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Katalonien- Rundreise 2013 (Gelesen: 3115 mal)
Lamл[tm]
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Katalonien- Rundreise 2013
26.01.2014 um 11:17:02
 
Und es begab sich zu der Zeit, als das Studium den ewig rastlosen Steffen nach Barcelona verschlug, dass auch ich dieser schönen Stadt und dem noch  schöneren durch dieses regierte Land mal wieder einen Besuch abstattete. Es war der 22.September 2013

Insgesamt waren wir mehrmals in Barcelona, um kurzfristig angekündigte Regentage auszusitzen, die Stadt- Erzählungen, die etwa 1/4 des ganzen Berichts ausmachen, sind aber im ersten Beitrag zusammengefasst, damit die, die das nicht interessiert, gleich beim zweiten Teil anfangen können.

Der goße blecherne Vogel mit der Harfe bringt mich dieses Mal von Memmingen nach Girona, das nach einstündiger Suche endlich gefundene Mietauto nach Barcelona, wo ich erneut eine Stunde warte, bis um 20 Uhr das temporäre Parkverbot an diesem idyllischen Platz, eingezwängt zwischen der Zoomauer und Bahngleisen, aufgehoben wird. (Zurück in Friedrichshafen darf ich mir dann den Spott eines Spaß- Fahrers anhören, der behauptete, die Strecke nach Barcelona in 9 Stunden selbst fahren zu können). Schön wäre es, wenn das Automobil seinem Namen gerecht würde und ohne Zutun des Fahrers ans Ziel fände.
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Die Knöllchentruppe ist am nächsten Morgen schon am anderen Ende der Straße, 5 min später und es wäre richtig teuer geworden.

Die Dauerparkplätze befinden sich an den Endstellen der Metro, d.h. vor der übelsten Rushhour an den südwestlichen Stadtrand fahren, dort irgendwo (wo genau, wird nicht verraten) in den Büschen parken und gegen 9 Uhr 30 gemeinsam mit gefühlt 15 Pendlern pro m² wieder zurück in die Stadt, die vor der allgemeinen Finanzkrise als eine der teuersten der Welt galt. Nun, wo selbst die im nationalen Vergleich steinreichen Katalanen auch nichts mehr zu verschenken haben, hat das den Vorteil, dass man sich auch als Normal- Touri das Frühstück im Nobelcafé leisten kann.
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Das Haus hat schon mal bessere Zeiten gesehen, dafür ich noch kein Treppenhaus mit Tonnengewölbe
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und schmiedeeisernen Gitterstäben in den Lichthof - sagen wir mal Lichtschacht.
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Im vierten Stock über dem neu gestalteten Placa Comercial, der Mitte des Stadtteils Born, schaut man auf die ehemalige Markthalle, in der die Anfänge von Barcelona freigelegt wurden und auf die geduldig bis 2 Stunden wartenden Besucher.
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Die Straßenkreuzungen sind zu oktogonalen Plätzen aufgeweitet.
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Dass sich in der fast vollständig denkmalgeschützten Innenstadt auch "Bunker" befinden, hat mit dem spanischen Bürgerkrieg zu tun, der hier nur "der Krieg" genannt wird. Spanien war an beiden Weltkriegen nicht beteiligt. Hier hat man im allgemeinen Bauboom eine etwas schönere Fassade spendiert.
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Für mich einer der faszinierendstes Orte der Stadt ist "die" Boqueria, eine Markthalle mit den Ausmaßen des Stadions des FCB (B wie Barcelona). Es befinden sich gefühlt auch gleich viele Leute darin. Es dauert allerdings etwas, bis man darin hat, was man gern hätte, zumal eine Sprache gesprochen wird, die man kaum lesen, geschweigedenn verstehen kann.
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An jeder Ecke gibt es weitere Märkte, die im Gegensatz zu denen in Deutschland keine Folklore- Veranstaltung sind. Drei Millionen Bewohner von Barcelona und übergangslos angrenzender Städte müssen ja irgend wie gefüttert werden.
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Ansonsten gibt es unzählige Innenhöfe mit den Ausmaßen des Münchner Marienplatzes, die heute großteils mit den Feierlichkeiten zum fünftägigen Mercé- Fest (http://en.wikipedia.org/wiki/La_Merc%C3%A8) belegt sind. Es gibt Lifemusik "von Techno bis Telemann"
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Dem Sog der Stadt kann man sich schlecht entziehen. Es wird ca. 2 Uhr.
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Der traditionelle trotz der weitestgehenden Abwesenheit von Pferden auch als Cavalcada bezeichnete "Umzug der Riesen" führt direkt unter dem Fenster Steffens Wohung vorbei.
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Für diesen Logenplatz hätte so manches Fernsehteam sicher ein hübsches Sümmchen hingeblättert (aber auch eine Ausrüstung mitgebracht, die 1000 mal so schwer und 1000 mal so teuer ist wie meine).
https://www.youtube.com/watch?v=f2f7hXW-2XU

