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Ötztaler Alpen (Gelesen: 3578 mal)
Yak
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Um mani padme hum

Beiträge: 1895
Nepal und Tibet
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Ötztaler Alpen
03.07.2003 um 07:40:41
 
Wenig los bei der Hochtourengruppe ?!
Aber bald starten ja einige in die Ötztaler. Grund genug für Yak und Andy das Terrain zu inspizieren.
Relativ kurz entschlossen, inspiriert von guter Wettervorhersage fuhren wir letzten Samstag am späten Nachmittag in knapp zwei Stunden rüber nach Vent. Dort angekommen brauten sich dunkle Wolken zusammen. Unsere ursprüngliche Planung zur Vernagthütte oder zum Hochjochhospitz zu gehen gaben wir auf und entschieden uns nach einem Anruf beim Hüttenwirt für den Aufstieg zur Breslauer Hütte (2800m) Natürlich fing es schon nach kurzer Zeit an zu regnen und als wir nach 1:45 an der Hütte ankamen, waren wir doch gut eingenäßt. Es war zwar schon 21:00 Uhr aber ein Bergsteigeressen gabs noch, genau wie reichliche Mengen an Getränken. Das späte Kommen erbrachte einen weiteren Vorteil, obwohl die Hütte nicht leer war, reichte es für ein 4er-Zimmerlager für uns. Wir wollten am nächsten morgen um 4 Uhr aufstehen um im ersten Lichte die Wildspitze zu besteigen. Dann planten wir die Überschreitung der Petersenspitze, Abstieg durchs Brochkogeljoch und einen weiteren Triumph an der Vernagtspitze. Dann noch eben über die Vernagthütte wieder runter und gegen Mittag wieder in Vent. Unsere leicht Bier-benebelten Hirne malten sich eine kurze, gemütliche Tour aus.  Augenrollen
Am nächsten morgen war es wie immer nicht ganz einfach sich aus Decken und Schlafsack zu schälen, aber nach einigen Mühen gelang uns der Abmarsch um 5 Uhr.
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Im ersten Licht wirkt die Landschaft fast surreal

Das Wetter zeigte sich passabel, es hatte auf etwa 3100m runter geschneit und die Gipfel waren frei, mit Ausnahme der Wildspitze.
In einem Führer wird der Aufstieg von der Breslauer Hütte als zweckmäßig aber wenig interessant beschrieben. Was das heißt erfuhren wir in einem mühsamen Geröllhatscher über den kläglichen Rest des Mitterkarferners. Erst kurz vor dem Mitterkarjoch (3470m) wird das Gelände etwas steiler und spannender. Eine schmale Schnee/Fels/Eisrinne muß durchstiegen werden, was sich bei hartem Schnee ohne Steigeisen als mühsam erwies. Teilweise war der Schnee noch sehr tief, da wir als erstes unterwegs waren mußte Spurarbeit geleistet werden.
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Die Aufstiegsroute vom Mitterkarjoch(3470m)

Am Joch machten wir eine längere Pause, dort holten uns dann einige Seilschaften die nach uns gestartet waren ein. Wir ließen sie ziehen umd ihnen das weitere spuren zu überlassen, zudem machte sich langsam die Höhe bemerkbar.
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Blick zurück kurz vor dem Gipfelgrat

Der weitere Aufstieg in Nebelfetzen verlief dann recht kurzweilig an einigen Spalten vorbei und über den teils leicht vereisten Gipfelgrat bis zum Gipfelkreuz. Dort standen wir dann um halb 10 morgens auf Tirols höchstem Punkt (3770m).
Der Weg zur Petersenspitze erwies sich im weichen Schnee und der Hitze des Gletscherkessels am oberen Taschachferner als ausgesprochen anstrengend. Die Petersenspitze (3482m) kam und kam nicht näher, die letzten Meter zum Gipfel im mehr als knietiefen Sulz werden uns noch lange in Erinnerung bleiben.
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Blick auf Brochkogel (rechts) und Wildspitze (links dahinter)

Die Aussicht von dort war gleichwohl ganz ausgezeichnet. Die Wolken hatten in der Mittagssonne endlich angehoben und die Sicht auf Wildsoitze und Brochkogel war genauso frei wie zur Vernagtspitze.
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Blick zum Brochkogeljoch

Bereits hier war uns aber klar, das diese heute nicht mehr drin war, da hatten wir uns zu viel vorgenommen.
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Vernagtspitze(rechts) und Fluchtkogel(links) über dem großen Vernagtferner

