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HILFLOS (Gelesen: 5849 mal)
Alex
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im schönen Frankenlande
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HILFLOS
03.08.2003 um 22:41:48
 
Hilflos...

Morgens zwischen 7 und 8 Uhr auf einem Gletscher, die nächsten Seilschaften noch weit weg, da wir wieder mal sehr früh von der Hütte gestartet sind.
Wir befinden uns in einem für dieses Jahr typischen Gletschergelände, alles aper und viel Blankeis. Das Wirrwar von Gletscherspalten scheint kein Ende zu nehmen, nach jeder übersprungenen Spalte erneutes Suchen eines möglichen Weiterkommens. Die Bruchzone ist dieses Jahr schon ganz schön heftig, die Spalten so tief das man keinen Boden sieht und teilweise mehrere Meter breit und meistens schräg in die Tiefe gehend. Die kleinen Eisblöcke dazwischen haben einen winzigen Grad zum Laufen.
Das ist schon ein beängstigender Aufstieg, da bleibt man dann gern auf einer Fläche von 3 mal 3 Metern stehen um vor allem mal wieder die blank liegenden Nerven zu beruhigen. Die Steilheit beträgt etwa 25°
Wir stehen und sehen uns um.
Plötzlich, aus mir unerklärlichen Gründen verliert meine Bergpartnerin das Gleichgewicht und fällt auf das schräg abfallende Blankeis.
Mein Blick ist versteinert, ganz langsam, aber doch stetig rutscht sie auf dem Rücken liegend in Richtung der nächsten Gletscherspalte, ihr Blick allein schreit nach Hilfe ansonsten völlige Ruhe, doch in dem Gelände kann ich auch keine schnellen Schritte tun um ihr zu helfen.
Hilflos steh ich da, so hilflos wie selten zu vor...den Weg unter sie versperrt sie mir selbst.
Endlich sie hat es geschafft sich auf den Bauch zu drehen mir kommt es vor als vergehen Stunden, doch bei jeder Bewegung von mir bemerke ich wie schnell doch alles geht.
Nachwievor steh ich da einfach nur hilflos!!!
Ja, sie hat es geschafft ihr Pickel steckt im Eis! Noch etwa 1 Meter dann ist sie mit den Füßen in der Spalte... Ängstliche Blicke sehen mich an, doch bevor ich es schaffe auch nur einen einzigen Fuß vom Boden zu heben rutscht ihr Pickel aus der winzigen Vertiefung und sie kommt wieder ins rutschen... Zum Schreien ist keine Zeit, die Spalte unmittelbar hinter ihr so breit das sie sicherlich ganz tief fällt... und ich sie dann nicht mal mehr sehen würde.
Was soll ich tun? wie kann ich ihr helfen??? Ratlos, völlig hilflos steh ich da und muß mir ansehen wie sie so ganz allmählich an die Spalte rutscht. Gedanken in meinem Kopf wie versuch ich sie mit dem Eispickel von mir irgendwie aufzuhalten? Versuch ich mit einem gezielten Tritt ihre Haare zwischen dem Eis und meinen Steigeisen einzuklemmen? Ich bin einfach nur hilflos... Alle derartigen Gedanken sind so sinnlos wie nicht durchführbar, das Gelände dafür ist einfach zu gefährlich und noch dazu so wenig erfolgversprechend.
