach gefallen. Eigentlich kann sie nur beim Fahrer sein. Doch der hat sich bis heute nicht gemeldet.

Da macht man ein Mal die Kletterwoche "seines Lebens" (OK, da gab es noch ein paar mehr), und dann sind fast alle Erinnerungen weg. Die 99 Oironen für die Kamera wären ja noch zu verschmerzen.

Über vier Foren, drei Mailinglisten, die Fundbüros in München und Scheffau und die Kletterhalle habe ich schon versucht, den Fahrer zu kontaktieren. Jemand noch eine Idee?
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« Zuletzt geändert: 06.09.2011 um 08:15:07 von Lamл[tm] »  

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Re: 5 Tage Kaiser - mit Kaiserwetter und kaiserlichem Seilgenossen
Antwort #8 - 12.10.2011 um 22:58:53
 
Hallo zusammen,

Lenni hat dankenswerterweise vom Kopftörlgrat noch ein paar Bilder beigebracht.

...

...
Erste Kletterstelle kurz vor Turm 3

...

...

Nah- und Weitblick nach Süden. Das zurückliegende Schlechtwetter ist noch in Form

von weißen Zentralalpen sichtbar.      

...
Richtung Strips

...
und Richtung Goinger Halt

...
Weitblick ins Flachland

...
Zwischen Turm 5 und 6

...
Einzige wirkliche Wand

...
Turm 6 wird umgangen, Turm 7 ist der Gipfel der Ellmauer Halt

...
Treffauer

...
Blick zurück, das große Teil ist der Turm 4 (Leuchsturm)

...
Wir bleiben noch ein wenig oben, um den Hüttenrummel nicht übermäßig lang zu

"genießen".

...
Der wilde Treffauer

...
Abstieg durch Schutt
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