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Der Frieden vom Similaun (Gelesen: 4944 mal)
Climby
Held der Berge
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Geht net gibt's net

Beiträge: 1745
Bayern
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Der Frieden vom Similaun
20.07.2004 um 11:24:09
 
Der Frieden vom Similaun

oder
Verfällt der Tourenreferent jetzt vollends dem Wahnsinn


Und es ward geschrieben das Jahr des Herrn 2004 als der junge Meister der Kaunertaler Nordwände und selbsternannte Herr der Weißseespitze auszog, neue Gipfel und neue Anstiege sein eigen zu nennen.
Es waren derer Tage erst wenige vergangen, in denen der Jonannisberg mit seiner völlig wehrlosen Nordflanke in einem Handstreich eingenommen wurde, schon machte sich der Herr der Weißseespitze auf den Wege zu bedeutenderen Taten, zum König des Ötztals, dem Similaun.
Um das neue Unterfangen so lange wie möglich geheim zu halten wurde entgegen den übliche Gepflogenheiten am ersten Tag der Woche anmarschiert. Zwar ist dem Similaun der Herr der Weißseespitze bekannt, doch nur aus früheren Zeiten als die Haarpracht noch üppiger und die Statur eine andere war. Der Weg durch fremde Ländereien war gezäumt von Zöllnern auf den großen Transportwegen, die nur durch das geschickte Auffinden kleiner Pfade umgangen werden konnten, ebenso wie von Händlern, die ehrlichsten davon waren dawohl immer noch derer, die den Brennstoff zur Fortbewegung günstig feilboten. Angekommen an dem Orte, an welchen der Anmarsch nur zu Fuß fortgesetzt werden konnte und der den Namen Vent trägt, boten käufliche Söldner den Transport der Angriffsmittel (Rucksacktransport) zu einem Punkte nahe der Festung des Similauns an. Doch dem gefuchsten Herr der Weißseespitze war eine längere Geheimhaltung wichtiger als diese kaum nutzenswerte Hilfe, würde sich dadurch wohl der Anschein ergeben, dass in diesem Plane keine bedeutende Tat stecke.
Auch war nie deutlich, wem denn dieser Gegend Vertrauen geschenkt werden durfte. So ward ein schlimmer Geselle ein Händler aus dem verrufenen Geschlechte des M-Preises, der die in früheren Tagen moralfördernde mit dem starken Gewürze des Knoblauchs vermischte und in Darm abgefüllte Fleischwaren aus dem Steirischen nicht mehr feilbot. Als beinahe verhängnisvoll erwies sich dabei der findige Plan des Herrn der Weißseespitze sich zur Tarnung mit Behältern zu behängen und damit eher den Fahrenden Händlern aus dem Osmanischen zu gleichen als einem Eroberer. War doch der Behälter des Gesellen vom M-Preis von so minderer Stärke dass dieses bei intensiven Kontakt mit den scharfen Waffen riss und die für die Versorgung so wichtigen in Lauge gebackenen Weizenmehlstangen aus dem bayerischen und die Roggenlaibe aus dem oberen Etschtal nur noch geschützt durch eine Erfindung aus dem Ägyptischen zu Boden fielen, beinahe inmitten hinein in die Fäkalien der hier weidenden Schafe aus dem Italienischen. War der Geselle vom M-Preis etwa nur ein Tagelöhner des Similauns und war das Geheimnis um die geplante Tat etwa schon keines mehr? Nur dank der gut gepflegten Handelbeziehungen zu einem Buchdrucker aus dem Deutschen namens Hugeldubel, der Behältnisse von ausreichend großer Stärke herstellte, konnte der Transport ohne Probleme fortgesetzt werden.
Als letztes Lager vor dem Ansturm wurde Gasthaus vom Martin, dem Buschigen ausgewählt, das in Rufe stand, den Hunger nicht recht stillen zu können, und somit der Similaun bestimmt niemanden für ihn Gefährlichen in dieser Unterkunft vermutete. Doch war der Wirt inzwischen ein anderer und das Ausmaß der Speisen mehr als ausreichend. Als gemeine Wandesleut verkleidet setzte sich am frühen Nachmittag noch ein Spähtrupp zu einer alten Festung eines früheren Angreifers namens Brizzi, dessen Verbleib weithin nicht weiter bekannt ist, in Bewegung. Die Spionage war zwar erfolgreich und blieb unentdeckt, doch waren derer Neuigkeiten keine Guten. Zwar hatte der harte schneereiche Winter der Nordwand des Similaun stark zugesetzt, doch war er noch gut gerüstet gegen Angreifer. Besonders seine stärkste Verteidigungswaffe, Unmengen von Steinen, die er auf Angreifer herniederlässt, war schon wieder funktionsbereit.

