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Abwandern im Allgäu (Gelesen: 1806 mal)
Lamл[tm]
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Abwandern im Allgäu
18.11.2003 um 22:15:21
 
Samstag: Nicht nur grüne Grenis graben grässlich große Gräben

Das letzte Wochenende war mal wieder (Ei Farbiger Maßen) schön angesagt, am Do soll es nur 15 cm Neuschnee gegeben haben. Da sind Josep und ich natürlich gleich los gezogen.
Große Sachen (für die Jahreszeit) haben wir vor, Hochfrott, und wenn man von diesem nach N runter kommt auch noch Mädelegabel. Samstag um halb sechs sitzen wir im Zug, irgend wo bei Immenstadt werden wir wach, frühstücken bis Oberstdorf, wo es uns noch gelingt, für 20 Euronen das Wochenend- Ticket zu verticken.


 
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http://community.webshots.com/photo/100736384/100737436pDLoCe
 

Wir radeln nach Einödsbach, Deutschlands südlichstem Hof und starten von dort zum Waltenberger Haus. Der Schnee kommt früher als vorgesehen, bereits ab 1500 geschlossene Schneedecke und einige Lawinenkegel. Trotz hervorragend vor Wind geschützter Lage geht schon ein ordentliches Lüftchen, und dieses hatte genug Zeit, die 15 cm zu vervielfachen.
Etwa 100 Meter des Hüttenwegs sind aus der senkrechten Wand gesprengt und mit Stahlseil versichert. Von diesem Weg ist natürlich nixxx mehr zu sehen. Aber wir waren ja 6 Wochen zuvor schon mal da und wissen, wo wir hin müssen. Nach 20 Meter Wühlarbeit erreichen wir, einen eine Rinne querenden hüfttiefen Graben grabend, das rettende Stahlseil. Wir klippen uns klettersteigmäßig ein und stapfen munter, einem Räumfahrzeug gleich den losen Schnee in die Tiefe schiebend, den Weg entlang. An einer Unterbrechungsstelle stapft der in solchen Dingen erfahrenere Josep noch mal knietiefe Löcher in den Schnee, so dass ich trotz der Steilheit sicher folgen kann. Im Bockkar sieht es so aus als wäre der gesamte Neuschnee des Allgäus genau hier her verfrachtet worden. Für den üblicher Weise in einer 3/4 Stunde zu bewältigenden Katzensprung brauchen wir, vier Mal den
Spurtreterjob übergebend, zwei Stunden. Dafür sind wir jetzt auch wie erschossen.

 
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http://community.webshots.com/photo/100736384/100737494RKtIDx
http://community.webshots.com/photo/100736384/100737658jYbLjN
http://community.webshots.com/photo/100736384/100737567FRQxdx
 


Wir suchen das Brennholz, schnitzen Späne und haben gegen 19 Uhr genug Schnee geschmolzen. Weil der Ofen einklich nur zum Erhitzen der Raumluft vorgesehen ist, ist es jetzt auch gut warm. Aber mit 250 ml Brennspiritus kann man kaum Schnee schmelzen. Kochen müssen wir am Kocher. Wir verbringen den Abend mit dem, was jeder an jedem Winterabend in jedem Winterraum ausschließlich tut (Fressen und für den folgenden Morgen Späne schnitzen) und legen uns danach schlafen.

Tipp: Der Brennholzvorrat der Selbstversorgungseinrichtung ist abhängig vom sommerlichen Besuch der Hütte. Und der fand dieses Jahr so gut wie nicht statt. Noch drei Gruppen, die zum Schneeschmelzen Brennholz brauchen, und es gibt keines mehr. Also: Benzinkocher und 1 Liter Sprit mitbringen. Damit kann man notfalls auch die hervorragend wärmegedämmte Hütte warm kriegen.

