Freitag
9:45 Uhr
Zwei
heftig winkende Jungs am Münchner Hauptbahnhof begehren Einlass in einen
schwarzen Kombi. Jetzt sind wir zu viert, der harte Kern der Brotzeitgeier,
bestehen aus Alex, Wolfi, Vitus und Erwin, hat sich auf den Weg gemacht einige
Karwendelgipfel zu bezwingen und noch einen der schönsten Höhenwege
mitzunehmen. Verstärkt werden wir durch eine "erweiterte
Jungmannschaft" nämlich Regis, Kappo und Seppo.
Nach
2 Stunden sind wir in Reith bei Seefeld. Also Bergschuh an, Rucksack rauf und
los. Für Seppo ist es die erste Bergtour und ein wenig zweifelnd lauscht er
schon den einführenden Worten des Jugendleiters.
Eine
elend steile Straße hinauf bringt uns schon in der Ortschaft ordentlich zum
Schwitzen und Wolfi mit seiner Zeltlagerstoppuhr ausgerüstet sagt uns
sekundengenau wann die nächste Pause dran ist.
Dann
kurz vor dem Schartlehnerhaus, ein stillgelegtes Gasthaus, sieht man zum ersten
Mal unser heutiges Ziel... die Reither Spitze mit der Nördlinger Hütte kurz
darunter.
"Da
müssen wir rauf" Und als wir Seppos ungläubiges Gesicht sehen warten wir
nur noch auf die Worte "sach man Alter, gibt’s denn hier kein Lift?"
Ich versuche zu erklären, daß es weiter aussieht als es ist, aber irgendwie
hab ich den Eindruck, daß mir der Seppo nicht ganz glaubt.
Nach
einer großen Brotzeitgeierpause geht’s weiter und nach schon ca. einer Stunde
sind wir an der Nördlinger Hütte. Ging doch ganz schnell. Wieder gabs ungläubige
Blicke als ich unterwegs zeigte wo der Freiungen Höhenweg entlang geht.
Die
Brotzeitgeier fackelten jetzt auch nicht lange... sie wollten ihren Gipfel und
nach einer halben Stunde schallte der Geierschlachtruf
vom Gipfelkreuz: "Brotzeitgeier...auf die Brotzeit...yeeeeep"
2373m...
für Vitus, Wolfi und Alex bis dahin der höchste Berg.
Wieder
an der Hütte trafen wir auf unsere erweiterte Jungmannschaft, die sich
derweilen ein wenig mit "Sägen" beschäftigt hatte.
Eine
Riesenportion Spagetti hatten sich aber alle heute verdient und während des Hüttenabends
würde die eine oder andere lustige Geschichte erzählt.
Samstag
7:00 Uhr
Ohje....
durchs offene Lagerfenster hören wir Donnergrollen und Regenprassel. Das war so
nicht geplant. Nach dem Aufstehen sehen wir das Schlamassel es giest in Strömen
und die Wirtin sagt auch das tagsüber Gewitterschauer zu erwarten sind. An den
Freiungen Höhenweg ist daher nicht zu denken. Mist, was tun????? Nach kurzem Überlegen
wird umdisponiert und wir nehmen uns für heute unseren eigentlichen Rückweg
auf der nördlichen Seite der Freiungen und über die Eppenzirler Scharte vor.
Nach
dem letzten Hagelschauer geht’s los...und es ist jetzt eigentlich richtig
angenehm zu gehen. Es kommt sogar die Sonne raus. Nach 2 Stunden gibt’s eine
Pause auf dem "Breiten Sattel" und plötzlich, grad nach nur einem
gefutterten Würstel ziehen von der Eppenzirler Alm rauf dramatische Wolken. Wir
staunten alle wie schnell das ging und schon fielen die ersten Tropfen...und zu
allem Überfluß fing es auch noch an zu donnern. Blitz....Wwwwummmmmm
Mist,
das war verdammt nah. Wir lassen unsere Rucksäcke und Skistöcke liegen und
steigen ein wenig nach unten ab und in kauernder Stellung lauschten wir
schaudernd dem Gewitter. Das wir nass bis auf die Haut waren brauch ich wohl
nicht zu erwähnen. Nach einer halben Stunde war der Spuk vorbei und wir machten
uns fröstelnd auf den Weiterweg. Schon wurden wieder blöde Witze gerissen und
schon gabs wieder Mordsgelächter. So ein Wetter verdirbt doch den
Brotzeitgeiern nicht die Laune... eher schon der Weg zur Scharte...der sieht nämlich
grausig aus. Ewige Serpentinen durch ein steiles Geröllfeld, aber auch das
brachten wir, schwitzend wie die Esel, nach einer Stunde hinter uns und in der
Eppenzirler Scharte gabs...na was wohl? Brooootzeit.
Die
Jungs jubelten, als sie die lange Schotterreise sahen. Einige Tipps noch vom
Jugendleiter und schon gings mit einem Jauchzen bergab. Waaaahhhhnsinn.... So
ein perfektes Geröll findet man selten und Wolfi, ein Bisserl zu schnell
geworden flog fast an mir vorbei und landete nach einem eingesprungenen
Rittberger im Geröll vor mir. Aber nicht mal das aufgeschürfte Knie konnte ihm
seinen Spass nehmen, denn schon sauste er weiter talwärts....nimmer ganz so
schnell halt. 200 Höhenmeter in wenigen Minuten... das macht Laune und so muß
es Keinen wundern, daß wir plappernd und albernd am Solsteinhaus ankamen.
