Willkommen Gast. Bitte Einloggen
Sektion Alpen.Net
   
  ÜbersichtHilfeSuchenEinloggen  
 
Weniger schönes Erlebnis auf Schweiztour (Gelesen: 1914 mal)
mapleger
Spaziergänger
*
Offline


Alpen.Net rocks!

Beiträge: 5
Geschlecht: female
Weniger schönes Erlebnis auf Schweiztour
30.11.2011 um 22:03:33
 
Hi Leute,

Ich wollte diesen August im Rahmen des Programms einer anderen Sektion auf Hochtour in die Schweiz. Leider nahm unser Vorhaben sehr bald ein tragisches Ende. Ich werde zum Schutz der Privatsphäre der Betroffenen nicht weiter auf Details eingehen, als dass ich noch Folgendes sage: Wir waren am Sonntag aufgebrochen: der Unfall eines Beteiligten der Gruppe ereignete sich direkt am Montag morgen, wenige Stunden nach Aufbruch in einem Abschnitt, der noch nicht die Charakteristik einer Hochtour hatte. Der Unfall war auf mangelnde Konzentration und Technik zurückzuführen; das Wetter war großartig. der Unfall endete tödlich. 

Ich brauche Euch glaube ich nicht weiter sagen, wie scheußlich dieses ganze Erlebnis für alle Beteiligten war. Ich will hier kein Gefühlsleben ausbreiten und keine Mitleidsbekundungen einsammeln. Den kleinen Eintrag mache ich hier, um Euch ein paar Infos zu geben - falls ihr auch mal in die Lage kommen solltet (und dies noch nicht wisst). Das ist recht technisch und administrativ - leider aber Faktum während einer Situation in der die eigenen Gefühle Achterbahn fahren. Wenn meine Statements an manchen Stellen verallgemeinert klingt, so ist dies nicht beabsichtigt - jedenfalls war ich bislang nur einmal in der Situation und lege keinen besonderen Wert darauf, diese Art von Erfahrung zu vertiefen. Auch wenn ich von "man" rede, sind das letztlich meine Eindrücke, ihr könnt daraus mitnehmen, was ihr wollt (oder nicht).

1) DAV kann geschulte Leute im Rahmen eines Kriseninterventionsteams zur Verfügung stellen. Diese kommen sehr schnell in die Nähe des Unfallorts und helfen, das Trauma zu verarbeiten. Derartige Leute sind ebenfalls bei der Überbringung der Nachricht an die Überbliebenen im Einsatz. Bis zur Überbringung der Nachricht gilt eine Infosperre, die alle Zeugen des Unfalls mit betrifft. So kann verhindert werden, dass wohlmöglich Angehörige aus den Medien erfahren.

2) Der Notarzteinsatz (hier: Bergung) erfolgt zumeist per Heli (hier: rega). Es wird auch angeboten, die restlichen Teilnehmer der Gruppe rauszufliegen. Auf der einen Seite ist das gut, wenn man sich in traumatisiertem Zustand weiter in einer hochalpinen (Gefahren-)Zone befindet. Man sollte nur nicht vergessen, dass dadurch Kosten auf einen zukommen. Diese können der Krankenkasse in Rechnung gestellt werden oder - gegen Nachweise dass KK R. nicht übernimmt - dem DAV. Heliflüge mit der Polizei werden nicht weiterbelastet.

3) Man ist persönlich gegenüber der Polizei weisungsgebunden. Ich habe gehört, dass man insbesondere in Italien recht leicht zu einem Beschuldigten werden kann, hier ist Vorsicht in dem Umfang der Aussagen - bis man sich anwaltlichen Beistand besorgt hat - angebracht. Die Schweizer Polizei erlebte ich als sehr umgänglich und realitätsnah.

4) Touren werden nach KIT-Einsatz und Absolvieren sämtlicher polizeilicher Notwendigkeiten für gewöhnlich abgebrochen (wegen traumatisiertem Bergführer). Teilnahmegebühr bekommt man zurückerstattet, sonstige Auslagen nicht.

5) Auf Eis oder Firn nimmt man auch schon bei geringer Neigung insbesondere mit der Goretexkleidung schnell Fahrt auf. Reaktionsgeschwindigkeit zum Einsatz des griffbereiten Pickel ist das A und O. Auch vor dem Risiko, teures Marterial zu beschädigen, sollte man es nicht scheuen, das mal an einer kontrollierten Stelle zu üben.

6) Wenn man sich in den Berg begibt, macht man sich abhängig von den anderen Tourteilnehmern - insbesondere derer mit denen man sich in eine Seilschaft begibt. Wenn man sich unwohl mit der Gruppenzusammensetzung fühlt (mangelndes vertrauen, Zweifel an der Technik etc.), sollte man das sagen. Wenn sich das Unwohlsein fortsetzen sollte, sollte man keine Scheu haben, sich der Fortführung zu verweigern - auch um den Preis, einen trainiert vorbereiteten, schönen Aktivurlaub in den Wind zu blasen.

In den Bergen zu sein ist schön. Am Leben zu bleiben ist schöner.

Liebe Grüße, mapleger.
Zum Seitenanfang
 
 
IP gespeichert
 
G
Vorstand
*****
Offline


DAV-Trainerin C Bergwandern

Beiträge: 2783
Nürnberg
Geschlecht: female
Re: Weniger schönes Erlebnis auf Schweiztour
Antwort #1 - 24.02.2012 um 23:53:01
 
so unerfreulich dieses tragische erlebnis ist (drücke dir die daumen, dass du so etwas nicht noch einmal erleben musst!), möchte ich mich doch bedanken, dass du diese wichtige information hier zur verfügung stellst - und auch für die art und weise, die du gewählt hast.

gruß
G
Zum Seitenanfang
 
IP gespeichert
 
(Moderatorgruppen: FÜL, Vorstand, Verwaltung)