Die baulichen Sehenswürdigkeiten habe ich dieses Mal weitgehend ausgelassen, das habe ich 7 Jahre vorher schon alles mal gezeigt. Es ist auch in den engen Straßen gar nicht so einfach, ein größeres Gebäude
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auf Chip zu bannen.
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Ein Rundgang über die Festung
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mit Blick auf den Hafen muss aber schon mal sein.
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Am Weg dorthin kommt man auch am Sportgelände vorbei,
Dies ist das "kleine" Stadion für die Olympischen Spiele
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und selbst hier, wo man fast das ganze Jahr draußen klettern kann, kann sich eine Kletterhalle halten.
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Ansonsten kann man die drahtigen Jungs und Mädels beim Training in einem ehemaligen Straßentunnel beneiden.
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Wir gehen weiter zur Schlossaussicht.
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Dort sieht man: Die Arena (rechts neben der Sichtachse) ist fertig.
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DAS sehen wir uns am Abend noch an. Nach der Abschaffung des Stierkampfs (der in Katalonien nie besonders viele Fans hatte) ist die übliche Nachnutzung ein Einkaufzentrum mit Aussichtsplattform
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Blick zum Schloss
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Hier kommt jeder ein Mal täglich vorbei, egal ob im Auto oder der Metro.
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Auch diese Kathedrale am Tibidabo habe ich 2006 besucht.
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Sehr nobel geht es im Inneren der "Arena" zu.
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Antwort #1 - 26.01.2014 um 11:21:03
 