Der Abstieg durch das etwas eisige Brochkogeljoch und der Weg über den Vernagtferner zogen sich in die Länge. Im unteren Teil war der Gletscher zwar meist aper, aber teils etwas knifflig. Wieder mußten die Steigeisen benutzt werden.
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Auf dem kleinen Vernagtferner

Der auf der (Kompaß-) Karte eingezeichnete Weg zur Vernagthütte war dummerweise nicht mehr vorhanden, zu weit hat sich der große Vernagtferner zurückgezogen. Wo wir ihn erreichen wollten gähnte nur ein Abgrund.
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Nochmal Vernagtspitze und Fluchtkogel

Durch wilde Moränenlandschaft, über schäumende Bäche und vorbei an Gletschermühlen, treibsandartigem Schlick und andere Hindernisse erreichten wir die meteorologische Station und von dort den Weg nach Vent. Das Bier auf der Vernagthütte mußte ausfallen, es wäre ein erneuter Anstieg notwendig gewesen.
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Abschiedsblick zum Vernagtferner

Der Hatscher zurück nach Vent gehörte nicht zu den angenehmen Erlebnissen der Tour....
Um 20:00 Uhr waren wir wieder am Auto. War mal wieder eine kleine 15 Stunden Tour und dann noch ohne den dritten Gipfel, ich fürchte wir werden alt....  Traurig

Fazit : Die Ötztaler bieten immer wieder tolle Touren. Das Gebiet um die Vernagthütte ist schön, wild und bietet viele Möglichkeiten und ist damit sehr empfehlenswert. Der Aufstieg zur Wildspitze über die Breslauer Hütte ist einfach, aber wenig befriedigend, wesentlich schöner ist der Weg vom Taschachhaus.
Wir wünschen unseren Sektionsmitgliedern am übernächsten Wochenende und danach viel Glück mit dem Wetter und tolle Touren.  Smiley
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« Zuletzt geändert: 24.03.2005 um 21:19:21 von Systemchecker »  

80 Millionen Deutsche können nicht bergsteigen

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Wir können es auch nicht, aber wir versuchen es wenigstens !
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Andy
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Auffi muaß I

Beiträge: 575
Anisag
Re: Ötztaler Alpen
Antwort #1 - 04.07.2003 um 11:55:35
 
Es fiel hier wieder einmal mehr auf, dass im Hochtourenbereich fast nur die "großen" Ziele wie die Wildspitze frequentiert werden. Wie die Bilder zeigen, war dort genug los (wobei es für einen sonnigen Sonntag so viele auch nicht waren: ca 6 oder 7 Gruppen). Den gesamten (!) Rest des Weges, nachdem wir die Aufstiegsspur von der Wildspizte verließen, also mehr als 10 h Wegzeit begegneten wir niemanden, über weite Strecken nicht mal eine Spur! Und das in einer wilden, faszinierenden Landschaft.
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Geist ist geil!
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Yak von Draussen
Gast


Re: Ötztaler Alpen
Antwort #2 - 07.07.2003 um 12:19:51
 
Vielleicht täusche ich mich, aber ich habe sowieso den Eindruck, dass es auf Hochtouren von Jahr zu Jahr ruhiger wird. Scheint irgendwie nicht mehr trendy zu sein !?
Auf den großen, namhaften Gipfeln im Ostalpenraum tummeln sich schon noch Leute, aber auf den Seitengipfeln, da ist überhaupt niemand mehr im Sommer, dafür wird es im Winter immer voller, Skitouring liegt also voll im Trend !? Am besten dort wo Komforthütte und "Aufstiegshilfe" zur Verfügung stehen.
Erinnert mich ein wenig an "Gehhilfe" der Begriff, ist ja auch was ähnliches  Grinsend
Nun, seis drum, erfreuen wir uns der einsamen Bergwelt abseits der Hauptrouten, ist ja schön, wenn man am Wochenende auf einer Hütte nicht mehr vorreservieren muß, sondern sicher sein Bett bekommt.

Yak,
der Hütten sowieso meist meidet und auf gutes Wetter am Wochenende hofft, für die Sektions-Touries im Ötztal. Viel Glück am Similaun.
Und auch am Venediger, für den zweiten Versuch einer Vollmondbesteigung, ob da wohl viele unterwegs sein werden.........
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