Sonntag: Und bist Du nicht willig, brauch ich Gewalt
Wir sparen Holz und überlassen die Späne und das Kleinholz den nächsten. Es ist immer noch 14 Grad warm. Ein Öffnen der Tür allerdings befördert pro Sekunde einige Kilo Schnee nach innen.
Unsere schönen Spuren, über die wir so gemütlich haben hinab spatzieren wollen, sind verweht. Die Aussicht, erneut den "Klettersteig" ausgraben zu müssen, lässt uns schweren Herzens auf die geplante Tour verzichten. Gar nicht wohl ist mir zu Mute, als ich das im Hüttenbereich doch recht steile Bockkar betrete. Doch oben bleiben geht nicht und es sollte ja ab Montag neuen Schnee geben. Bergab ist es recht mühelos, einen hüfttiefen Graben zu ziehen, nur niesen sollen wir nicht. Das würde weiße Wolken produzieren. Zwinkernd


 
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http://community.webshots.com/photo/100736384/100737730eKswSC
http://community.webshots.com/photo/100736384/100737806xeMdKV
 


Und wirklich, wir müssen noch mal graben. Der Schnee ist jedoch nicht so, wie man es von frisch Angewehntem erwartet. Mitunter bockelhart gepresst klebt er das Stahlseil an den Fels. Doch mit dem Pickel als Brechstange befördern wir Schnee- und Eisplatten in die Tiefe, bis auf ein Mal klappt das auch, und da sind wir dann doch noch froh, dass wir ein Seil mit haben.
Die steile unversicherte Stelle ist mittler Weile so hart, dass wir auch hier noch mal das Seil brauchen, und weil es dahinter nixxx Gescheites zum dran Sichern gibt, macht Josep erneut seine bewährten 50 cm tiefen Stapfen, über die ich ihm sicher wie auf Engelsflügeln folgen kann - auch ohne wirkliche Sicherung. Wir spatzieren hinab nach Einödsbach.


 
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http://community.webshots.com/photo/100736384/100737876wMNzxW
 

Die Schwerkraft bringt uns mühelos nach Faistenoy. Weil das Wetter so schön ist, die Seilbahn gerade nicht fährt und in Folge dessen nicht mit Geschiebe am Gipfel zu rechnen ist, machen wir noch einen zweistündigen Ausflug, vorbei an den vielen Hinterlassenschaften des Bösen, aufs Fellhorn. Wegen der südseitigen Exposition war es bis oben fast schneefrei.
Von Josep in erster Absicht nur als Training betrachtet, ärgert er sich am Gipfel angesichts der föhnigen Aussicht und des einmaligen Alpenglühens gleich zwei Mal: Zum ersten Mal, weil er seinen Fotoapparat unten gelassen hat. Und dann, weil er sich deswegen in den nicht so nette Person beißen wollte und dies aufgrund seiner Unbeweglichkeit nicht konnte.
Die Rückfahrt von Oberstdorf nach Stuttgart verbringen wir weitgehend schlafend. Auch ohne Gipfelerfolg - jeden Falls ohne den eigentlich vorgesehenen - haben wir ein ausreichend aufregendes Wochenende hinter uns.
Wenn nix vollständig Unvorhersehbares eintritt, überlasse ich das Hochgebirge für die nächsten 4 Monate den Leuten, denen zwei Bretter die Welt bedeuten.

(Kein) Tipp: Die weiten Grashänge am Fellhorn könnten in Abwesenheit der ungezählten Seilbahntouris so schön sein. Wenn nicht an allen Ecken und Enden Schneekanonen, Pistenbullis u.ä. Zeuchs herum stehen täte....
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« Zuletzt geändert: 18.11.2003 um 22:27:19 von Lamл[tm] »  

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Re: Abwandern im Allgäu
Antwort #1 - 19.11.2003 um 16:42:11
 
Schön! Smiley Smiley

Sag doch deim Josef, dass das mit "in den Allerwertesten beißen" noch früh genug kommt! Nämlich spätestens dann, wenn ihm sein Zahnschlosser seine beiden weißen Reihen herausnehmbar installiert! ZwinkerndSmiley
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Re: Abwandern im Allgäu
Antwort #2 - 19.11.2003 um 23:03:11
 
Zitat:
Schön! Smiley Smiley

Sag doch deim Josef, dass das mit "in den Allerwertesten beißen" noch früh genug kommt! Nämlich spätestens dann, wenn ihm sein Zahnschlosser seine beiden weißen Reihen herausnehmbar installiert! ZwinkerndSmiley

Hallo Usch,

danke für die Blumen!

Das mit dem Klempner dauert noch ein Weilchen. Josep (als Spananier schreibt der sich wirklich so !) ist noch lang nicht so ein alter Sack wie ich.

Übrigens: Mit etwas Glück hält der Fön an. Wenn ja dann gehe ich auf die Minndelheimer Hütte. Wer mit will ist willkommen.
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