Am Dienstag geht es dann endlich in die Berge. Wir schlafen bis in die Puppen, sehen uns noch die genau an der Wohnung vorbeiziehende. "Cavalcada" von oben an: http://youtu.be/f2f7hXW-2XU. Ich hole das Auto und dann geht es ab ca. 200 km nach Saldes. Bereits die Fahrt durch Schlüchte und am Hang entlang ist ein Erlebnis, das mir beim Fahren die nötige Aufmerksamkeit raubt.
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Hier soll es hingehen. "L'enforcadura" ist die namensgebende Scharte.
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Auf den von den Klettereien nicht erreichten Hauptgipfel führt ein Wanderweg.
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Endlich, in Saldes, steht die Pedraforca in voller Pracht vor uns.
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Irgendwie ist uns nicht so nach Hütte. Zufällig finden wir einen aufgegebenen Campingplatz, machen vorsichtig ein Grillfeuer und stärken uns noch mal.
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Es wird auch hier Herbst. Mein Sommerschlafsack ist grenzwertig dünn.
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Der Sonnenaufgang ist ein Traum. Sowas müsste man öfters mal machen anstatt immer nur durch die Berge rennen.
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Doch die südliche Sonne brennt noch, glücklicherweise befindet sich der Aufstieg auf der Nordseite. Wir besichtigen die am nächsten Morgen zur Besteigung vorgesehene Wand.
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und genießen die Aussicht vom hoch über dem Tal verlaufenden hangparallelen Panoramaweg.
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Ursprünglich war geplant, die "Estasen" zu klettern, der Weg der Erstersteiger der Wand.
Da fällt uns was ins Auge:
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Doch ein so geiles Ziel kann man sich unmöglich entgehen lassen.
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Durch dieses doch relativ unübersichtliche Gelände hingegen führt die ursprünglich geplante Tour
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Die Nordwand ist gequert. Jetzt geht es steil hoch auf den Ostgipfel.
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Jedoch nicht steil genug. Die "liebe Sonne" scheint in das windgeschützte zum COll de Verdet führende Couloir, von wo ab uns kurz vor der Kapitulation meines Kreislaufs ein kühlendes Lüftchen auf den Gipfel begleitet.
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Auf diesen Nebengipfel führt die morgige Tour.
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Selbst hier auf der Hütte: Landesflagge mit Unabhängigkeitsstern.
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Auch Selbstversorger sind hier gern gesehen
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Das Schlafgemach ist rustikal, so wie wir es in den Alpen von vor 20 Jahren noch kennen.      
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Am nächsten Morgen geht es los. Im Dunkeln stehen wir natürlich zunächst am "Einstieg" der Estasen, zur Homedes haben wir schon die erste Stunde verloren.
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Irgendwie erinnert mich das an die Ausschilderung des Bahnhofs in vielen deutschen Städten: Das Schild ist erst da, wenn man das Ziel schon sieht.
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Jetzt geht's endgültig los. Ein Bolt und ein Rosti an jedem Stand, zwischendurch gibts noch ein paar Wegmarken in Form von Normalhaken.
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Nach den meist etwas steifen ersten zwei Seillängen gewinnen wir rasch an Höhe, etwa jede Stunde zwei Seillängen, im leichten Mittelteil etwas schneller, so dass uns immer etwas Zeit für einen Blick bleibt.
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Ehe wir uns versehen, sind wir auch schon oben.
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Die Hütte - zum greifen nah
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Langsam macht es zu ...
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Im Führer steht auf Katalan geschrieben, dass man abseilen kann. Was wir nicht lesen, ist, dass das nur der Notfall für einen Rückzug ist. Deshalb stehen unsere Bergschuhe noch am Einstieg. Und darüber würde ich mich in den Arcsh beißen, wenn ich nicht zu steif wäre. Denn ich sehe, wie bequem man von hier zu Fuß hinunter kommt.
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Aber 700 m Geröllabfahrt in Kletterschuhen machen diese kaputt, und barfuß - dafür bin ich ein zu großes Weichei. Und so seilen wir uns 12 Mal ab, das volle Programm incl. Seilverhängen, aufkommende Regenschauer und selbstgemachten Steinschlag beim Seilabziehen. Wir erreichen den Wandfuß 4 Stunden später, stolpern durch den Wald und springen über kleine Absätze, erreichen die Hütte nach Ende der astronomischen Dämmerung, und der Wirt hat uns noch ein Essen warm gehalten.

Am nächsten Morgen gibt es Bratwürste, was alle weiteren Kletterpläne vereitelt. Die Sportkletterrouten an der Südwand stehen in der stechenden Sonne. Ein Local klärt uns auf, dass die Estasen nur historisch lohnend ist. 80% Stapferei durch steiles Geröll, relativ beliebige Routenführung, kaum Sicherungspunkte und schlechtes Gestein. Für morgen ist hier Regen angesagt. Also zurück nach Barcelona.

Ein kleines Video zur Tour: http://youtu.be/jBQb7G7-CpY
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Montserrat - Agulles
Antwort #2 - 26.01.2014 um 11:22:55
 
