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Der Zwieselbacher (Gelesen: 2882 mal)
Yak
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Um mani padme hum

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Nepal und Tibet
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Der Zwieselbacher
18.04.2003 um 11:41:59
 
Das Wetter ist seit Tagen schön und dem Hundi hatte ichs auch schon lange versprochen : Ne schöne Gassi-geh-Tour mit viel Schnee.
Nun gut, da der große Vorsitzende sich mit Hinweis auf zu viel Arbeit abgemeldet hatte, fährt Yak also mit dem Hundi alleine ins Sellrain.
Zwieselbacher Rosskogel 3081m soll ein schöner, langer Spaziergang sein, schaun wir uns den also mal an.
Am Parkplatz beim Forellenwirt in Haggen angekommen, stehen dort schon 30 Autos. Der Berg ist ein beliebtes Skitourenziel, auch jetzt noch, wo der Schnee langsam dem Frühling weicht.
Der späte April und der Mai sind im Sellrain eigentlich Schneeschuhgängers Traumzeit, aber dieses Jahr sind die Schneeverhältnisse auch für Skitourer noch recht gut. Yak hatte auch kurz überlegt die Skier zu nehmen, aber massivere Achillessehnenbeschwerden erzwangen doch die Schneeschuhe. Ist ja auch gemütlicher zum Gassi gehen.
...

Der Weg führt leicht ansteigend in das Kraspestal, passiert eine vereiste Engstelle, die für ungeübte Schneeschuhgänger und Skitourengänger ein Tragen des Materials unumgänglich macht und mündet auf 2000m in ein breites Hochtal.

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Ein Bogen nach links, eine weitere, diesmal harmlosere Engstelle, ein Bogen nach rechts und auf knapp 2500m ist wundervollstes Schneeschuh- und Skigelände erreicht. Steiler oder flacher ganz wie mans mag, weite Hänge, dazu Sonne und blauer Himmel, einfach nur schön

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Irgendwann ist der kleine Kraspesferner erreicht, hier findet sich auch nach der langen Wärmeperiode noch Pulverschnee, ein kurzer Aufschwung, dann wird es immer flacher und der Gipfel kommt in Sicht.

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Viele Skifahrer sind unterwegs, viel zu spät eigentlich, denn weiter unten findet sich jetzt zur Mittagszeit nur noch Suppe. Als Schneeschuhgänger hat mans da gemütlicher, kann in Ruhe alle Kuppen und Buckel des schönen Grates abgrasen und fotografieren.

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Dann auch zum Gipfel hoch, hier ist inzwischen kaum mehr jemand. Es ist fast windstill. Die Luft ist zwar kalt aber in der kräftigen April-Sonne spürt man das kaum

...

Eine schöne lange Gipfelrast, es besteht kein Grund zur Eile. Irgendwann wirds dann auch Zeit für den Rückweg. Chelly tobt natürlich den steilsten Hang hinunter, jagt Schneebälle die sich als Minilawinen in der Wärme lösen und ist zufrieden.

...

Durch schönsten Schnee spuren wir wieder abwärts, gedenken dem armen Vorsitzenden, der im Schweiße seines Angesichts über Dokumenten, Unterlagen und Papieren brütet.

...

Der Abstieg geht schnell und unschwierig vonstatten, nur die untere Engstelle ist jetzt etwas heikel, besser die Schneeschuhe kurz auf den Rucksack und auf die sichere Tour hinab. Wir gehen einsam durch das Kraspestal zurück nach Haggen, alle Skitourer sind natürlich längst verschwunden. Ein Genuß die Stille hier, wo der Frühling noch nicht richtig Fuß gefaßt hat. Am Forellenwirt angekommen sind alle Autos verschwunden, ausgestorben liegt der kleine Weiler im Sellraintal.

