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Kletterwoche mit der SSWV (Gelesen: 8926 mal)
Lamл[tm]
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Kletterwoche mit der SSWV
17.12.2007 um 22:32:54
 
Kletterwoche mit der SSWV I: Schlechte Vorzeichen

Wie (fast) jedes Jahr sollte auch heuer eine Dolomitenfahrt mit der Spätzles-Gänsefleisch-Connection (neudeutsch für SSWV bzw. Schwäbisch-Sächsische Weltverschwörung) statt finden. Die Vorzeichen waren schlecht: Jens sein Leib-Seilpartner, eigentlich ohnehin Thüringer, will nicht so früh im Jahr (Anfang Juli) losziehen. Micha, der einzige echte Schwabe, bekommt Zusatzdienste reigedrückt, weil seine Kollegen alle krank sind. Kerstin, die einzige in Sachsen geborene und in Schwaben Ansässige, hat sich bergmäßig nach "oben" orientiert - Leute wie mich kann sie bei ihren Aktionen nicht mehr gebrauchen.

Um eine wie auch immer geartete Truppe zusammenzubringen, trieb Jens noch Jürgen, einen bis zur letzten Faser durchtrainierten, aber gebirgsunerfahrenen Klettersachsen auf. Und zufällig suchte Martin, der eine neben einer Bombenkondition genug Berg(Wander)erfahrung sein Eigen nennt, aber erst seit einem halben Jahr klettert und erst vor 18 Jahren geworfen wurde, für genau diese Woche noch einen nicht näher spezifizierten Kletterpartner über Climbing.de. Und weil Martin ein so einnehmendes Wesen hat, beschloss ich, dass er trotz seiner eingeschränkten Klettererfahrung und vor allem natürlich trotz seiner weder schwäbischen noch sächsischen Herkunft als gern gesehener Gast der Spätzles-Gänsefleisch-Connection mitklettern durfte.

Das nächste was uns Sorgen bereitete, war das Wetter. Selten war es so beschissen vorhergesagt wie dieses Jahr. Montag sollte es regnen, und da wurde beschlossen, erst am Montag Abend am noch nicht näher spezifizierten Einsatzort einzuschlagen, um dann am Dienstag früh gleich losschlagen zu können.

Und dann war noch die leidige Anfahrt. Nun ist es ja kein Problem, mit öffentlichen Verkehrsmitteln blitzartig zwischen großen Städten hin und her zu kommen. Nur die "dirty last mile" ist meist eine nahezu unlösbare Aufgabe - vor allem, wenn diese DLM 100 km lang ist. Und von Ostzeiten her ist es in Jens und Jürgen immer noch fest und unverrückbar eingebrannt, dass man auf Auslandsreisen weder eine Unterkunft außerhalb von *****-Hotels noch etwas zu essen bekommt. Und deswegen war der Golf von Jürgen incl. Rücksitz bis unters Dach und weit über die zulässige Zuladung hinaus mit Lebensmitteln, Zelten, Campingmöbeln, (ganz wichtig!!!) Bierbüchsen und noch mit sonstigem "Gelumbe"(1) (pardon, Ausrüstung für alle möglichen Eventualitäten, Alternativ- und Ersatzprogramme) vollgestopft. Das Auflesen von zwei weiteren Personen in das an sich fünfsitzige Auto wäre damit leider nicht möglich. Traurig

(1) für Nichtsachsen: das heißt "Glomp"

Tipp für ganz Hartgesottene:
1. Österreich ist nicht Rumänien der Achtziger Jahre.
2. Es gibt bezahlbare Unterkünfte
3. Man kann dort sogar Lebensmittel kaufen.