Steffen trifft seine Liebste wieder. Er tut mir so leid, man sieht ihm den Abschied deutlich an. Das ist nämlich keine oberflächliche Teenie- Liebe mehr. Denn schon am nächsten Tag, dem Samstag, geht es wieder los. Eine knappe Stunde zum Parkplatz östlich des Montserrat. 2006 waren die "Großen" des Montserrat dran, die Agulles hingegen fehlen mir noch. Wir schleppen Unmengen von Verpflegung, die wir brauchen, und Eisenwaren, die wir nicht brauchen, SChlafsack, Isomatten, Kocher etc. ca. 1 Stunde zur am Wochenende bewarteten Hütte. Wir klettern noch auf die Lokomotive.
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dann macht es zu und wir suchen die Hütte auf.
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Gekocht wird selbst.
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Die nächsten beiden Tage ist es, verglichen mit den Vortagen, relativ frisch. Zum Glück, denn auf den Kieseln kann man so ziemlich alles gebrauchen, aber keine schwitzigen Finger. Die Agulles sehen ein wenig aus die das Elbsandstein, nur abgerundet.
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Wir gehen ein bisschen Gipfelsammeln; die Kletterei ist mitunter haarig abgesichert, danach kommen wieder Hakennester. Verstehe das wer will. Wir freuen uns über jede bezwungene Nadel, 1-3 Seillängen sind das jeweils.      
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So geht dann auch der zweite Tag zu Ende, an dem ich ein Essen ausgegeben habe.
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Sowas liebt Steffen. Deshalb darf der so was auch vorsteigen. Ich bin echt froh über das Seil von oben.
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Man möge mir meine Demenz verzeihen. Hunderte Nadeln, von denen ich mir nur die Lokomotive (erste) und das ende der Welt (letzte) mit Namen merken konnte.
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Hinunter geht es meist mit Abseilen.
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Die letzte Nacht boofen wir.
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Ein Traum mit Hausgenosse.
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Überhaupt ist der Montserrat ein traumhaftes Klettergebiet, ist aber unter den Kletterern von Barcelona ein wenig aus der Mode gekommen. Witzigerweise sind die Abenteuerrouten auf der Nordseite stellenweise überrannt, aber dafür kommen die krassen Jungs und Mädels aus ganz Europa und z.T. sogar von Übersee. Meteora ist halt weiter weg vom nächsten Flughafen als Montserrat.
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Aneto oder Aller schlechten Dinge sind drei
Antwort #3 - 26.01.2014 um 11:24:27
 
Mittler Weile ist es Dienstag. Direkt vom Montserrat geht es nach Aragon Richtung Monte Aneto.

Allein die Fahrt in die Pyrenäen ist abenteuerlich. Stellenweise nur 4 m breite Nationalstraße und entgegenkommende LKW. Ständig zurücksetzen in die Ausweichstellen, ich denke schon wir kommen nie an.
In der kleinen Stadt Graus, dem Zentrum des Tals, erledigen wir letzte Einkäufe und essen gut. Zwei Mal Ranzen vollhauen für 10 Oiro. Am nördlichen Ende des 60 km langen Tals liegt der Wintersportort Benasque. Wir duschen uns in einem der weitestgehend leeren Hotels, fahren noch mal 20 km in den Talschluss und laufen mitten in der Nacht zum Refugio de la Renclusa (2140 m). http://www.fam.es/web/index.php/listarefug/renclusa
Steffen und ich wollen eine Runde drehen, vom Aneto nach Süden absteigen, dort in einer Biwakschachtel schlafen, weiter zum wunderschönen Ibón de Cregüeña
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und wieder zurück zum Ausgangspunkt.

Schit happens die erste, aber warum immer mir? Der Schlauch meines Trinksacks hat sich gelöst, aus den Klamotten im Rucksack sind Klamm-Motten geworden. Besonders übel hat es den Schlafsack erwischt. In diesem kann ich unmöglich auf 2800 m Höhe biwakieren, er ist schon trocken grenzwertig dünn. Zum Glück ist die Hütte modernisiert, mittels Handtrockner bekomme ich wenigstens den Schlafsack trocken.  Die Kleidung trocknet am nächsten morgen am aufstiegsbedingt überhitzten Körper.

