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Beitrag begonnen von Lampi[tm] am 14.09.2014 um 23:29:55

Titel: Val Maira im Sommer: Und los gehts
Beitrag von Lampi[tm] am 14.09.2014 um 23:29:55
Nach einer Odyssee von Savona über Alessandria und Turin nach Cuneo schlägt auch Christian auf - endlich. 13 Uhr 40 verlassen wir Cuneo in einem der Vier Busse ins Val Maira und sind in einer knappen Stunde in Macra, dem Ausgangspunkt unserer Wanderwoche. Ursprünglich war geplant, die Straße der Kanonen zu queren, ins Valle varaita abzusteigen und dann noch im Gebiet des Mont Viso zu wandern. Bei Schneefreiheit stünde einer Besteigung, sofern meine Knie das mitmachen, auch nichts im Wege. Leider hat Christian entgegen der Absprache Gepäck dabei, das er nicht auf die Tour mitnehmen kann. Ein Paket nach .de mag er sich auch nicht leisten. Das wirft die gesamte Planung über den Haufen. Neben den vielen Nachteilen, ohne Fahrzeug unterwegs zu sein, haben wir dessen einzigen Vorteil, nämlich nicht zum Ausgangspunkt zurück zu müssen, damit verspielt. Zudem könnte der Fixpunkt ungünstiger nicht gesetzt sein als in Macra, mitten im Val Maira. Aber Hauptsache kostnix. :-(

In Macra nehmen wir das Hüttentaxi nach Palent. Wir sind überrascht dass wir zu dritt abgeholt wurden, von jemanden der offensichtlich nicht der Fahrer sein könnte. Das heißt wir waren drei Leute mit viel Gepäck, der Sohn (?) des Fahrers und der Fahrer selber und das alles in einem Fiat Punto. zu unserer Überraschung fährt der halbwüchsige tatsächlich selber. Er entpuppt sich als wahrer helldriver. Als die Straße dann einen immer steiler Anhang quert und dabei immer schmaler und kurviger wird, meint der Junge wir sollen uns nicht so anstellen er macht das schon seit dem er 12 Jahre alt ist. 10 Minuten später sind wir 600 Meter höher und 8 Kilometer weit.
Bis zum Abendessen sind noch drei Stunden Zeit, ideal zum erklimmen des Hausberges "Monte Buch". Das bedeutet 700 Meter durch steilen Wald nach oben und über eine noch steilere Wiese nach unten.
Das Essen braucht keinen Vergleich mit dem im Sterne Restaurant zu scheuen. Anschließend gibt es noch Extrem-Socializing, dem ich mich mit der ohnehin notwendigen Reparatur meines Rucksacks entziehen kann.

Vorrichtung zum Arretieren eines Rollstuhls im Bus nach Macra.


Christian legt ein wahnsinniges Tempo vor und das mit min. 10 Zentimeter Dämmstoffschicht.


Auch mir läuft die Brühe- vor Anstrengung.


Wir erreichen den Nebel und beschließen, die letzten 150 m auch noch zu gehen.


Nach knapp (Christian) oder gut (ich) 1 1/2 Stunden sind wir oben




und die WOlken reißen auf


Über den Rücken zur Abstiegswiese,



die sich gekonnt zwischen den Felsabbrüchen hindurchwindet


Wie oft hab ich schon vorgehabt, eine Machete ins nichtalpine Gelände mitzunehmen


Bestes Wetter für morgen :)


8 Deutsche, die in Sachen Lärmemission mit Italienern mindestens gleichziehen können.


Titel: Re: Val Maira im Sommer: Und los gehts
Beitrag von Lampi[tm] am 14.09.2014 um 23:32:18
Unser Weg führt uns zur Rifugio Gardetta. Zunächst durch dichten Wald mit wenig Aussichtsschneisen bis oberhalb Canosio, wo eine Kapelle sich selbst überlassen bleibt. Irgendwie traurig, die Bröckel der Fresken am Boden liegen zu sehen. Noch trauriger hingegen der Rummelplatz mitten in den Bergen: Mehrere 1000 Autos schlängeln sich eine schmale Landstraße 800 Höhenmeter nach oben, wo eine Open- Air- Disko das Tal aus seiner gesamten Länge von etwa 12 km beschallt. Es wird fleißig abgezappelt, aber als Volkstanz. Immerhin ist diese Art der Brauchtumspflege bei allen Generationen beliebt, während die "eingefrorenen" Traditionen in Deutschland irgend wann mal aussterben werden.
Weiter geht es ins Almgelände. Es wird Abend. Mit den unbehirteten Herden ist nicht zu spaßen. Wo es keine Umgehung gibt, hilft nur Rückzug. Herden die jetzt noch draußen sind, kommen auch den Rest der Nacht nicht in den Stall. Die Hunde verarbeiten sogar Wölfe in Sekunden zu Gulasch. https://www.youtube.com/watch?v=5flIqb-hyU4
In der Alm am Colle Preit gibt es Gnocchi in Käsesoße, 21:35 schlage ich in der Hütte auf, 21:40 liege ich im Bett.

Seltene Aussicht am Höhenweg


viele Schleifen nach Canosio


Bergseite


Hangseite


Talseite


Schlimmer gehz nimmer


Das herausgeputzte Canosio




Die Ställe werden tlw. nicht mehr gebraucht.


Als die rote Abendsonne ....


Man wird in diesem Land an allen Ecken mit Schildern zugetextet. DIESE Schilder sind tunlichst zu beachten. Schon mehrere Disobienten haben mit ihrem Leben gezahlt.


Langsam sollte man mal zu Potte kommen - sonst ist er leer.



Der einzige richtige Berg auf der großen Schafwiese.






Gardetta- Hütte außen


und innen


Ich weiß ja nicht wer auf die Idee kommt, Windeln in Klo zu werfen ....

Titel: Re: Val Maira im Sommer: Und los gehts
Beitrag von Lampi[tm] am 14.09.2014 um 23:33:44
Überwiegend Asphalt des Vortags verursachen ein schmerzendes Knie - mehr als der steile Abstieg vom Samstag. Der Montag wird mit Erkundigen des Hüttenumfelds und viel Ruhen verbracht. Die Hütte gilt als "Familienhütte" und hat ein paar Tiere. Hier oben schlugen sich Hunderte Soldaten um ein paar Quadratkilometer Schafweide. Welch krasser Gegensatz zur sonstigen Idylle. Die Unsinnigkeit des Krieges wird an kaum einer anderen Stelle so sichtbar wie hier.

Hier das Ensemble Hütte - Wirtswohnung - Ruine - Stall


Der Zoo


Gilt im Gleichen Land, 1000 km südlich, noch als Nutztier


Dieses Vietnamesenschwein Wird irgend wann mal zu seinem Namen "Salsiccia"


Noch im "Schlafanzug, nur eine Jacke drüber"


Auf kargem Boden wachsen oft die schönsten Blumen


Und hier der Gegensatz zur Idylle: Provisorische Deckungen


Ausgebaut:


Volltreffer: Granate durchs Fenster, das Dach flog weg, drin hat vermutlich keiner überlebt


Spätfolgen


Aussichten: Endlich den Monviso gesehen


Rocca la Meja (2831 m)


Zurückgehender Permafrost


Spielplatz für Landrover.


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