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« Zuletzt geändert: 18.12.2007 um 09:00:25 von Lamл[tm] »  

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Kletterwoche mit der SSWV II: Bei Regen weg ...
Antwort #1 - 17.12.2007 um 22:35:04
 
... und bei Regen zurück

Samstag/Sonntag: Pünktlich am Morgen beginnt es zu regnen. Nach einem opulenten Spätstück (Sorry, um 9 Uhr 30 kann ein Bergsteiger nicht mehr von Frühstück sprechen) fahren wir durch das verregnete Neckartal und durch das Lenninger Tal bis zu seinem bizarren Talschluss.
Zum "Einspielen" wollen wir erst mal auf die Alb. Martin hat bisher fast nur in der Halle geklettert; selbst ein Ausflug zum 120 km entfernten und max. 25 Meter hohen senkrechten Kartoffelacker der Eifel ist schon ein Highlight, an das er sich erinnern konnte. Und dann geht es mit der Südkante zum ersten Mal an eine Route, wo man etwas tun muss, was er bislang nur aus Büchern kennt: Irgend wo in der Wand stand machen. Auch das ist eigentlich nur nötig, weil meine Zwillingsseile mit 55 Metern zum Umlenken zu kurz sind. Martin hat sich gut vorbereitet, es klappt fast auf Anhieb. Wir ziehen gemütlich noch ein paar Routen und besuchen am Abend den Volltrauf, DAS Fest der Albkletterer.
Unvergesslich der Vortrag des Robert Steiner ("Selig wer in Träumen stirbt"), der, obwohl er schon wer weiß wie oft geschworen hatte, das Bergsteigen aufzugeben, drei Jahre als Gast der russischen Nationalmannschaft für Alpinimus unterwegs war. Wir zwei kringelten uns am Boden des Vortragszelts vor Lachen, sodass wir zum Boulder- Vortrag des Antonators fast schon zu müde waren. Gegen 1 Uhr ist das Vortragsprogramm beendet und das Vortragszelt geleert, so dass wir uns dort hemmungslos ausbreiten können. Nach dem Frühstück auf der Wiese in der Sonne geht es an die Kesselwand, wo wir nach ein paar Wegen zum Einklettern (Den Martin begeisterte vor allem der Gipserriss) noch die großartige Kesselkante wegzogen.

Zurück in Stuttgart hat uns der Regen wieder.

Das Wochenende in meiner Heimat hat auch was für sich gehabt: Ich weiß jetzt, dass Martin auch mit sehr ausgesetzten Klettereien und freihängenden Abseilstellen keine Probleme hat (ich kenne da viel bessere Kletterer, die schon in deutlich harmloserem Ambiente (trotz hervorragender Sicherung) jegliche Aktivität verweigern. Und Martin ist ein wunderbarer Seilgefährte.

Tipp des Tages: Die Alb eignet sich gut zum Gewöhnen an das Tragen von Helmen und daran, dass man nicht alles anfassen darf, was irgend wo aus der Wand heraussteht....

Inzwischen haben Jens und Jürgen als Ziel das schöne Gesäuse bestimmt. Obwohl mittler Weile auch am Mittwoche Regen angesagt ist, bleiben die beiden Alternativen Bergamo und Cuneo (nördlich von Genua) außen vor.
Dafür eine erfreuliche Nachricht: Micha hat doch noch kurzfristig frei, so haben wir eine schlagkräftige Truppe beisammen und das Anreiseproblem hat sich auch erübrigt.


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Zuerst abseilen



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dann wieder hochklettern - man beachte SEine begeisterten Augen



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Tief- Fern- und Nahblicke im Kessel
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Kletterwoche mit der SSWV III: Umsonst gescheitert
Antwort #2 - 17.12.2007 um 22:38:17
 
Nach einer Autopanne, die Micha eine kostenpflichtige ADAC-Mitgliedschaft einbringt, schlagen wir Dienstag um 1 Uhr in der Oberst-Klinke-Hütte ein. Ziemlich unausgeschlafen geht es dann in die Kalbling-Südkante mit Direkteinstieg. Doch erneut leistet die Sturmabteilung ganze Arbeit. Nach der 4. SL hängt das Seil waagerecht in der Luft und flattert wie eine Fahne. Martin meint, dass das genau richtig sei - zum Segeln. Von Osten zieht der Himmel zu, 100% Bewölkung. Für abends sind Gewitter angesagt. Wir seilen uns über den heute üblichen Einstieg 90 Meter ab. Kaum sind wir unten, hört der Wind auf; Kaum sind wir an der Hütte, brüllt die Sonne ohne Gnade von einem Himmel ohne Wolken.

