Willkommen Gast. Bitte Einloggen
YaBB - Yet another Bulletin Board
   
  ÜbersichtHilfeSuchenEinloggen  
 
Finale 2014 IV: Maripiner Unfug (Gelesen: 1555 mal)
Lamл[tm]
Held der Berge
*****
Offline


Neue Mobilfunknummer:
0171 / 87 47 27 1

Beiträge: 3376
Stuttgart
Geschlecht: male
Finale 2014 IV: Maripiner Unfug
13.11.2014 um 23:30:24
 
Am Heimreisetag wollen wir noch was Besonderen erleben: Klettern über dem Meer.
...
Alles klar: Abseilen, 4 SL nach links queren, die 6a wieder nach oben. Der Grad hat mir ab dem zweiten Tag keine Schwierigkeiten gemacht, alles onsite gegangen.

Vorschau auf die Querung
...

Hier gehts runter
...

Zwei Schweizer versuchen sich an einer 6c. Die sind übrigens nicht die Querung zum Einstieg geklettert, sondern trotz Brandung geschwommen.
...
...

Bei uns ght es stellenweise etwas leichter zu.
...
...

oder auch nicht.
...

Jedenfalls war die 6a, trotz bester Sicherung, nicht zu knacken.

Uns hätte ja stutzig machen sollen, dass in fast jedem Bühler ein Kettenglied hängt. An dem sind andere Kletterer umgedreht, weil der Kletterführer im Gegensatz zu seinen sonstigen Gewohnheiten heftig untertrieb. Das aufgrund des Meerwassers schon schwarzgerostet ist. Richtig reinbomben möchte man da jedenfalls nicht mehr. Und so kämpfe ich mich von Haken zu Haken nach oben ohne zu merken, dass die Zeit verrint und die Unterarme immer härter werden.
Am zweitletzten Haken bricht mir ein winziges Stück Fels aus. Mehr aus Schreck lasse ich los. Der Haken ist etwa in Sackhöhe, der Sturz minimalst. Danach merke ich die harten Arme um so deutlicher. Hier geht es jedenfalls nicht weiter. Jetzt noch eine SL nach links queren und den Notausstieg nach hoch, das sollte doch zu schaffen sein.
Aber es ist 16 Uhr 30. Wenn wir es nicht schaffen, dürfen wir 3 Meter über dem Meer biwakieren. Bei 18 Grad abends und 10 Grad morgens werden wir überleben, auch wenn Lorenz nur ein T- Shirt anhat und ich immerhin noch zusätzlich eine Weste, dafür nur Shorts.
Verhungern werden wir auch nicht (nicht mal der extrem schlanke Lorenz) und Wasser ist ja genug um uns herum - Moment mal. Davor wird mir jetzt Angst & Bange. Durst habe ich jetzt schon heftig. Noch 13 Stunden - was ist, wenn ich jetzt nicht an mich halten kann uns die salzige Brühe saufe? Mit jedem Liter Wasser sind das etwa 38 Gramm Salz, die den Durst immer mehr steigern, bis der Tod eintritt, und das kann, wie Berichte von Schiffbrüchigen zeigen, eine Sache von wenigen Stunden sein.
Aber es fahren ja genug Boote herum. Und tatsächlich, ein Angler hört unsere Rufe. Er traut sich nicht ans Ufer wg. der Brandung. Und ich mich aus dem selben Grund nicht, ins Wasser zu springen. Im Mittelmeer kann ich zwar nicht untergehen, das nutzt aber nichts, wenn ich ohnmächtig bin. Also wird noch ein Kanute hergeholt, der mir einen Schwimmring bringt. Ich schwimme zum Boot. Meine Angst ist unbegründet - das Wasser warm. Lorenz braucht den Ring nicht, er springt mit Anlauf gleich 3 Meter weit weg.

Mit 20 Knoten geht es in 10 Minuten zum Hafen nach Varigotti. Das dürfen wir alles zurücklaufen, Lorenz in seinen ausgelatschten Kletterschuhen, ich barfuß. Muskelkater in den Waden und eine Blutblase im linken Zeigezeh werden mich noch eine Woche daran erinnern. Nach einer guten halben Stunde, überwiegens im Laufschritt, sind wir nicht mehr vom Seewasser, sondern schweißnass.
Unsere Ausrüstung wollen wir natürlich nicht zurücklassen. Also oben eine Verankerung gebaut und dann abgeseilt. Lorenz bleibt oben und sichert mich. Im Dunkeln ist das Klettern natürlich nicht einfacher, auch das viele eingesammelte Zeug was am Gurt sammelt, ist nicht hilfreich. Dafür kommt das Seil von oben und weiter unten benutze ich eine Hilfsleine, um mich hochzuziehen. Um 20 Uhr starten wir Richtung Bodensee. In einer Raststätte gebe ich die letzten 20 Schweizer Franken für zwei scheußliche Pizzen aus. Der Rest reicht noch für eine Tafel Schoki, die den Brechreiz erzeugenden Nachgeschmack beseitigt. Dafür haben wir jetzt freie Strecke. Ich fahre über den Bernardino, wo uns auf der Südrampe gerade mal 7 Autos entgegen kommen. Den einschläfernden Rest, also die Autobahn, fährt Lorenz. Gegen 2 Uhr 30 sind wir zu Hause.
Zum Seitenanfang
 

Liebe Grüße von Lamл[tm]-Nur echt mit dem Pi und cw-Wert > 0,3
Auf Tour
Exklusiv Klettern mit Stuttgarts kleinster Sektion, kein Lärm, kein Anstehen, familiäres Umfeld: https://www.facebook.com/events/176179083131135/
IP gespeichert
 
(Moderatorgruppen: Verwaltung, Vorstand, FÜL)