Und
jetzt noch einen Gipfel! Ungläubig schau ich die Jungs an. Wie bring ich die
bloß müde? Ok...packen wir den Solstein. Jeder trank noch eine halbe Flasche,
denn wir gehen ohne Rucksäcke. Ein endloser Aufstieg und nach einer Stunde
plagte uns der Durst...aber aufgeben wollte keiner und so hörte man den
Brotzeitgeierruf nach 1,5 Stunden vom 2541 m hohen Großen Solstein. Ich bin
stolz auf die Jungs. Um 18:00 Uhr waren wir dann wieder auf der Hütte...grad
richtig zum Abendessen. Aber erst mal stillten wir unseren Durst...ich denk
jedes Kamel hätte wohl neidisch gekuckt.
Hey...Überraschungsbesuch
ist da...Ulli und Angie haben beschlossen dir Geier zu treffen. Das wird sicher
ein lustiger Abend werden.
Robert
der Wirt mußte irgendwie auch schon mal was von uns gehört haben. Denn die 2
Schnitzel die jeder von uns bekam waren mächtig, aber kein Problem. Wir hatten
heute gut 1400 Höhenmeter gepackt, das macht hungrig. Der Abend wurde lustig,
Lachen, Kniffeln und um 10:00 Uhr in den Schlafsack. Heut waren alle schon arg müde.
Trotz
des großen Lagers war es recht ruhig...geschnarcht wurde kaum, nur der eine
oder andere "Pups" löste gelegentlich ein Kichern aus.
Sonntag:
7:00 Uhr
Die
erste Frage: "Wie ist das Wetter?" ein Blick aus dem Fenster zeigt uns
sich auflösende Frühnebel... Wow, das wird ein grausam schöner Tag.
Beim
Frühstück sind alle recht aufgeregt, gibt’s doch heut was zu Klettern und
"Luft unterm Hintern".
So
braucht sich niemand wundern, daß wir schon eine halbe Stunde früher als
geplant unterwegs waren. Ein ewig langer Aufstieg zieht sich bis zur...Upswieheißtdiejetzt
Scharte...aber die Felslandschaften durch die wir stiegen waren einfach super.
Nach
der Scharte geht’s dann richtig zur Sache...die meisten Stellen sind
seilversichert und wir kraxeln stetig nach oben Richtung Kuhlochspitze. Immer
wieder höre ich das eine oder andere "Wow" Boah geil", sowas
haben sie noch nicht gemacht. Die Jungs gehen sehr konzentriert und keiner muß
ans Seil. Auch die luftigsten Stellen....meistern alle bravourös. Auch Seppo
auf seiner ersten Bergtour hat mächtig Spass und ich glaub der hat Blut
geleckt. Die Wege sind wirklich schmal und immer wieder hats luftige Querungen
an seilversicherten Passagen. Hier hat wirklich nur der was zu suchen der
absolut trittsicher und schwindelfrei ist. Es geht immer wieder ganz nach oben
auf die Freiungen Türme und so weis ich gar nicht wie viele Gipfel wir da fast
noch bestiegen hätten, aber das war heut nicht wichtig.... der Weg wars der
Spass brachte.
So
noch eine harmlose Abseilstelle durch eine Rinne, hier kann man dramatische
Fotos machen, und noch 30 Minuten auf schmalen Wegen und wir kamen an den
Ursprungsattel. Hier schließt sich der Kreis...hier sind wir gestern abgebogen.
Endlich
gabs die ersehnte Brotzeit die wir noch vehement gegen eine Schafherde
verteidigen mußten...ich dachte immer die Viecher fressen nur Gras...die hier
waren scharf auf Salami.
"husch,
weg jetzt...nix gibt’s"
Seppo und ich unterhielten uns lautstark über Lammkeulen und das muß wohl
gewirkt haben. Die Schafe ließen uns in Ruh.
So...
jetzt noch eine dreiviertel Stunde Aufstieg zu Nördlinger...ging irgendwie
total schnell jetzt. Regis sponserte allen noch ein Getränk...Daaaaanke... und
dann gings an den elendigen Abstieg. 2 Stunden nur runter.... brachten Gelenke
zum Protestieren und Knieschwammerl zum Blühen. Dann endlich, das letzte Stück
steile Straße ärgerte uns noch ein wenig, aber der Dorfbrunnen ließ uns sogar
diesen Knochenbrecher vergessen.
Am
Parkplatz dann.... endlich raus aus den Bergstiefeln und ein aromatischer Duft
zog in unsere Nasen. Das kann ja heiter werden beim Heimfahren. Limburger
hochkonzentriert.
Irgendwann gings schließlich ans Abschied nehmen....das ist immer ein blöder Moment, aber das Wochenende hat allen Teilnehmern, einschließlich dem Berichterstatter, supergut gefallen und auch die erweiterte Jungmannschaft hat gut mit der Jugend harmoniert... und es war sicher nicht unsere letzte gemeinsame Tour. Ich hab in die Augen von Allen geschaut...Da war ein Strahlen und ein Funkeln... Karwendelfunkeln.
Mit
dabei waren...bei den Brotzeitgeiern:
Wolfi 11 Jahre
Vitus 13 Jahre
Alex 17 Jahre
Die
erweiterte Jungmannschaft waren:
Regis 54 Jahre (nicht wirklich)
Capo 62 Jahre (im Herzen so alt wie
der Wolfi)
Seppo 28 Jahre (eh noch fast Jungmannschaft)
Jugendleiter und Berichterstatter Erwin 44 Jahre ( der wird sowieso nie
erwachsen)
Danke
für dieses wunderbare Wochenende an alle Teilnehmer
Bilder folgen!
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