Hilflos muß ich mit ansehen wie sie cm für cm Richtung Abgrund gleitet.
Und nochmal holt sie aus, die allerletzte Chance vor der Katastrophe... ganz langsam seh ich den Pickel ins Eis fallen. Jedes einzelne Eiskristall könnt ich zählen, so derart langsam nehm ich alles wahr, sie rutscht weiter, bis sich ihr Arm fast völlig gestreckt hat.
JA!!! der Pickel hält! Kreidebleich ist ihr Gesicht, aber sie bewegt sich nicht mehr. Blitzartig bin ich bei ihr und halt sie erst mal fest. Die Füße bereits über dem Abgrund.
Endlich ich bin nicht mehr ganz so hilflos, endlich kann auch ich wieder mit ins Geschehen eingreifen. Das Aufstehen bereitet keinerlei Probleme, das Adrenalin in unseren Körpern steigt in unermeßliche Höhen. Noch im Aufstehen sagt sie mir das sie sich am Knie verletzt hat, aber das ist mir zunächst egal... erst mal einen etwas besseren Platz suchen... noch ein paar Spalten überspringen, und ein paar Meter abwärts und dann ist ein Stein fest gefroren, auf den können wir uns erst mal setzen...
Das Knie blutet leicht und ist schon völlig blau und mächtig angeschwollen.
Die Frage ob ich einen Hubschrauber kommen lassen soll beantwortet sie mit: " pfff, ich will da heute noch hoch!!!" Erst mal etwas trinken und dann wird sich schon zeigen ob es geht...
Nein, nach wenigen Minuten stellt sich heraus, auf jeden Fall Abstieg, Aufstieg kommt nicht mehr in Frage.
Wenige Meter Abstieg und ich seh wie unsicher Sie geht, und wir müssen etwa 30° steil durch Blankeis ebenfalls im wild zerklüfteten Gelände...
Etwa 10 Meter brauch ich noch um von ihr das OK für den Heli zu bekommen.
Genaue Standortbestimmung, Notruf alles klappt vorzüglich... Endlich mal das das Handy dann funktioniert wenn man es braucht. Etwa 7 Minuten später ist der Hubschrauber aus Innsbruck hier, ich winke verzweifelt mit dem roten Helm, dabei fliegt er schon direkt auf uns zu... Jetzt scheiß ich mir fast in die Hose als wenige cm neben uns die Kufe auf etwa 10 cm Länge aufs Eis aufsetzt, dem Druck den die Rotoren erzeugen ist kaum Stand zu halten und ich hab nur Angst das wir schlicht von hier weggeblasen werden. Nicht mal eine Minute später seh ich den gelben Heli tief unter mir im Tal gen Innsbruck verschwinden.
Jetzt bin ich hier mutterseelenallein in diesem verfluchten Blankeislabyrinth (Später sagte sie mir das sie von der Besatzung gefragt wurde ob ich den Abstieg allein schaffe).
Ebenfalls ziemlich unsicher steig ich Richtung Hütte ab.
Einzig positives, der Hubschrauber machte jede Gruppe auf mich aufmerksam die mich dann (wohl eher der Neugierde halber) nicht mehr aus den Augen liesen um auch zu erfahren was denn passiert sei... Aber jedenfalls hätten sie einen Sturz von mir zumindest bemerkt... Nach 1700 m Abstieg war ich dann am Auto und konnte sie dann in Innsbruck wieder mit nehmen...