Doch die Eroberung wird durchgeführt und als der Nachtwächter halb vier Uhr morgens rief, wurde losgezogen. Beim Abstieg zum Ferner des Marzellen, einem Vasallen des Similauns, legt dieser schon die ersten Schwierigkeiten in den Weg, in welchen Weg? Nichts davon war mehr da. Stolpern über Gestein und Geröll, alles unter der schier unerträglichen Last der Angriffsgeräte. Geschafft. Es folgt der lange Anstieg über den spaltenreichen Gletscher, doch der schneereiche Winter machte diese häufig unüberwindliche Verteidigung des Similauns zu einem Spaziergang. Aber bereits kurz darauf, als die Sonne ihre ersten Stahlen gen Gletscher warf, war klar, dass mächtiger Widerstand aufkommt. Die Vasallen des Similaun, Marzellkamm und Mutmalspitze ließen die ersten Steinsalven von Ihren Flanken hernieder und es war bald klar, dass die Eroberung der Klassischen Nordwand des Similaun ein wohl zu verlustreiches Unterfangen wäre.

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Blick vom Einstieg in die Rechte Nordwand


Doch die ganze Zeit gab es eine Ersatztaktik, einfach die rechte Nordwand des Similaun zu nehmen, objektiv wesentlich sicherer, da es keinen Felsriegel gab und etwas kürzer, dafür aber ein bisschen steiler als die Klassische Nordwand. Sichtlich schockiert von dieser Planänderung schickte der Similaun noch Steine zur Verteidigung herunter, allerdings auf der Alten Route. Es wurde dem Similaun der Frieden angeboten, keine Eroberung der Klassischen Nordwand, sondern nur der Rechten. Es bleib ihn wohl keine Wahl, doch bevor der Similaun sich an den Verhandlungstisch setzte, zeigte er noch mal seine Zähne und wehrte sich mit eine Seillänge Blankeis bei knapp 55°, da ziehen die Wadl schon. Es wurde mit einer zielsicher gesetzten Eisschraube gekontert und am Ende war es geschafft: Der Similaun nahm das Friedensangebot an.

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An Gipfel des Similaun, man beachte das neue Hochtourenjäckchen in Bunnyblickfangorasch


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Desch Geilschte


Der Frieden wurde mit Superaussicht auf dem Gipfel und Schokotorte mit Weißbier auf der Hütte des Similaun besiegelt.

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Rot: Die zu gefährliche Klassische Nordwand; Blau: Der Frieden vom Similaun




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« Zuletzt geändert: 20.07.2004 um 12:57:53 von Climby »  

Meine Nachbarn hören Metal,
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G
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DAV-Trainerin C Bergwandern

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Re: Der Frieden vom Similaun
Antwort #1 - 20.07.2004 um 23:06:55
 
climby mit einem hugendubel-tascherl unterwegs zum similaun... *prust*!
passend zum bunnyorasch-farbenen jackerl? da haben die bunnys gewiss geschaut, bei soviel bildungsalpinismus (hugendubel)  Grinsend Grinsend Grinsend

ist der erste tag der woche bei dir der sonntag oder der montag *grübel*? hab mal am sonntag vorsichtshalber von der wildspitze zum similaun rübergewinkt, in erinnerung an die schöne tour (normalweg, versteht sich, nix nordwände) mit alex letztes jahr...

aber sag mal, wo sind die bunten tibetförmigen gebetsfähnchen hingekommen, die 2003 am gipfelkreuz flatterten (es hatte uns fast runtergepustet)? auf deinem foto seh ich nix mehr...

gruß
gisela
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