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Fisting in feuchten Ritzen ... oder ... (Gelesen: 489 mal)
Lamл[tm]
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Fisting in feuchten Ritzen ... oder ...
06.05.2017 um 00:23:16
 
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Viel gelernt im Hessian Creek

Dieses Jahr war mal wieder eine Fortbildung fällig. Wie üblich kümmerte ich mich auch dieses Jahr so spät darum, dass nur noch abgefahrene Themen übrig waren. Voraussetzung z.B. „Klettern im 6 Grad mit Steigeisen und an wenigen, dafür schlechten Haken“.

Nur- Bildergucker gehen gleich hierhin: https://photos.google.com/album/AF1QipMts69zSWKi_YnuXNrVwcEinSdGUHRpUWL5lTG3
Die nichtkryptische URL lautet: http://touren.lampatzer.de/20170501fisting/

Da blieb dann realistischerweise nur noch der Import von US- amerikanischen Kletterpraktiken übrig. Und auch wenn die USA nicht mit ganz Amerika verwechselt werden sollte (wenngleich die Umgangs- Sprache weltweit hier außer in Italien keine mir bekannte Trennung vornimmt), verbleibt doch ein recht großes Land, in dem es nichts gibt, was es nicht gibt. Daher beschränkten wir 11 Teilnehmer der Fortbildung uns auf das Gebiet „Indischer Bach“. Weil es dafür in Deutschland kein natürliches Modell gibt, hat die Sektion Darmstadt- Starkenburg in Heubach (den Namen gibt es mehrfach, der Stadtteil des südhessischen Groß- Umstadt ist das richtige Heubach) einen ehemaligen Steinbruch zum Klettern eingerichtet und einige Risse nach Vorbild der USA natürlich belassen und nur mit Umlenkern ausgestattet.

Zur Einführung in die unterschiedlichen Techniken wird uns zunächst ein Video der „Wide boyz“ gezeigt: Wild Country Crack School (das findet man bei Vimeo). Schon bald schawant uns, dass masochistische Neigungen bei derlei Tätigkeiten von Vorteil sein können. Was auch nicht zum Spaß beiträgt, ist das Wetter. Vom Schnürlregen bis hin zum Nieseln ist alles dabei, sonst nicht viel. Allerdings auch kein Wolkenbruch. Drei Minuten lang blickte die Sonne durch. Immerhin.

Um unsere Schmerzgeilheit nicht bis zum Ende ausreizen zu müssen, lernen wir vorher noch das Anlegen eines Tape- Handschuhs. Natürlich sagt man uns erst nachher, dass vorher die Haare an Handrücken und Handgelenk zu entfernen gewesen wären. Das dürfen wir am Ende der Veranstaltung selbst erfahren. Aber wie gesagt, Kletterer sind ja alle ein wenig maso Grinsend

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Das Programm ist relativ schnell erklärt:

1.       Anbringen von Cams und weiteren, mitunter sehr exotischen Klemmmitteln unter besonderer Berücksichtigung der Eigenheiten festen Sandsteins.
2.       Klettertechnik in Rissen unterschiedlichster Breite.
3.       Standbau
4.       Versuche im Vorstieg

Die Ausbilder machten aus dem miesen Wetter das Beste, dafür ein dickes Lob. Punkt 1 und 3 lassen sich bodennah abhandeln. Punkt 2 und 4 natürlich nicht, und alle für Sandstein- Riss- Neulinge wie uns machbaren Wege sind natürlich liegend und zu Bächen mutiert.

Die wenigen überhängenden und damit wenigstens unten trockenen Wege sind damit von Max & Micha vorzusteigen, was sie souverän meistern – während wir am Bode stehenden Zuschauer Angst haben und bei jedem im nassen oberen Teil rutschenden Fuß gleich das Schlimmste befürchten. Entsprechend schwierig ist die Klemmerei, und nur die Handrisse sind wirklich angenehm. Fingerklemmer bringe ich nicht fertig, zum Glück habe ich schmale Hände, die in manchen Fingerriss ganz hineinkommen – dafür zwingt mich dann so mancher breite Handriss zum Fisting, was nur bedeutet, als die ganze Faust in den Riss zu stecken, dort zu verdrehen und zu hoffen, dass sie nicht rausrutscht. Hat hier etwa jemand an etwas Anderes gedacht?
Was es mit dem Spruch "Aus einem Riss kann man nicht rausfallen, man kann nur reinkotzen" auf sich hat, erfährt man im Schulterriss. Einmal festgeklemmt, ist Fortbewegung nur millimeterweise unter Zerstörung aller Klammmotten möglich. Aber davor, nach außen zu gehen, scheut man doch zurück. Im Vorstieg erst recht, denn Cams in der Größe eines Regenschirms hat man, wenn überhaupt, nur wenige dabei, und entsprechend sparsam sind sie einzusetzen.