An dieser Stelle wünsch ich natürlich gute Besserung, und auch wenn die Bergsaison für dieses Jahr vermutlich beendet ist... Hauptsache am Leben!

Wünsche allen das man dies nie miterlebt

Alex
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Lamл[tm]
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Re: HILFLOS
Antwort #1 - 03.08.2003 um 22:58:38
 
Hallo Hupf,

sieht aus als ob ihr da noch mal richtig Schwein gehabt habt. Angesichts meines Erlebnisses Anfang April frage ich mich ob wir nicht sicherheitshalber mal einen Sektions- Schutzengel engagieren sollten...

Gruß Rainer

Und nun was ganz Anderes:
Dein Avatar wird nur noch nach Eingabe des Passworts Deiner Privatseite schtbar. ICh denke nicht dass das so gewollt ist.
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Andy
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Anisag
Re: HILFLOS
Antwort #2 - 04.08.2003 um 09:45:47
 
Hi Alex,
mit kalten Schauern über dem Rücken habe ich Deinen Bericht gelesen. Mir ist auf einem Altschneefeld im Wilden Kaiser ähnliches passiert: Meine Begleiterin kam ins Rutschen und sauste weit hinunter bis zu einem Geröllfeld. Die Hilflosigkeit beim Zuschauen ist unbeschreiblich. Das kann ich wirklich gut nachvollziehen. Beim Abstieg übers Eis zur Verunglückten hatte ich solche Schwammerl in den Knien! Das ist wirklich ein Erlebnis, das man niemanden wünscht. Das Positive: Die Hubis sind wirklich schnell zur Stelle, wenn man Hilfe braucht.

Ich wünsche Dir gute Erholung von dem Erlebnis und Deiner Begleitung gute Besserung.
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YakGast
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Re: HILFLOS
Antwort #3 - 04.08.2003 um 10:27:56
 
Schutzengel ist nicht schlecht.
Den hatte das Yak auch ein wenig am Wochenende in dunkelster Nacht, als sich im Aufsteig zur Bernina mein Steigeisen selbst zerlegt hat. Zum Glück waren wir nicht mehr in dem über 30 Grad steilen Eisfeld in dem wir uns ein paar Minuten vorher noch befunden haben. Die Gletscher sind fies dieses Jahr, nur Blankeis, keinerlei Firn und das bis ganz weit oben.

Zitat:
rutscht ihr Pickel aus der winzigen Vertiefung und sie kommt wieder ins rutschen...


Aber hierzu mal : Für Blankeis wie man es momentan findet sind die klassischen Eispickel eher schlecht zu gebrauchen da zu unhandlich und nicht scharf genug. Ich bin auf so einem Gelände immer nur mit einem Steileisgerät unterwegs. das hält auf dem Gletschereis immer und an jedem kleinen Zipfel, krallt sich sozusagen selbst ins Eis. Das ist ein beachtlicher Sicherheitsvorteil, wenn man doch mal stolpert, was in so einen Gelände natürlich nie passieren sollte.
Ein Eispickel ist kein Krückstock, den man in erster Linie als Spazierstock verwendet sondern soll einen Sturz halten und als Sicherungsmöglichkeit dienen. Da haben meiner Meinung nach die schweren, langen Pickel der Altvorderen ausgedient.

Deine Begleiterin gute Besserung und schau zu, dass Du sie noch dieses Jahr wieder auf einen (einfachen) Gletscher mitnimmst, damit sich da kein Trauma entwickelt.
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Melanie_Büro
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Re: HILFLOS
Antwort #4 - 06.08.2003 um 09:44:43
 
So, als Hauptdarsteller des Unfalls muss ich mich nun doch nochmal selbst melden.

Yak, ich geb dir völlig recht mit deiner Aussage, ich hätte mir in dem moment auch ein richtiges Eisgerät gewünscht.

Jan-Friedrich muss ich danke sagen, mir ist da die eine oder andere Aussage von dir durch den Kopf geschwirrt, bevor ich bereit war den Hubschrauber zu holen.

Danke an Herbert, dass wir beim Eiskurs diese tollen Bremsübungen gemacht haben.

Danke an Alex, dass du echt super reagiert hast in der Situation und mir ein sicheres Gefühl gegeben hast.

Und danke an meinen Schutzengel, hätte auch anders ausgehn können.

Ich weiß bis jetzt nicht wirklich genau, warum ich gefallen bin. Ich hab aber in jedem Moment gewußt wie gefährlich das ist. Für mich ist es eine wichtige Erfahrung, nachdem ich mit ein paar wenigen Schrammen noch gut weggekommen bin. Ich soll zwar 3 Wochen mein Knie schonen, insgesamt habe ich aber keine bleibenden Schäden.

Für das kommende Jahr hab ich mir den Olperer wieder auf meine Tourenliste gesetzt und bin auch schon wieder auf der Suche nach einer leichten Hochtour, damit ich mich auf dem Gletscher wieder wohl fühle.

