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Alles kommt anders (Gelesen: 957 mal)
Alex
Held der Berge
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---> Geschwindigkeit ist
Sicherheit <---

Beiträge: 1041
im schönen Frankenlande
Geschlecht: male
Alles kommt anders
25.08.2003 um 23:29:41
 
Schon vor Wochen plante ich über das WE vom 22 bis 24 August ein Felswochenende in den Alpen.
Dienstags zuvor sagte dann meine Begleiterin ab da sie am Samstag arbeiten musste. In Gedanken gewöhnte ich mich dann langsam daran ein Kletter-WE in der Fränkischen zu verbringen. Beim Klettern am Mittwoch sprach mich dann eine weitere Freundin auf eine alpine Klettertour im Karwendel an. Eine gut gesicherte IV in der Nähe der Dammkarhütte. Ich winkte erst mal ab, entschloss mich dann aber am Donnerstag ihr doch zu zusagen. Alles verlief problemlos, die Planung, die Literatur, alles war vorhanden als ich dann Freitag mittag von ihr einen Anruf bekam in dem sie mir mitteilte das sie dieses WE nun doch nicht mit in die Berge kann.
Ich war grenzenlos enttäuscht und setzte mich vor den PC und verabredete mich noch für Freitag zum Klettern in der Fränkischen. Dann las ich in meinem Internetforum einen Eintrag von einem Freund, der am Samstag und Sonntag zum Klettern in die Fränkische wollte. Kurz entschlossen schrieb ich gegen 15.00 Uhr in eine SMS ob er nicht Lust auf eine alpine Unternehmung hätte. Zehn Minuten später kam die Antwort: „zwar sehr kurzfristig, aber ja. Was mir so vorschwebt.“ Mir war es völlig egal, Hochtour, Klettersteig oder Klettern nur weg... Meine Verabredung sagte ich dann wieder ab, und er schlug Tannheimer Tal vor.
Klar ich sagte zu. Im Eiltempo packte ich meinen Rucksack und um 16.30 Uhr fuhr ich los.
Kurz vor 22.00 Uhr waren wir dann in Nesselwängle unterhalb dem Gimpelhaus bzw. der Tannheimer Hütte. Nach einer längeren Diskussion ob wir noch aufsteigen sollten oder nicht marschierten wir dann mit unseren schweren Rucksäcken hoch Richtung Gimpelhaus.
Als wir dort gegen 23.00 Uhr ankamen waren wir völlig überrascht das uns der Hüttenwirt der noch völlig belebten Hütte fragte ob wir ein Lager benötigen. Wir beide sahen uns an und sagten beide ohne zu zögern: Nein, wir wollen draußen schlafen. Nach einer Radlermaß legten wir uns dann auf unser hartes Lager auf der windgeschützten Hüttenterrasse. Der traumhafte Sternenhimmel, die unglaubliche Anzahl von Sternschnuppen und der wunderschöne Sonnenaufgang ließen auch die nächtlichen Besuche von Mäusen vergessen.
Am nächsten morgen wurde unsere Entscheidung von einem anderen Hüttengast bestätigt der über die stickigen und lauten (Schnarcher) Lager schimpfte.
Heute stand der Gimpel (2176 m) auf unserem Programm. Wir einigten uns auf den Westgrat (III+/A1).
Nach einer guten halben Stunde Aufstieg standen wir dann vor der etwa 200 m hohen Gimpel Südwand. Kurz entschlossen planten wir dann doch noch mal um, aus dem Westgrat wurde die Südostwand (III+). Im Führer als alpine Tour mit gebohrten Ständen beschrieben, ansonsten frei gehalten für Klemmkeile und Sonstiges. Bereits nach wenigen Klettermetern allerdings erwies sich das als völlige Fehlinformation, die Tour war mit soliden Bohrhaken in unregelmäßigen Abständen bestens abgesichert. Die Keile hätten wir uns sparen können. Nach 5 SL in wenig forderndem II-er und III-er Gelände entschlossen wir uns dann wieder etwas abzuklettern und einen anderen Weg einzuschlagen... den Südostkamin (IV). Hier war dann schon mehr klettern angesagt und die Sicherungen deutlich weniger. Nun konnte auch der ein oder andere Keil und Friend zum Einsatz kommen. Die Tour verlief über 4 SL anhaltend im IV-Grad immer im Kamin hoch. Die Ausgesetztheit wurde durch den Kamin doch deutlich vermindert, auch wenn der ein oder andere Tiefblick schon möglich war.