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Stand an 3 Fixpunkten mit laaaaaanger Reepschnur
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Tatsächlich trauen sich die klettertechnisch fittesten Teilnehmer auch an die Vorstiege. Einer, der schon vorher alles konnte, nahm sich gleich den schwersten (dafür wenigstens trockenen) Weg vor. Und zwei ganz Verwegene schleimen sich im äußerst linken Bereich zwei kurze glibberige Fünfer hoch.
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DAS war die bislang nasseste Trainer- B- Fortbildung, die ich als über mich ergehen lassen musste. Dafür bin ich jetzt etwas besser gerüstet für einen Trip nach Orco. Und wenn das durchgeknallte Trumpeltier mal weg von der Macht ist, dann gehe ich vielleicht sogar mal zum indischen Bach. Ich hoffe, bis dahin nicht zu alt für solchen Blözinn zu sein.
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Lamл[tm]
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Re: Fisting in feuchten Ritzen ... oder ...
Antwort #1 - 06.05.2017 um 00:26:05
 
Info:
Das im Hauptverbreitungsgebiet der Heiligen der letzten Tage gelegene Indian Creek ist der Nabel der Risskletter- Welt. Einfach mal nach Videos suchen  - Youtube und Vimeo sind da eine unerschöpfliche Quelle. Viele Videos zeigen ziemlich durchgeknallte Typen – wobei sich Männlein & Weiblein nicht wirklich unterscheiden. Etwas durchgeknallt muss  man schon sein, um sich dort die Haut runterzuschrabbeln.

Natürlich ist Heubach mit Indian Creek nicht zu vergleichen, auch wenn es im etwa 15 km langen weiteren Verlauf des Heubach durchfließenden Gewässers einige indische Anrainer geben soll. Aber immerhin bekommt man in den bis zu 35 m hohen Rissen schon mal einen guten Eindruck, ohne gleich, wie im Elbsandsteingebirge, aufgrund des wesentlich weicheren Gesteins auf die Sicherheit von Cams und Keilen zu verzichten zu vermüssen.

Off topic: Angereist sind wir zu viert übrigens in einem Elektrofahrzeug der Oberklasse. Bei 130 km/h hört man im Inneren eine Stecknadel fallen. Bei 50 km/h hört man auch außen nichts. Beim Start an der Ampel sehen auch Fahrer von Sportwagen einer weltbekannten Schmiede aus meiner Heimat nur die Rücklichter.
Etwas mit dieser Reichweite haben die deutschen Hersteller noch nicht im Portfolio. Und so muss jeder, der so etwas Feines haben will, in Trumpelland ganz schön latzen. Keine schönen Aussichten für jemanden, der in Benztown lebt.
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« Zuletzt geändert: 28.08.2017 um 11:57:47 von Lamл[tm] »  

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Alfons Heck
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...Dosenbier und Kaviar...

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Re: Fisting in feuchten Ritzen ... oder ...
Antwort #2 - 06.05.2017 um 11:34:39
 
Hallo Lamл[tm]

warst also mal auf unserem Trainingsgelände. Hast Du zum Aufwärmen den Klettersteig bezwungen?

Wir klettern da im ganz linken Bereich des Steinbruchs zB hier http://www.sektion-alpen.net/cgi-bin/yabb2/YaBB.pl?num=1446414486/15#28 ein 4er wo zum Ausstieg hin der Name Programm ist  Grinsend
Da verschwindet, wie du sehen kannst nicht nur eine Extremität im Fels...
Dort finden sich die etwas leichteren und kürzeren Routen.

Nicht weit von Heubach entfernt gibt es noch eine schöne Wand: http://www.breuberg.de/in-breuberg-leben/freizeit/klettern/ mit gleicher Felsqualität.


Gruß
Alfons.
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