Herzliche Grüße, Melanie
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pet
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Re: HILFLOS
Antwort #5 - 06.08.2003 um 09:50:01
 
dann wünsch ich dir auch alles gute, und daß das mulmige gefühl auf dem gletscher ganz schnell wieder verschwindet!

lieber gruß,
pet
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Yakgast
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Re: HILFLOS
Antwort #6 - 06.08.2003 um 10:18:19
 
Yak empfiehlt :

http://www.globetrotter.de/de/shop/detail.php?&mod_nr=jz73101&artbez=Austri+Alpi...

Hab ich seit 2 Jahren im Einsatz, ist leicht, brutal scharf und schön kurz (man bleibt nicht im Zusteig an den Bäumen oder im Auge des Partners hängen beim Rucksack aufsetzen)
Beißt prima auch im gefrorenen Wasserfall, schufelt einen schönen toten Mann und hält einen Sturz viel besser, da die Haue näher am Körper ist.
Einziger Nachteil : Auf flachem Gletscher kein Krückstockersatz, dafür muß man noch einen richtigen mitnehmen.
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Climby
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Re: HILFLOS
Antwort #7 - 06.08.2003 um 12:25:50
 
Zitat:
...
Danke an Herbert, dass wir beim Eiskurs diese tollen Bremsübungen gemacht haben.
...


Bitte, bitte, ich tu, was ich kann, damit es den Sektionsmitgliedern gut geht. Da Abrutschen auf Schnee und Eis ein eher unterschätztes Risiko ist, nehmen die Bremsübungen bei meinen Eiskursen immer einen hohen Stellenwert ein.

Trotz der höheren Griffigkeit von Extremeisgeräten, ziehe ich persönlich bei Gletschertouren immer noch den klassischen Pickel vor. Durch die Anwendung als Krückstock kann er vielleicht manchen Sturz verhindern und zum Stochern in verschneiten Spalten find ich ihn dank seiner Länge immer noch ganz praktisch.
Aber das muß wohl jeder selbst entscheiden.

Viele Liebe Grüße von climby
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Meine Nachbarn hören Metal,
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Jan-F.
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Re: HILFLOS
Antwort #8 - 17.08.2003 um 17:04:22
 
Hallo Melanie und Hupf,

ist ja schauerlich - ohne Übertreibung, ich bin beim Lesen selber ganz zittrig geworden. Gott sei Dank ist es so ausgegangen. Gute Besserung fürs Knie!

Was mich noch sehr interessieren würde ist, wo genau das Ganze sich denn abgespielt hat?

Zur Pickeldiskussion:
Apere Gletscher mit sichtbaren Spalten sind doch im Normalfall gerade nicht das Problem - umso mehr der verschneite Zustand. Was nutzt dann ein Eisgerät? Ich habe noch niemanden gesehn, der sich mit so einem kurzen Teil nach unten gebückt hätte, um zu sondieren, was als Maßnahme der Spaltensturzprävention m.M. nach aus Bequemlichkeit eh viel zu selten gemacht wird.
Und was spricht gegen die Spazierstockfunktion?
Der moderne Alpinist ist ans Gehen mit Stöcken gewohnt - manche Leute so sehr, dass sie (wie noch letzte Woche vielfach beobachtet) selbst auf dem aufgeweichten und zerrissenen Lisgletscher mit Stöcken gehen. Ich behaupte, sie tun das deshalb, weil ihnen fürs "freie Gehen" die Kraft und Sicherheit fehlt.  Zweckmäßig ist folglich hier ein längerer Pickel, der die Funktionen Haltegerät und Stockersatz vereint. Damit hat z.B. Wuschl in den letzten Wochen beste Erfahrungen mit ihrem 85 cm-Pickel gemacht, selbst das Eiswändli über dem Bergschrund der Ludwigshöhen-Nordflanke (ca. 40°) war damit problemlos zu meistern.
Das Gletscherwandern mit Extremgerät scheint eine bayrisch/österreichische Eigenart zu sein, bei Schweizern und Italienern sind nach wie vor viele lange Pickel in Gebrauch. Einziger Nachteil eines langen Pickels bei leichten/mittleren Gletschertouren ist m. E. die größere Mühe beim Eingraben als T-Anker.

