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Lüsenser Spitze (Gelesen: 1413 mal)
Yak
Supervisor
*****
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Um mani padme hum

Beiträge: 1890
Nepal und Tibet
Geschlecht: male
Lüsenser Spitze
01.01.1970 um 01:00:27
 
Samstag morgen, halb sechs. Yak ist noch etwas verschlafen, zum Glück fährt der große Vorsitzende unserer glorreichen Sektion. Normalerweise wären es etwa anderthalb Stunden bis nach Lüsens im Sellrain, dummerweise ist die direkte Straße aber gesperrt, eine Umleitung über eine eher schmale Nebenstraße kostet einiges an Zeit. Aufbruch in Lüsens (1635m) ist daher dann doch erst um kurz vor 8. Aber das Wetter scheint zu halten (meint zumindest Yak, Andy ist da wesentlich skeptischer, zu unrecht wie sich später natürlich zeigen wird).
Der Weg geht erstmal auf einer Forststrasse antlang, die endet an einem Jugendheim, wir hätten vorher abbiegen müssen, also zurück. Der Steig ist zuerst mal schlecht markiert, vermutlich um Turnschuhtouristen fern zu halten, läßt sich aber bald sehr gut verfolgen. Aus dem flachen dahinstapfen wird schnell ein mühsames steigen, der Weg ist steil, führt in Serpentinen über einen Grashang, immer wieder von kleinen Kraxeleinlagen unterbrochen. Andy unkt immer wieder das er hier nur ungern bei Näße absteigen möchte, aber von Näße ist keine Spur, die Sonne kämpft sich allmählich durch.
Bei etwa 2200m geht das Gelände in Geröll und Moränenlandschaft über, es gilt einen Bach zu queren. Heldenhaft stürzen wir uns mit Riesensätzen über die Fluten, auch hier sind wieder die Bedenken zu hören : Was wenn der Bach am nachmittag anschwillt ? Das sehen wir dann wenns soweit ist ! Wo ein Wille ist ist auch ein Weg, wir sind Helden der Berge, also weiter marsch.
Bei gut 2700m ist der Gletscherrand erreicht. Er ist völlig aper und auch ohne Steigeisen gut begehbar, wir verlieren also keine Zeit mit anseilen und anderem Hokuspokus. Nach einer halben Stunde kommen wir in ein rechtes Spaltenwirrwarr, das uns zu Umwegen zwingt. Auf erneutes Quengeln Andys, die Route sei im Nebel möglicherweise schwer zurückzuverfolgen läßt sich Yak dazu herab einen Kompass auszupacken und eine Rückrichtung zu peilen. Sollte man ja eigentlich öfter machen, aber wozu ? Das Wetter ist doch immer schön !
Interessant ist der Blick auf Lüsenser Fernerkogel und Lüsenser Spitze:
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Vor wenigen Wochen sah das von der Rinnenspitze noch ganz anders aus, der Gletscher war noch dick verschneit :

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Der weitere Weg führt auf die Lüsenser Spitze zu auf eine kleinere Seitenzunge des Gletschers und führt dann angeblich rechts durch ein Geröllband. Dummerweise finden wir trotz intensiver Suche diesen Durchstieg nicht, da der Gletscher nur noch Eis aufweist ist auch keine Spur zu finden. Da auch das Wetter aufgrund der Miesmacherei immer schlechter wird entscheiden wir uns auf die Lüsenser Spitze auszuweichen. Dazu geht es eine etwa 30 Grad steile Flanke hinauf die noch verschneit ist und von weitem erkennbar mehrere Spalten aufweist. Ohne den nötigen Ernst seilen wir uns an und erreichen schnell in 3050m Höhe den Grat. In leichter Blockkletterei ist dieser in zu bewältigen und zum Glück ist der Gipfel noch nicht in den Wolken verschwunden.

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Es ist relativ warm und windstill, also eigentlich Traumwetter wie man auch auf den Bildern erkennen kann *gg*

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Trotzdem dringt Andy zum Aufbruch. Wir überqueren die Spalten im Abstieg wesentlich vorsichtiger und erreichen wieder den aperen Hauptarm des Gletschers. Das Eis ist etwas weicher geworden, trotzdem knirscht es bei jedem Schritt wie 20 Knäckbrot kauende Schweden. Obwohl wir recht flott gehen zieht sich der Weg immer länger hin und die Wolken werden dichter - natürlich eine Folge der negativen Einstellung. Zwar haben wir den Gletscher längst verlassen, aber der steile Grashang steht uns noch bevor. Eine weitere Überraschung bietet uns der Bach den wir beim Hinweg schon nur mit etwas Mühe überqueren konnten. Die Wassermenge hat sich verdreifacht und eine Überquerung scheint fast unmöglich - was doch negative Schwingungen alles verursachen können. Mehrfach laufen wir auf und ab, bis wir kurz vor einem Wasserfall eine geeignete Stelle finden. Erstaunlich wie weit man doch springen kann - zum Glück !
Als wir endlich den Grashang erreichen fängt es endlich an zu regnen, ich denke unsere Vorsitzender wird seine Aufgaben als afrikanischer Regenmacher dort auch weiterhin gut erfüllen können, erst ganz leicht und gemütlich, aber desto näher wir den heiklen Stellen kommen, desto stärker wird der Regen. Eine schlammiges Gerutsche über glatte Felsplatten und Gras - ein wahrer Genuß ! Zum Glück sind wir ja die Helden der Berge, oder eher die Helden des Schlammes ?
Mit dem erreichen der Forststrasse endet die Rutschpartie und die Sonne kommt wieder heraus, aber was solls wir sind heil, naß und K.O. am Auto und freuen uns auf eine gutes Schnitzel und ein Radler... 
(Diese Nachricht wurde am 27.08.02 um 14:40 von Yak geändert.)
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80 Millionen Deutsche können nicht bergsteigen

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Wir können es auch nicht, aber wir versuchen es wenigstens !
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