Brotzeitgeier - Karwendelgeier
Jugendtour über den Freiungen Höhenweg vom 03.09 bis 05.09.2004


Freitag 9:45 Uhr

Zwei heftig winkende Jungs am Münchner Hauptbahnhof begehren Einlass in einen schwarzen Kombi. Jetzt sind wir zu viert, der harte Kern der Brotzeitgeier, bestehen aus Alex, Wolfi, Vitus und Erwin, hat sich auf den Weg gemacht einige Karwendelgipfel zu bezwingen und noch einen der schönsten Höhenwege mitzunehmen. Verstärkt werden wir durch eine "erweiterte Jungmannschaft" nämlich Regis, Kappo und Seppo. 

Nach 2 Stunden sind wir in Reith bei Seefeld. Also Bergschuh an, Rucksack rauf und los. Für Seppo ist es die erste Bergtour und ein wenig zweifelnd lauscht er schon den einführenden Worten des Jugendleiters.

Eine elend steile Straße hinauf bringt uns schon in der Ortschaft ordentlich zum Schwitzen und Wolfi mit seiner Zeltlagerstoppuhr ausgerüstet sagt uns sekundengenau wann die nächste Pause dran ist.

Dann kurz vor dem Schartlehnerhaus, ein stillgelegtes Gasthaus, sieht man zum ersten Mal unser heutiges Ziel... die Reither Spitze mit der Nördlinger Hütte kurz darunter.

"Da müssen wir rauf" Und als wir Seppos ungläubiges Gesicht sehen warten wir nur noch auf die Worte "sach man Alter, gibt’s denn hier kein Lift?" Ich versuche zu erklären, daß es weiter aussieht als es ist, aber irgendwie hab ich den Eindruck, daß mir der Seppo nicht ganz glaubt.

Nach einer großen Brotzeitgeierpause geht’s weiter und nach schon ca. einer Stunde sind wir an der Nördlinger Hütte. Ging doch ganz schnell. Wieder gabs ungläubige Blicke als ich unterwegs zeigte wo der Freiungen Höhenweg entlang geht.

Die Brotzeitgeier fackelten jetzt auch nicht lange... sie wollten ihren Gipfel und nach einer halben Stunde schallte der Geierschlachtruf  vom Gipfelkreuz: "Brotzeitgeier...auf die Brotzeit...yeeeeep"

2373m... für Vitus, Wolfi und Alex bis dahin der höchste Berg.

Wieder an der Hütte trafen wir auf unsere erweiterte Jungmannschaft, die sich derweilen ein wenig mit "Sägen" beschäftigt hatte.

Eine Riesenportion Spagetti hatten sich aber alle heute verdient und während des Hüttenabends würde die eine oder andere lustige Geschichte erzählt.

 

Samstag 7:00 Uhr

Ohje.... durchs offene Lagerfenster hören wir Donnergrollen und Regenprassel. Das war so nicht geplant. Nach dem Aufstehen sehen wir das Schlamassel es giest in Strömen und die Wirtin sagt auch das tagsüber Gewitterschauer zu erwarten sind. An den Freiungen Höhenweg ist daher nicht zu denken. Mist, was tun????? Nach kurzem Überlegen wird umdisponiert und wir nehmen uns für heute unseren eigentlichen Rückweg auf der nördlichen Seite der Freiungen und über die Eppenzirler Scharte vor.

Nach dem letzten Hagelschauer geht’s los...und es ist jetzt eigentlich richtig angenehm zu gehen. Es kommt sogar die Sonne raus. Nach 2 Stunden gibt’s eine Pause auf dem "Breiten Sattel" und plötzlich, grad nach nur einem gefutterten Würstel ziehen von der Eppenzirler Alm rauf dramatische Wolken. Wir staunten alle wie schnell das ging und schon fielen die ersten Tropfen...und zu allem Überfluß fing es auch noch an zu donnern. Blitz....Wwwwummmmmm

Mist, das war verdammt nah. Wir lassen unsere Rucksäcke und Skistöcke liegen und steigen ein wenig nach unten ab und in kauernder Stellung lauschten wir schaudernd dem Gewitter. Das wir nass bis auf die Haut waren brauch ich wohl nicht zu erwähnen. Nach einer halben Stunde war der Spuk vorbei und wir machten uns fröstelnd auf den Weiterweg. Schon wurden wieder blöde Witze gerissen und schon gabs wieder Mordsgelächter. So ein Wetter verdirbt doch den Brotzeitgeiern nicht die Laune... eher schon der Weg zur Scharte...der sieht nämlich grausig aus. Ewige Serpentinen durch ein steiles Geröllfeld, aber auch das brachten wir, schwitzend wie die Esel, nach einer Stunde hinter uns und in der Eppenzirler Scharte gabs...na was wohl? Brooootzeit.

Die Jungs jubelten, als sie die lange Schotterreise sahen. Einige Tipps noch vom Jugendleiter und schon gings mit einem Jauchzen bergab. Waaaahhhhnsinn.... So ein perfektes Geröll findet man selten und Wolfi, ein Bisserl zu schnell geworden flog fast an mir vorbei und landete nach einem eingesprungenen Rittberger im Geröll vor mir. Aber nicht mal das aufgeschürfte Knie konnte ihm seinen Spass nehmen, denn schon sauste er weiter talwärts....nimmer ganz so schnell halt. 200 Höhenmeter in wenigen Minuten... das macht Laune und so muß es Keinen wundern, daß wir plappernd und albernd am Solsteinhaus ankamen.