Ein Vorteil hatte diese Scheiß-Aktion: Wir hatten Zeit, nach Liezen zu fahren und uns einen neuen gebrauchten Kühler zu besogen. Der hatte nämlich auch noch den Geist aufgegeben....

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Admonter Kalbling



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Über den Wolken



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Unsere Route startet in Wandmitte



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M&M nehmen Opa und Oma den Platz weg



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Sieht heftiger aus als es ist. Aber für IV doch ganz schön deftig



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Jetzt wirz windig



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Nix wie runter hier...



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...ins Warme



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Nachmittag - es gibt aber kaum was zu sehen.



Weiter geht es zu einem schönen, einem Reit- und Fahrverein gehörenden Zeltplatz in Deutschfeistritz. Wir werden die nächsten drei Tage in einem Wagen schlafen und von der 100 Meter entfernten Autobahn nichts hören - die 100 Meter bestehen nämlich aus gewachsenem Fels. Am Mittwoch fahren wir durch strömenden Regen zur Koralm, sind dort einen Vormittag lang die einzigen  Gäste, dann gehz zurück nach Graz, wo wir uns in einem SportSexPerts um ein paar hundert Euro erleichtern. Nachmittags sind wir zurück, ich erkunde noch ein wenig die Landschaft und die einheimische Lebensmittelversorgung (leckere Metzgerei und Bäckerei) und damit ist der Tag schon rum.

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Holzzelt



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Notprogramm Thai-Chi



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Jürgen im Regen



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Martin im Regen



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Zwei schöne Ecken in Deitschfeistritz

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Kletterwoche mit der SSWV IV: Endlich gehts los
Antwort #3 - 17.12.2007 um 22:41:52
 
Trotz Regens verlassen wir uns Donnerstag auf die vorhersage, gehen aber zum Kugelstein direkt über der Schnellstraße, weil man da im Falle eines (Regen-)Falles schnell wieder am Auto ist. Micha klettert dieses Mal bei Jens & Jürgen, Martin und ich hinterher, denn leider haben wir nur ein Topo. Anderen Falls wäre es bei uns beiden wohl die über den Bezirk hinaus bekannte "Gemüsekante" und "Salatplatte" geworden. Beide Routen tragen ihren Namen in der Tat, gelten aber aufgrund ihrer Ausgesetztheit als außerordentlich lohnend. Die Wand enthält einige "Gärten" so dass von den 9 SL nur 7 übrig bleiben. Bei bestem Wetter, angenehmen Wind und herrlicher Aussicht üben wir nicht-akustische Seilkommandos und freuen uns über die Doppelseile. Danach geht es zurück zum Camp, aber weil wir noch richtig "heiß" vom vielen Warten an den Vortagen sind, fährt Jürgen mit Martin und mir noch mal zum Klettergarten "Weinzödl" bei Graz. Dort mache ich mich in einer (angeblichen) VIII platt. (Schwerer als VII+ kann das nicht gewesen sein, schließlich bin ich hochgekommen.)

...
Aus dem,...



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... im und ...



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auf dem Kugelstein



Kurz bevor es dunkel wird, sind wir zurück am Camp, und das Essen steht dampfend und lecker am Tisch. Danke Jens und

Micha Smiley.

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Martin kämpft



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geschafft!