Am nächsten Morgen starten wir, der hitzige Steffen voraus und ich kritiklos hinterher. Es ist nicht mehr ganz dunkel, da sehen wir auf der anderen Talseite Stirnlampen und wir das erste Mal in die Karte. Schit happens die zweite, im Gegensatz zu Steffen muss ich mit meinen Glycogenspeichern haushalten. Also alles wieder zurück, jetzt aber den richtigen Weg nach,
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der sich nach etwa 500 Höhenmetern im Blockwerk verliert. Die Steinmänner zeigen den richtigen Weg unverfehlbar an.
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Schon längst müssten wir am ersten Gletscher sein. Die Karte ist doch erst 10 Jahre alt, aber der Klimawandel hat ganze Arbeit geleistet. Das ersatzweise herum liegende Blockwerk ist weder schwierig noch besonders anstrengend, nur unendlich mühsam. Man steigt auf einen Block, wieder herunter, wieder herauf ... und kommt nicht ans Ziel. Die Wegbeschreibung gibt für diesen Abschnitt eine halbe Stunde an, auf die Tour sind wir zwei Stunden unterwegs, und das obwohl wir eine Gruppe überholen.
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Endlich, Schnee in Sicht. Wir freuen uns über die Nähe des Gipfels vermeintlich schnelleres Vorankommen,
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ei wo ist er denn? Da weder Steffen noch ich ein geeignetes GPS haben, beginnt das große Rätselraten. Ein kurzes Wolkenloch zeigt uns eine Scharte, die wir sofort ansteuern. Die Scharte war zwar nicht die richtige, das Gelände aber eindeutig, jetzt nur noch zwischen Schnee und Fels bleiben und Richtung Osten, dann ist der Gipfel nicht zu verfehlen.
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Sucht man im Netz nach dem Aneto, dann stößt man überwiegend auf solche Bilder.
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Wanderschuhe und Grödel sollten da reichen. Da kann ich die zwei Kilo Fluggepäck für Hochtourenstiefel sparen.
Zu dumm aber auch, dass dies nicht die ganze Wahrheit ist. Aber schit happens, und aller guten Dinge sind drei. Schnee ist am Gletscher fast keiner mehr. Wäre der Gletscher wenigstens durchgehend aper, könnte ich mich mit den Grödeln hochmogeln, übermäßig steil ist es ja nicht, max. 25°. Aber es gibt immer wieder Stellen, wo wenige cm Schnee(matsch) am Eis liegen. Darin finde ich mit den Schuhsohlen keinen Halt, für die Grödel wiederum ist der Schnee zu weich. Steffens Steigeisen haben längere Zacken, die erreichen das Eis immer. Dementsprechend "hocherfreut" ist er, als ich kurz vor dem Gipfel zum Rückzug blase. Ich willte mich an einer geschützten Stelle schon mal einrichten, damit Steffen geschwind noch allein zum Gipfel flitzen kann, aber angesichts dessen, dass man ohnehin nichts sieht, verzichtet er dann auch. Er gibt sich alle Mühe, seine Enttäuschung nicht anmerken zu lassen.

Am Weg nach unten wird es wieder etwas schöner, die Wolken waren wirklich nur im unmittelbaren Gipfelbereich.
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Am nächsten Morgen wollen wir noch wandern gehen, aber Morgenrot ....
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mit Regen droht
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Aus Langeweile kurbeln wir noch über ein paar Pässe nach Lleida, wo wir noch mal einen Riesenschreck bekamen. Aber alle drei beteiligten haben aufgepasst, vomit wieder bewiesen wäre, dass auf unseren Autobahnen noch Platz für einen dritten Fahrstreifen ist.
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Kurz vor Barcelona hat uns die Schwüle wieder,
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für den nächsten Tag beschließen wir noch mal einen Tagesausflug zu den Klettergärten am Südfuß des Montserrat.

Mittlerweile bin ich die Kartoffelackerkletterei gewohnt, bei Nebel gelingt mir noch eine anstrengende überhängende Rissverschneidung, die selbst dem Steffen alles abverlangt. Aber lieber anstrengend als schlechte Sturzbahn.
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« Zuletzt geändert: 26.01.2014 um 11:48:14 von Lamл[tm] »  

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Zum guten Schluss....
Antwort #4 - 26.01.2014 um 11:26:59
 
Am Samstag fahren wir noch Richtung Girona, zum Badeort L´Escala. Es soll dort einen coolen DWS- Spot geben. Bei ca. 35° im Schatten die ideale Beschäftigung. Ähnlich wie beim Bouldern werden aber keine genauen Koordinaten herausgegeben. Irgend wann finden wir das Teil, aber es liegt an einer Insel, die wir bei DEM Seegang unmöglich schwimmend erreichen können. Die Ausstiege auf knapp 20 m Höhe sind zudem kaum anfängertauglich.