Und jetzt noch einen Gipfel! Ungläubig schau ich die Jungs an. Wie bring ich die bloß müde? Ok...packen wir den Solstein. Jeder trank noch eine halbe Flasche, denn wir gehen ohne Rucksäcke. Ein endloser Aufstieg und nach einer Stunde plagte uns der Durst...aber aufgeben wollte keiner und so hörte man den Brotzeitgeierruf nach 1,5 Stunden vom 2541 m hohen Großen Solstein. Ich bin stolz auf die Jungs. Um 18:00 Uhr waren wir dann wieder auf der Hütte...grad richtig zum Abendessen. Aber erst mal stillten wir unseren Durst...ich denk jedes Kamel hätte wohl neidisch gekuckt.

Hey...Überraschungsbesuch ist da...Ulli und Angie haben beschlossen dir Geier zu treffen. Das wird sicher ein lustiger Abend werden.

Robert der Wirt mußte irgendwie auch schon mal was von uns gehört haben. Denn die 2 Schnitzel die jeder von uns bekam waren mächtig, aber kein Problem. Wir hatten heute gut 1400 Höhenmeter gepackt, das macht hungrig. Der Abend wurde lustig, Lachen, Kniffeln und um 10:00 Uhr in den Schlafsack. Heut waren alle schon arg müde.

Trotz des großen Lagers war es recht ruhig...geschnarcht wurde kaum, nur der eine oder andere "Pups" löste gelegentlich ein Kichern aus.

Sonntag: 7:00 Uhr

Die erste Frage: "Wie ist das Wetter?" ein Blick aus dem Fenster zeigt uns sich auflösende Frühnebel... Wow, das wird ein grausam schöner Tag.

Beim Frühstück sind alle recht aufgeregt, gibt’s doch heut was zu Klettern und "Luft unterm Hintern".

So braucht sich niemand wundern, daß wir schon eine halbe Stunde früher als geplant unterwegs waren. Ein ewig langer Aufstieg zieht sich bis zur...Upswieheißtdiejetzt Scharte...aber die Felslandschaften durch die wir stiegen waren einfach super.

Nach der Scharte geht’s dann richtig zur Sache...die meisten Stellen sind seilversichert und wir kraxeln stetig nach oben Richtung Kuhlochspitze. Immer wieder höre ich das eine oder andere "Wow" Boah geil", sowas haben sie noch nicht gemacht. Die Jungs gehen sehr konzentriert und keiner muß ans Seil. Auch die luftigsten Stellen....meistern alle bravourös. Auch Seppo auf seiner ersten Bergtour hat mächtig Spass und ich glaub der hat Blut geleckt. Die Wege sind wirklich schmal und immer wieder hats luftige Querungen an seilversicherten Passagen. Hier hat wirklich nur der was zu suchen der absolut trittsicher und schwindelfrei ist. Es geht immer wieder ganz nach oben auf die Freiungen Türme und so weis ich gar nicht wie viele Gipfel wir da fast noch bestiegen hätten, aber das war heut nicht wichtig.... der Weg wars der Spass brachte.

So noch eine harmlose Abseilstelle durch eine Rinne, hier kann man dramatische Fotos machen, und noch 30 Minuten auf schmalen Wegen und wir kamen an den Ursprungsattel. Hier schließt sich der Kreis...hier sind wir gestern abgebogen.

Endlich gabs die ersehnte Brotzeit die wir noch vehement gegen eine Schafherde verteidigen mußten...ich dachte immer die Viecher fressen nur Gras...die hier waren scharf auf Salami.

"husch, weg  jetzt...nix gibt’s" Seppo und ich unterhielten uns lautstark über Lammkeulen und das muß wohl gewirkt haben. Die Schafe ließen uns in Ruh.

So... jetzt noch eine dreiviertel Stunde Aufstieg zu Nördlinger...ging irgendwie total schnell jetzt. Regis sponserte allen noch ein Getränk...Daaaaanke... und dann gings an den elendigen Abstieg. 2 Stunden nur runter.... brachten Gelenke zum Protestieren und Knieschwammerl zum Blühen. Dann endlich, das letzte Stück steile Straße ärgerte uns noch ein wenig, aber der Dorfbrunnen ließ uns sogar diesen Knochenbrecher vergessen.

Am Parkplatz dann.... endlich raus aus den Bergstiefeln und ein aromatischer Duft zog in unsere Nasen. Das kann ja heiter werden beim Heimfahren. Limburger hochkonzentriert.

Irgendwann gings schließlich ans Abschied nehmen....das ist immer ein blöder Moment, aber das Wochenende hat allen Teilnehmern, einschließlich dem Berichterstatter, supergut gefallen und auch die erweiterte Jungmannschaft hat gut mit der Jugend harmoniert... und es war sicher nicht unsere letzte gemeinsame Tour. Ich hab in die Augen von Allen geschaut...Da war ein Strahlen und ein Funkeln... Karwendelfunkeln.

Mit dabei waren...bei den Brotzeitgeiern: 
Wolfi 11 Jahre
Vitus 13 Jahre
Alex  17 Jahre

Die erweiterte Jungmannschaft waren:      
Regis 54 Jahre (nicht wirklich)
Capo  62 Jahre (im Herzen so alt wie der Wolfi)
Seppo 28 Jahre (eh noch fast Jungmannschaft)
Jugendleiter und Berichterstatter Erwin 44 Jahre ( der wird sowieso nie erwachsen)

Danke für dieses wunderbare Wochenende an alle Teilnehmer

 Bilder folgen!


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