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Graz - eine Traumstadt

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Kletterwoche mit der SSWV V: die einzigen ...
Antwort #4 - 17.12.2007 um 22:43:53
 
...richtigen Berge für die gesamte SSWV: Der Rötelstein und die Rote Wand. Zu ihrer Niederringung teilen wir uns Freitag in zwei Gruppen auf. Über die Besteigung der roten Wand kann ich nicht viel berichten; vielleicht steht später mal was auf http://www.bergundbier.de . Am Röthelstein rennen wir erst mal, ohne es zu merken, am Einstieg der genialen Route "Michelangelo" vorbei. Der Rest läuft dann wieder ohne Vorkommnisse. Sehr angenehm, dass die Schlüssellängen nicht so gebohrt sind, dass man sie hochnullen kann, das wird die Route wohl vor übermäßigem Abspecken bewahren. Und noch angenehmer, dass auch in den Schrofen ab und zu was steckt - dort ist nämlich auch absolutes HiTech-Mobil-Sicherungsmaterial schlichtweg überfordert.
Oben dürfen wir noch einen Steinbock beobachten, der sich überhaupt kein Bisschen gestört fühlt. Am frühen Nachmittag sitzen wir nach 11 SL wieder im Auto, dann geht es bis Liezen und mit dem Zug weiter nach Bischofshofen.

...
Genitaler Pfeiler in der "Michelangelo"



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Große Murschleife



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Viel Gemüse zwischendurch



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Ende der Schönwetterphase im Süden



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Stand!



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Neugier



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Wie langweilig - wieder nur Kletterer



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Gipfel SIEG!


Tipp: Im Grazer Bergland gibt es trotz relativer Nähe (<100 km) zum Gesäuse oft deutlich besseres Wetter. Kletterberge ohne Ende, Klettergärten im Stadtbereich in Fahrradentfernung - wie wär's mit Umziehen?
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Kletterwoche mit der SSWV VI: Hollaridulijöh ;-)..
Antwort #5 - 17.12.2007 um 22:50:46
 
... der Königsjodler
In Bischofshofen ist abends um Viertel vor 8 erst mal der Schreck groß - der letzte Bus ist gerade weg. Meine halbstündigen Versuche, eine Mitfahrt zu bekommen, schlagen fehl - auf der Straße wird einfach viel zu schnell gefahren. Martin hat da mehr Erfolg - der erste hält an. Vielleicht liegt es ja wirklich an seinen Augen, wie Karstens vier Begleiterinnen einen Tag später übereinstimmend meinen werden. Der Fahrer eines A4 Sport Edition aus Mühlbach fährt uns sogar in wenigen Minuten noch auf den Dientner Sattel. Ich danke herzlich und wünsche ihm allzeit gute Fahrt - und dass ihm nie das ESP, das etwa 30 Mal eingreifen musste, den Dienst versagt. Dabei erklärte er uns noch die umliegenden Gipfel, z.B. die "Dooghaum"(Taghaube).

Auf der Erichhütte haben wir erneut Glück. Wegen des Dauerpisswetters hat eine Gruppe abgesagt und nur weil wir so spät dran sind, dürfen wir auf der reservierungspflichtigen Hütte überhaupt bleiben. Die Hütte ist nagelneu renoviert, das Essen ist gut und der Wirt nett. Zehn Tschechen üben sich darin, die Bayern im Komasaufen zu übertreffen, und um 23 Uhr liegen wir alle in den Betten. Wir holen unser Schlafdefizit auf und haben Samstag um 9 Uhr den Gastraum für uns zwei allein, die Freunde aus dem östlichen Nachbarland waren schon am Berg und deren "Schonmal Gegessenes" bereits von Tischen, Stühlen und Boden beseitigt, der Wirt deutlich weniger gut gelaunt. Die Sonne will und will nicht rauskommen, dafür gibt es noch gelegentlichen "liquid sunshine". Um 11 Uhr starten wir, besser wird es nicht mehr.

...
In .at deutlich teurer als in .de



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Bääääääh



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An der Nebelgrenze



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Kurz vor dem Anziehen



...