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Wir beschränken uns aufs Baden und die (äußere und innere) Besichtigung einer kleinen Festung mit Traumaussicht.
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Danach geht es nach Girona. Die Altstadt ist riesengroß und wird mit der von Dubrovnik (und zwar vor dem serbisch- kroatischen Krieg) verglichen.
Hier ist während der Schneeschmelze ein reißender Fluss, jetzt eine so gut wie stehende, vor sich hin gärende Pfütze.
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Durch verwinkelte Gassen und Stäffele geht es zum Wahrzeichen der Stadt, der gerade durch ihre Unvollendung charakteristischen "Catedral"
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und jetzt muss Steffen schon nach Hause. Für die letzte Nacht habe ich mir ein Hostel genommen, denn morgen muss ich schon um 10 am Flughafen sein.
Mit innen und außen gereinigten Auto, und vielleicht noch ein paar Sehenswürdigkeiten mehr am Chip. Nach knapp 2 Wochen fällt der Abschied schon ein wenig schwer.
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Hier kommt mir aber schon ein wenig die Galle hoch - ein viergleisiger unterirdischer Bahnhof für etwa 20 Züge am Tag. Bezahlt zu 100% von der EU. Im Voraus oder nachträglich.
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In den Abend hinein unternehme ich noch einen Rudgang auf der Stadtmauer.
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Die Unabhängigkeitsbewegung ist in der Provinz Girona am weitesten verbreitet. Kein Haus ohne Fahne,
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keine Buchhandlung ohne ausuferndes Angebot zum Thema.
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Abends bin ich dann wohin geraten. Zunächst dachte ich an eine Travestie- Show, aber das ist nur ein Junggesellenabschied. Nachdem die schon ordentlich besoffenen Jungs in Mädelskleidung angefangen haben, harmlose Passanten zum Tanz zu verschleppen, mache ich mich lieber aus dem Staub.
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Mit diesen Eindrücken einer schönen Stadt
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verlasse ich das Land, bis zum nächsten Mal.
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Zurück in Memmingen empfängt mich das Schmuddelwetter wieder.
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Tipps zu Barcelona, Montserrat, Aneto und Pedraforca
Antwort #5 - 26.01.2014 um 11:28:08
 
Anreise: Autobahnfreaks fahren die 1200 km von Friedrichshafen natürlich in einem Rutsch durch und zahlen allein für die Autobahngebühr + Treibstoff mehr als ein Flugticket zzgl. Mietwagen für zwei Wochen. Vernünftige bemühen sich vorher um ein Flugticket und, sofern sie solche Strecken fahren wie wir, einen Mietwagen. In Barcelona selbst ist ein Auto eigentlich nur lästig, Parkplätze kosten pro Tag so viel wie ein Monatsticket für das gesamte Metronetz. Die Innenstadt ist zu Fuß in etwa einer Stunde zu durchqueren. Der öffentliche Verkehr auf dem Land ist ganz auf Barcelona ausgerichtet, mit etwas Planung kommt man auch in entferntere Städte. Querverbindungen sind so gut wie nicht existent, oder man muss mit riesigen Umwegen rechnen, insbesondere wenn Start und Ziel in unterschiedlichen Provinzen liegen.

Der Montserrat ist von beiden Seiten bestens von der S-Bahn her mit Bus, Zahnrad- und Seilbahn erschlossen, nach Saldes kommt man immer noch zwei Mal täglich. Zum Anteo wird es aber schwierig. Außerhalb der Saison fährt kein Bus weiter als Benasque.
In der Saison hingegen ist ab kurz hinter Benasque ein Pendelbus zum Ferienpark-Hotel "Hospital de Benasque" zu benutzen, die Straße ist dann nur für Hausgäste frei. Die letzten 4 km zum Straßenende sind dann zu Fuß zurückzulegen.

Unterkunft und Verpflegung: Hotels in Barcelona sind nach wie vor extrem teuer, die Preise sind mit London durchaus vergleichbar. "Hostels" sind oft lang vorher ausgebucht. Wer vor Ort niemanden kennt, dem bleibt entweder, sich im weiteren Umland eine Pension zu suchen oder Couchsurfing, wo sich eigentlich immer jemand findet. Lebensmittel sind bei vergleichbaren Preisen besser oder bei ähnlicher Qualität (noch) billiger als bei uns, wobei es immer Ausreißer gibt. z.B. Eis ist unverschämt teuer, und sehr guten Fisch bekommt man schier nachgeschmissen.