"Aber das muss wohl jeder selbst entscheiden."

Nochmal alles Gute und eine ab sofort unfallfreie Bergsaison,

Jan-F.
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Alex
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Re: HILFLOS
Antwort #9 - 19.08.2003 um 21:36:05
 
Hallo Jan-Friedrich,

Zitat:
Was mich noch sehr interessieren würde ist, wo genau das Ganze sich denn abgespielt hat?


Auf dem Olpererferner, Meereshöhe so um die 3040 m.
Genauer gesagt etwas unterhalb der großen Eiswulst ( oder was davon noch übrig ist...), dort wo sich der Weg dann über eine längere Strecke aufsteilt... Etwa 50 m südlich des Wildlahnergrates.

recht viel genauer bekomm ich es momentan auch nicht hin, dazu bräuchte ich erst eine Karte, hoffe das reicht dir so.


Auch noch paar Worte zur Pickeldiskussion:

Die Argumente von Yak für das Steileisgerät bei derartigen Blankeisverhältnissen erscheinen mir sehr schlüssig. Ich bin ehrlich, daran habe ich bislang nicht als Einsatzbereich für diese Geräte gedacht.
Aber ich persönlich fühle mich mit meinem normalen Eispickel wohler... für mich heißt die oberste Devise Sturz vermeiden, und das gelingt mir mit dem längeren Pickel bestimmt besser.
Zusätzlich denke ich das ich auf einem Gletscher wie dem Olpererferner der über längere Strecken relativ eben verläuft mir mit dem Eisgerät eine zusätzliche Verletzungsgefahr schaffe.. Also ich zumindest halte das Gerät nicht immer so schön lehrbuchmäßig in der Hand um mich jederzeit im sturzfall sofort fangen zu können, da es eh nicht bis auf den boden reicht würd ich da schon das ein oder andere mal etwas mit dem gerät "spielen"...  und die Dinger sind verdammt scharf... ich weiß das schmerzhaft genau!

Aber sollte ich mal in die Verlegenheit kommen wieder derartige Verhältnisse vorzufinden (hoffentlich werden die nächsten Jahre wieder besser!) und einen überwiegend steiler ansteigenden Gletscher zu begehen, dann werd ich sicherlich über die Variante mit dem Eisgerät nachdenken, vor allem weil ich doch das ein oder andere mal in der Zwischenzeit sowohl mit einem Eisgerät als auch mit einem Eispickel unterwegs war um einfach ein zusätzliches Sicherungsgerät dabei zu haben.

Auf jeden Fall wünsch ich jedem das man weder das eine noch das andere für derartige Zwecke zum Einsatz bringen muß.

Gruß

Alex

PS:
Die absolut perfekte Lösung für das Problem hatte eine Seilschaft (Vater ca.40J, Tochter ca.15J, Sohn ca.12J) die während wir auf den heli warteten bis auf etwa 10 m Sicherheitsabstand (weil wir waren ja Aussätzige, die jedes ermunternde Wort sofort mit Todesstrafe geahndet hätten) an uns heranlief und dort dann wortlos verharrten. Der Sohn am ende der Seilschaft (die gingen wahrhaftig bei diesen Verhältnissen am Seil!!! wie unverantwortlich von all den anderen am Berg!) hatte einen etwa 90 cm langen eispickel der mich an die Antiquitätensammlung meines Bergsporthändlers erinnerte, denke der hat das gleiche Modell als er in den 70igern zur creme de la creme deutschlands gehörte. Die Tochter in der Mitte zu ihren Salewagrödeln noch zwei richtig moderne Leki-Stöcke und der Vater am Beginn der Seilschaft hatte irgendwie Kipphebeleisen mit einer wahren Riemenanhäufung auf seine leichten Trekkingschuhe montiert, aber dafür glänzte der Eispickel mit ziemlich kleiner Haue und Schaufel als wenn er gerade frisch aus der Verpackung entnommen worden ist. Seltsam kam mir nur der Schaft vor, sehr neu im Anblick, fichtenfarben, die Spitze jedoch bereits zur Seite gebogen und die eingedrückten Stickter (vermutlich mit Gebetstexten) liesen auf recht weiches Material schließen...
Darüber sollten wir nachdenken...
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Re: HILFLOS
Antwort #10 - 25.08.2003 um 23:41:43
 