...
Ausläufer des den Königsjodler tragenden Grates



Kurz nach Mittag erreichen wir (d.h. Martin eine Viertel Stunde vor mir) die Hochscharte, zwei Stunden später liegen alle "Gimmicks" (Flying Fox, Dreiseilbrücke) des Königsjodler- Klettersteigs hinter sowie sechs halb tote der drei Stunden vor uns gestarteten Tschechen vor uns. Martin bewahrte mich vor einer Fehlbedienung des Flughunds, dann überholten wir noch die vier restlichen Freunde, die sich kurz darauf erneut in 2+2 Leute aufteilten. Der Notabstieg ist unbegehbar, danach endet das Drahtseil vorerst. Der Regen der letzten Woche ist hier bereits als Schnee gefallen und hat die teils plattige, teils geröllige Oberfläche auf teils unerwünschte, teils erwünschte Weise verändert. Teil 2 des Klettersteigs über den Kummetstein und den Hohen Kopf beginnt mit einem ganz ordentlichen Auswerfer - KEIN Drahtseil mehr auf einem durchaus ausgesetzten Band in der Breite eines Fenstersimses. Anschließend zieht das Drahtseil etwa 300 Meter senkrecht nach oben. Unten läuft das Schmelzwasser mitunter in Sturzbächen, das ändert sich bald, aber die ungewöhnte Höhe (Martin hat diese Woche das erste Mal im Leben die 1000-Meter-Marke geknackt) und das andauernde Hängen in den Armen drehen die sonst gewohnten Verhältnisse um - ich muss das erste Mal und danach immer öfter auf Martin warten. Um 18 Uhr sind wir oben, zwei der vier verbliebenen Tschechen sind uns wieder dicht auf den Fersen. Am Hohen Kopf machen wir Rast und hoffen auf Sicht zum Matrashaus, das wir was letzte Mal vom Aufstieg zum Kummetstein gesehen haben - vegeblich. Gelegentlich tauchen aus dem Nebel Stangen auf, die wir der Nummerierung nach aufsteigend abklappern, bis wir eine Stunde später das Matrashaus erreichen.


...
Luftig.



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Bizarr - mit Gegenanstiegen 1700 Höhenmeter (ab Erichhütte)



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Gimmick 1



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Gimmick 2



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Normalerweise sieht es so aus




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Endlich oben. Dem Martin brennen die Arme, bei mir dreht sich alles...




...
Für den Katzensprung vom Gipfel zur Hütte brauchen wir noch mal eine Stunde (normal sind 20 Minuten)


Der schon bedenklich erschöpfte Martin baut sich selbst eine Suppe und einen Teller Spaghetti ein und fällt dann ins Bett. Mittler Weile schlägt auch Renntier Karsten mit Heiki, NLA und Anna auf der Hütte ein. Hasei und seine sechs (nicht notwendiger Weise männliche) Mannen mussten sich wegen des vielen Schnees am Birgkaraufstieg geschlagen geben. Weiterlesen könnt ihr dann am Bericht der SAN-Monatstour 07/2007.

Tipp: Um den Königsjodler zu gehen, muss man nicht klettern können. Es erleichtert die Sache jedoch. Auf trockenem Fels können Kletterschuhe nicht schaden. Bei Schnee ist der KJ am schnellsten wieder begehbar, laut Wirt vom Matrashaus ist der KJ der einzige wirklich lawinensichere Anstieg.

Der sonntägliche Abstieg ist betont gemütlich. Es ist schließlich der einzige durchgehend sonnige und warme Tag der Woche. Mit fallender Höhe läuft Martin wieder zur gewohnten Form auf. Er schläft fast auf der gesamten Heimfahrt. Wenn nur das leidige Umsteigen in München und Ulm nicht wäre...
Am nächsten Morgen verabschiede ich mich fast unter Tränen von meinem wunderbaren Berggefährten. Ich hoffe, dass er mich auch noch kennt, wenn er in einem Jahren besser klettert als ich und in zwei Jahren die wilderen Touren gemacht hat.
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