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Kleine Alpenquerung (Gelesen: 3371 mal)
scrat
Bergfreak
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...und sie bewegt sich
doch!!!

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Haar
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Kleine Alpenquerung
09.11.2004 um 20:28:38
 
Eine Woche im November in den Alpen wandern. Unmöglich!
Keineswegs!!
Am Samstag (30.10.) gab der Wecker ungeliebte Geräusche von sich. Ein Blick aus dem Fenster ließ uns die Decke über den Kopf ziehen. Alles grau und Regen ohne Ende.
Gegen Mittag starteten wir dann doch noch Richtung Alpen. Welche Hütte werden wir da noch erreichen?
Je näher wir den Alpen kamen, umso besser wurde das Wetter. Warum sind wir nur nicht schon früher losgefahren?
In Kreuth angekommen, gab es keinen Regen mehr. Die richtige Karte organisiert, verschafften wir uns einen Überblick.
Vom Parkplatz Winterstube (Klamm) starteten wir nun unsere Alpenquerung. Erster Stopp war die Buchsteinhütte. Eine sehr gemütliche private Hütte. Die Hütte war recht gut besucht, dennoch bekam jede Gruppe ihr eigenes Lager. Für 16 € gab es ein gutes Bett und ein reichliches Frühstück dazu.
Am nächsten Morgen sollten zwei Gipfel her (aber auch einer hätte genügt). Doch der Blick aus dem Fenster ließ uns erschaudern. Wieder Regen.
Wir machten uns auf den Weg zur Tegernseer Hütte und waren recht nass (auch von innen, weil es zu warm für unsere Regensachen war). Von Gipfeln nichts zu sehen. In der Hütte machten wir einen Zwischenstopp, mit der Hoffnung, der Regen würde etwas nachlassen.
Wir hatten Glück, es hörte gänzlich auf zu regnen. Doch die Gipfel ließen sich nicht blicken. So ließen wir sie rechts und links liegen (dort sollten sie gewesen sein) und nahmen das Ziel Lenggrieser Hütte in Angriff. Ein kleiner Steig (der mal versichert war) forderte all meinen Mut heraus. Denn Fels und Wurzeln waren sehr rutschig.
Als wir den Steig hinter uns ließen schlug das Wetter gänzlich um. Die Sonne schob alle grauen Wolken beiseite und zeigte uns, dass sie auch im November noch sommerliche Temperaturen schaffen kann.
Recht früh erreichten wir die Lenggrieser Hütte und verblüfften den Wirt, als wir ihm mitteilten hier nächtigen zu wollen.
Wir waren seine einzigen Nachtgäste. Zum Abendessen lud uns der Wirt zum Wirtsschmaus ein. Es wurde ein geselliger Abend und für mich gab es extra Bayernunterricht.
Am nächsten Morgen begaben wir uns auf direktem Weg ins Tal nach Lenggries.
Irgendwie hatten wir keine Muße, Stunden in Schlängellinien zum Brauneck zu marschieren, so entschieden wir uns für den bequemen Weg mit der Bahn. Dafür haben wir dann aber die Tutzinger Hütte direkt angestrebt. Mit etwas zu wackeligen Beinen entschieden wir uns aber nicht über den Kamm, sondern unterhalb, zur Tutzinger Hütte zu gehen. Irgendwie nahm der Weg aber kein Ende. Immer wieder ging es Abwärts, dann wieder Aufwärts und weit und breit keine Hütte.
Tom hörte Kinderstimmen. Hört er schon Gespenster? Ich hörte nur das knarren meines Rucksacks. Vor uns lief eine kleine Familie mit wirklich fitten Kindern (ich fing an, an mir zu zweifeln). Eine kurze Rast warf uns weit zurück, die Familie holten wir nicht wieder ein. Schlimmer noch. Die hereinbrechende Nacht schien uns einzuholen. Der Weg wurde schmaler, der Nebel kam näher und verschluckte immer wieder die Tutzinger Hütte, die endlich in Sicht kam. Mit jedem Schritt kamen wir ein Stück voran, doch die Hütte kein Stück näher. Was war nur los? Tom musste ganz schön mit Worten kämpfen, um mich am Laufen zu halten, wusste ich doch selbst, dass wir die Hütte erreichen müssen, draußen übernachten war unmöglich.
Mit Stirnlampe und viel Geschimpfe meinerseits (so wussten die in der Hütte wenigstens, dass wir noch da waren) erreichten wir dann im Dunkeln und mit dicker Wolken -(Nebel) Suppe unser Ziel.
Den nächsten Tag legten wir so was wie eine Pause ein. Der Gipfel der Benediktenwand war unser einziges Ziel. Belohnt wurden wir mit einer herrlichen Aussicht. Wohin das Auge auch blickte, es war wie beim Fliegen über der Wolkendecke. Bis zum Horizont unter uns alles weiß und über uns blauer Himmel und Sonnenschein. Am Gipfelkreuz wehte ein scharfer Wind, so mussten wir trotz Sonne unsere Jacken anziehen und die Kapuze über unsere Köpfe stülpen.
Anschließend gönnten wir uns den von der Hütte gegebenen Luxus einer warmen Dusche.
Am nächsten Morgen ließen wir uns von der Wolkendecke Richtung Benediktbeuern verschlucken.
Mit dem Bus ging es dann wieder zurück zum Parkplatz Winterstube bei Kreuth.
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hasei
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Der Weg ist das Ziel

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Re: Kleine Alpenquerung
Antwort #1 - 10.11.2004 um 08:18:53
 
@Scrat, sehr schöner Bericht und anscheinend auch mal wieder ein richtig ehrlicher. Zwinkernd
Macht ja direkt Lust auch die erweiterten Münchner Hausberge zu besuchen, aber jetzt regieren erst mal wieder die Bretter die die Welt bedeuten die selbige. Grinsend
lg skitourenhasei
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TOM
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I love YaBB 1G - SP1!

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Re: Kleine Alpenquerung
Antwort #2 - 10.11.2004 um 22:35:04
 
Hauptsache sie weiß jetzt dass man als SAN'ler auch ab und zu mal mit Stirnlampe durch Nacht und Nebel wandert  Grinsend
TOM
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pet
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Re: Kleine Alpenquerung
Antwort #3 - 11.11.2004 um 13:00:10
 
ab und zu?
das gehört eigentlich zur standardausrüstung!
wobei, die letzte san monatstour haben wir ja auch wider erwarten im hellen beendet...
wir werden doch nicht langsam verweichlichen?
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Smiley Smiley
 
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G
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DAV-Trainerin C Bergwandern

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Re: Kleine Alpenquerung
Antwort #4 - 12.11.2004 um 22:04:28
 
keine sorge, pet, als ich letzte woche im karwendel war, hat nur die wegbeschaffenheit der untersten etappe (fahrweg mit viiiiiel laub) mich daran gehindert, das teil auszupacken, obwohl es ab 17 uhr stockdunkel war im wald... du siehst, die verschärfte version ist, in der dunkelheit die stirnlampe im rucksack spazieren zu tragen!  Zwinkernd
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