Sprache: Sofern man nicht Spanisch spricht, muss man sich auf die in Südeuropa übliche "Hände und Füße"- Sprache beschränken. Katalan dürfte kaum jemand von uns können, und die Einheimischen müssen als erste Frendsprache zunächst spanisch lernen. Der Auswanderungsdruck war lange niedrig, wer überhaupt eine zweite Fremdsprache lernt (z.B. um zu studieren), wählt wegen der Grenznähe und der Verwandschaft der Sprachen gern französisch. Englisch lernen viele erst an der Uni, an den (kostenpflichtigen) englischsprachigen Kursen der Universität findet man fast nur ausländische Studenten. Im Norden von Aragon kommt man mit französisch gut durch.

Touren: Die reinen Kletterberge der Pyrenäen sind im Westteil zu finden, an den Picos de Europa. Fahrzeit ab Barcelona min. 8 Stunden. Es empfiehlt sich, das entweder in einen Road-Trip einzubauen oder einmal separat über San Sebastian dort hin zu kommen.
Der höchste Berg der Pyrenäen ist der Pico Aneto (3404 m), vom Umkreis der höchsten Berge mal abgesehen gibt es keine Hütteninfrastruktur und nur wenig markierte Wege, und das bei z.T. größerer Entfernung von öffentlichen Straßen als in den Alpen. Touren sind fast durchgehend nur mit Zeltausrüstung möglich, wenn dann noch technische Gegenstände zum Klettern oder Eisgehen dabei sind, artet das alles in üble Schlepperei aus. "Light and fast" geht dort nur illegal mit Hubschrauber oder, leider oft geduldet, mit allradgetriebenen Fahrzeugen.
Zum Monte Aneto selbst habe ich im Bericht einiges geschrieben.

Die bei klarem Wetter vom Montserrat aus sichtbare Pedraforca gehört, genau betrachtet, zum (Kalk-)Vorgebirge der (Granit-)Pyrenäen. Nächste Stadt ist Berga, zur Nationalstraße mit öfters angefahrener Bushaltestelle sind es 8 km. Am Fuß ist das malerische Dorf Saldes.
Nördlich des Berges kann man am einfachen Refugi Luis Estasen für 37 Oiro sehr lecker halbpensionieren. Der katalanische Kletterclub, mit dessen Mitgliedskarte man auch in DAV und ÖAV- Hütten ermäßigt nächtigen kann und umgekehrt, betreibt an den Kletter- und Wander- Brennpunkten etwa 30 Hütten, und das auf etwa der halben Fläche der österreichischen Alpen. Wer woanders hin will, muss zelten. Vom Sportklettern, wo ein großer Teil der Weltelite im Land lebt oder sogar von dort kommt, einmal abgesehen, sind Outdooraktivitäten bei weitem weniger popolär als im nur wenig größeren Österreich. Die Regionen westlich von Katalonien sind noch deutlich dünner besiedelt, da kann man oft tagelang durch die Berge wandern, ohne auch nur einem Menschen zu begegnen.

Den Pyrenäen ist 30 km südlich ein in erdgeschichtlichen Maßstäben junges Faltengebirge vorgelagert, das nach den Flüssen entstand, so dass es unzählige wilde Schluchten gibt, an deren mehrere hundert Meter hohen Seitenwänden es noch unendliches Potenzial für Erstbegehungen gibt. Das wäre doch was für unseren Chris, da muss er nicht um die halbe Welt fliegen. Für die Autos zum Befahren der auch noch irgendwie dort reingequetschten Straßen gilt hingegen "Schmal is beautiful".

An der zwischen Barcelona und östlich von Girona gelegenen Costa Brava gibt es einige DWS- Spots. Die Felsenküste ist unglaublich beeindruckend. Die Spots selbst sind nicht so gut zu finden, am vernünftigsten ist, zunächst auf http://climbinspain.com/ nach dem nächsten Ort zu suchen und anschließend anhand von Bildern oder Youtube- clips einen Überblick über das Gebiet zu bekommen. Auf gar keinen Fall einfach irgendwo aus dem Wasser die Wand hochklettern. Die häufig genutzten Spots sind entsprechend sicher ohne Flachwasserstellen im Absturzbereich. Mindestwassertiefe ist ein Drittel (besser die Hälfte) der Wandhöhe zzgl. 2 m.
Wildleder- Kletterschuhe leiden im Salzwasser und manche Hersteller verwenden nicht salzwasserbeständigen Kleber für die Sohle.
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