Zusammenfassung :

Eine schöne Ski- oder Schneeschuhtour über 1400Hm.
Aufstiegszeit : 4 Stunden
Abstieg : 2 Stunden
Skifahrer startet sinnigerweise spätestens um 7 und freune sich beid er Abfahrt gegen mittag über gute Schneeverhältnisse. Schneeschuhgänger haben Zeit und starten zwischen 9 und 10.
Die Tour ist überwiegend technisch leicht, zwei Engstellen (die untere und die obere Zwing) erforden gute Ski-/Schneeschuhtechnik, in der untere Stelle sollte im Zweifelsfall das Material die paar Höhenmeter getragen werden.
Verhältnisse sind für Schneeschuhe jetzt und sicherlich bis Ende Mai optimal, für Skier jetzt noch ziemlich gut, vielleicht noch 2 Wochen lang.

Viel Spaß !


Dieser Bericht ist unserem großen Vorsitzenden gewidmet, der alleine das Bruttosozialprodukt steigert, indem er der Versuchung widerstand diesen Tag für belanglose Bergsportaktivitäten zu nutzen und stattdessen wie ein Fels in der Brandung des Müßigganges steht, die Ärmel hochkrempelt und die Rezession bekämpft. Deutschland tue es ihm nach möchte ich ausrufen !  Lächelnd
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Corrie
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Re: Der Zwieselbacher
Antwort #1 - 21.04.2003 um 11:19:09
 

Hallo Yak,

der Grosse Vorsitzende sollte eigentlich den Vortritt haben, da du ihm deinen Bericht gewidmet hast. Aber er scheint ja wirklich deutliche Symptome von Arbeitssucht zu zeigen, so wenig wie man ihm in den Bergsites sieht! Ich wuensche ihm sehr, dass dieser Anfall bald vorueber geht.

Gut, dass da wieder ein - wie immer - schoener Bericht von dir zu lesen ist. "Gassi-geh-Tour" auf einen 3000er, das ist typisch Yak! Eines macht mich allerdings stutzig:

An anderer Stelle (Comm) belehrst du uns in Bezug auf oekologisches Verhalten in den Bergen. Du ermahnst uns dort, unsere Exkremente (ggf. Extremexkremente, wie in deinem Falle) vom Eise zu sammeln und in den Wald hinunterzutragen, wo sie den Schmeissfliegen als Brutstaette taugen.

Nun, "Gassigehen", hat ja mit koerperlichen Ausscheidungen zu tun, jedenfalls was den Hund anbelangt. Herrchen hat seine Willensstaerke oder schwitzt alles durch seine funktionsgerechte XCR-Gore-Tex Kleidung. Ich frage mich nun: sammelst du alles auf, bzw. faengst du alles auf, was Chelly ausscheidet und traegst es in tiefere Regionen? Oder ist es Chelly als nicht-menschlichem Wesen erlaubt, ihre Exkremente wie die Wildtiere in der freien Natur zu hinterlassen, auch wenn eine unmittelbare Verrottung wegen Frost nicht gesichert ist?

Wenn aber Chelly "Berggassi" gehen darf, ist es dann erwiesen, dass die oesterreichische Bergwelt nicht durch die Ausscheidungen eines franzoesischen Hirtenhundes aus dem Gleichgewicht gebracht wird? Ein Chihuahua waere diesbezueglich natuerlich viel gefaehrlicher, obgleich die Menge (der Exkremente) weitaus geringer ausfiele. Denn mexikanische Schmeissfliegen sind m.E. bisher nicht importiert worden - oder hier nicht lebensfaehig, da nicht domestiziert.

Ist nur der Mensch ein Stoerfaktor in der Reinen Bergwelt, oder auch seine Haustiere? Vielleicht ist es unsere deutsche Verklemmtheit, der diese verschaemte Faekalhaltung hervorruft? Die Schotten gehen z.B. anders mit diesen Problem um, wie der Brief von Bill McTurdo ueber Munro-Scatology in dem "Angry Corrie" (Namensaehnlichkeit rein zufaellig!) beweist: http://bubl.ac.uk/org/tacit/tac/tac01/braesbee.htm .