Nach 9 SL Aufstieg und 1 SL Abstieg kamen wir dann wenige Meter unterhalb des Gipfels auf den Normalweg. Anfangs hatten wir am Gipfel noch etwas Gesellschaft, dann aber saßen wir für etwa 3 Stunden ganz alleine auf dem Gipfel des Gimpel und konnten die herrliche Aussicht auf die Stubaier und Ötztaler Alpen genauso genießen wie den Blick auf Schloss Neuschwanstein.
Der Abstieg über den Normalweg (mit II+ angegeben) war völlig problemlos und machte dann im Geröllfeld so richtig viel Spaß.
Auch die folgende Nacht verbrachten wir dann auf der Hüttenterrasse des Gimpelhauses (die Besitzer hatten nichts dagegen einzuwenden... aber wir konsumierten auch Speisen und Getränke).
Für den nächsten Tag kaufte ich mir dann noch einen aktuellen Topo (in dem steht auch das die Südostwand am Gimpel mit BH ausgestattet ist).
Die Planung sah für Sonntag dann die Alte Südwand (IV/A0) auf die Rote Flüh (2111 m) vor.
Heute beließen wir es dann auch mal die Planung großmächtig zu verändern, nur ein paar Varianten der Tour bauten wir zusätzlich ein. Nachdem wir auch die A0 Stelle frei bewältigten hatten wir die Schwierigkeiten in dieser Route hinter uns und verlegten die 7 SL von der Rinne auf den unschwierigen Grat (~IV-) hinaus. An diesem Standplatz war die Route selbst dann beendet und wir beschlossen eine wohl sehr selten begangene Variante zum Gipfelanstieg zu verwenden. Anfangs mit scheinbar guten Klemmkeilmöglichkeiten zeigte sich die Variante als doch relativ schwer. Nach etwa 10 m lehnte sich das Gelände deutlich nach außen und für einen derartigen Riss hatte ich schlichtweg keine Keile mit dabei. Zeit zum Angst haben hatte ich nicht, denn der Überhang an solch kleinen Griffen und fast nicht erreichbaren Tritten benötigte mit dem schweren Alpinrucksack doch immens viel Kraft, die auch irgendwann mal verbraucht ist. Sicherheitshalber klemmte ich meine Hand einige male so fest in den Riss das ich sie fast nicht mehr heraus brachte. Glücklich als ich endlich über diesen Überhang heraus war brachte ich nach einem riesigem Runout nach etwa 35 m mal wieder eine solide Zwischensicherung an. Voller Glück jetzt auch mal gute Sanduhren zu finden legte ich jetzt im Abstand von nicht mal einem Meter meine Zwischensicherungen im II-er Gelände. Natürlich wollte ich in Anbetracht der Schwierigkeit des Geländes ganz sicher gehen und einen besonders guten Stand bauen was sich durch das bröselige Gestein zur wirklichen Herausforderung entwickelte. Noch während ich meinen Partner nicht sah hörte ich ihn schon stöhnen und über die Schwierigkeiten hier schimpfen...
Auf dem Gipfel waren wir leider heute nicht alleine, aber dennoch konnten wir abermals das herrliche Panorama genießen, heute bereichert durch den freien Blick auf den Haldensee. Leider mussten wir nach verhältnismäßig kurzer Zeit den Gipfel in Richtung Abseilpiste verlassen. Den folgenden Weg über die Drahtseilversicherten Stellen und im Geröll sollten wir nicht unbedingt beschreiben, in den Kletterschuhen ein wahrer Tanz auf Eiern... man sollte nicht glauben das wir eben noch richtige Kletterer waren und uns jetzt hier anstellten das uns jeder Halbschuhtourist ausgelacht hätte. Besonders knifflig war dann der Abstieg über die Eisenklammern am Klettersteig, selten hab ich mich so unwohl gefühlt, von den Schmerzen gar nicht zu reden.
An der Abseilpiste endlich angekommen gehörten wir wieder zu den Alpinisten, aber was für welche... bei dem Blick nach unten hatte selbst ich die Hosen voll, und wer mich kennt der weiß was das dann heißt...
Über zwei atemberaubende Abseilfahrten über 45 m ging es flott und großteils frei hängend in die Tiefe. Danach kam noch eine kleine unschwere Querung zum letzten Abseilhaken wo es noch mal 23 m aber weniger spektakulär nach unten ging.
Der Abstieg zum Gimpelhaus war dann noch mal eine richtige Stressaufgabe, das Geröll und die Steilheit des Geländes erforderten nochmals volle Konzentration.
Nach einer Stärkung auf der Hütte trennten sich dann unsere Wege, mein Partner ging weiter zur Tannheimer Hütte und stieg die halbe Stunde ab ins Tal um nach Hause zu fahren.
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