Vielleicht mal ganz interessant zu wissen:

Bekanntlich hat man ja anschliesend mit der Alpingendarmerie ein Gespräch, so auch ich mal wieder...

Neben einer Schilderung des Unfallherganges wollten die auch noch wissen was wir beide für Erfahrungen in hochalpinem Gelände besitzen. Weiterhin wer der erfahrerne von uns beiden ist und ganz besonders interssierten sie sich für das zum Unfallzeitpunkt getragene Schuhwerk.

Stellt sich mir die Frage was wohl passiert wäre wenn ich da eine Frage anders beantworten hätte müssen...

Alex
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Anisag
Re: HILFLOS
Antwort #11 - 26.08.2003 um 07:07:49
 
Ja, das sind Standardfragen nach einem Rettungsruf. Krass fand ich damals, dass sie noch während ich im Abstieg war, anriefen. Da waren ja einige Kletterstellen, aber sie meinten ich solle das Mobiltelefon angeschaltet lassen. Die Alpingendarmerie rief mich dann auch mehrmals an. Bei meiner Begleiterin schauten sie im Krankenhaus in der Notaufnahme zwischen zwei Untersuchungen vorbei und wollten ihre Schuhe sehen und so weiter.
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Melanie_Büro
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Re: HILFLOS
Antwort #12 - 03.09.2003 um 09:47:27
 
Und nun als Abschluss zu der ganzen Geschichte....

Nachdem der Unfall nun einige Zeit zurück liegt darf ich euch mitteilen, dass ich wieder vollständig genesen bin Zwinkernd.

Dankbar bin ich für meinen guten Versicherungsschutz, der ganze Spaß war nicht ganz billig: Ca. 1500,- EUR für 20 Min. Hubschraubereinsatz, 150,- EUR Behandlungskosten in Innsbruck.

Auch mal wieder eine gute Gelegenheit Werbung für den DAV zu machen. Obwohl ich mich nur geringfügig verletzt hatte, konnte ich nicht mehr aus dem hochalpinen Gelände absteigen.
Ein verstauchter Knöchel oder aufgeschlagenes Knie ist im Tal nicht halb so problematisch wie da oben. Man braucht einen Hubschrauber, nur weil man nicht mehr sicher gehen kann. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass wir nichts verkehrt gemacht haben, trotzdem kann es immer zu einem dummen Unfall kommen. Das sollte man bei der Auswahl seiner Touren immer berücksichtigen, sonst kann aus einer Kleinigkeit schnell ein echtes Problem werden!

Im Übrigen hat man mich auch sofort im Krankenhaus nach alpiner Erfahrung gefragt und mein Schuhwerk unter die Lupe genommen. Da ist man doppelt froh zu wissen, dass der Unfall nichts mit schlechter Vorbereitung oder schlechtem Material zu tun hatte.

Machts besser als ich!

Gruß, Melanie

PS: Alle Rettungskräfte vom Hubschrauberpersonal bis zum behandelnden Arzt waren supernett und haben sich hervorragend um mich gekümmert. Ein dickes Lob an "Christophorus 1" und Besatzung!
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