Genug davon! Wie du siehst, wirft auch eine vergnuegliche "Gassi-geh-Tour" fuer einen grueblerischen, ach so verantwortungsbewussten Deutschen eine Menge Probleme auf. Dabei moechte ich so gerne mal wieder einen Apfelknutsch schwungvoll in eine Nordwand schleudern, ganz ohne Oeko-Schuldgefuehle ...

Mit oekologischem Grusse,
Corrie



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Yak
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Um mani padme hum

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Re: Der Zwieselbacher
Antwort #2 - 21.04.2003 um 14:01:49
 
Ein Problem wird ALLES dort wo es in Massen auftritt, egal ob Mensch oder Haustier.
An besagtem Tage waren sehr viele Skitourengänger unterwegs, Hunde außer Chelly nur einer. Diese haben zudem die dankenswerte Angewohnheit sich normalerweise schon wenige Minuten nachdem sie das Auto verlassen haben, also noch im Wald zu erleichtern.
Dort bin ich dann auch so frei der Natur ihren Lauf zu lassen. Wenn natürlich Hunde in Masen auftreten, dann plädiere ich eindringlich dafür auch deren Hinterlassenschaften zu vergraben oder mitzunehmen.
Wie im Com-Forum erwähnt : Eine Bananenschale mag den Gletscher nicht entwerten, aber hunderte, das hat nunmal nichts dort zu suchen.
In der Waldzone will ich nicht so kritisch sein und organische Abfälle, sofern sie das Auge nicht schänden, nicht kritisieren, ich denke wenn diese nicht in Massen auftreten dann ist das schon ökologisch einwandfrei.
Ich weiß was Du meinst : Auch ich würde gerne mal den Apfelrest den Berg runterpfeffern, aber ich behersche mich halt. In den Rockies, auf irgendeinem namenlosen Gipfel, auf dem im Jahr zwei Menschen stehen, mag das wurscht sein, aber in unseren übervölkerten Alpen, da wird schnell eine echte Müllkippe aus dem Berg.
Wie heißt doch der Spruch : Take nothing but photos, leave nothing but footprints !?
Das ist aber auch der Wahlspruch des Sierra-Clubs und dort hat man ebenfalls nicht mit den Menschenmassen zu kämpfen, bei uns können ja schon Fußspuren zu viel sein. Ein verfluchtes Dilemma, ich kann nur an jeden appelieren sich so verantwortungsbewußt wie irgendwie möglich zu verhalten.
Da muß man kein Müsli-Aktivist zu werden, einfach nur den Mist den man hochträgt auch wieder mit runternehmen und oberhalb der Waldgrenze auch keine organischen Abfälle hinterlassen wenn es irgendwie geht.
OK ?  Zwinkernd
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Corrie
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Re: Der Zwieselbacher
Antwort #3 - 22.04.2003 um 07:59:02
 
Ok, Yak,

du hast genau den Punkt klargestellt, der mich beschaeftigt: Masse Mensch in der Einsamkeit der Berge. Wenn ich in die Berge gehe, moechte ich Natur Erleben, allein sein mit ihr, um intensiver zu sein. Zumindest hier in den Alpen bin ich dabei einer von vielen. Das zu akzeptieren faellt manchmal schwer. Denn egoistisch bin auch nicht: die anderen haben das gleiche Recht auf das Sich-in-der-Natur-Erleben wie ich.

Da bleibt nur die vernuenftige Kontrolle meiner Aktivitaeten in Solidaritaet mit der Natur und den Menschen. Ich mag keine Mueslisalbaderei,  sondern bin fuer kluges Ueberdenken aller Gewohnheiten und Prinzipien. Darin scheinen wir uns ja einig zu sein, und das freut mich!

Ciao,
Corrie
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