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PLEASE INSERT MEMORY CARD ... (Gelesen: 3014 mal)
Lamл[tm]
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23.05.2005 um 21:49:13
 
... oder auch Alpstein die 2.

Entgegen den ersten Prognosen sollte es ab Donnerstag doch wieder gutes Wetter geben. Damit geht es dann am Donnerstag früh wieder in Richtung Unglücksort (der Täter kehrt immer zum Tatort zurück). Seilgefährte findet sich zwar keiner unter der Woche, aber falls vor Ort ein Dreier zum Vierer zu ergänzen ist, nehme ich ein Halbseil, 3 Keile, 2 Friends, 5 Expressschlingen und etwas Bandmaterial mit. Außerdem liegt ja das Blautal am Weg, und so hängen Kerstin und ich schon früh um halb 9 in der Wand. Klettern mit Kerstin ist immer etwas anstrengend, und so bin ich fast froh, um halb 3 - wie immer am letzten Drücker - in Biberach (Stuttgart, Ulm und ...) den Zug nach Friedrichshafen zu kriegen. Über die Fähre, auf der man nicht nur sehr günstig (Tagesessen 3€50 - 4€50), sondern auch gut essen kann, Romanshorn, St.Gallen, Herisau und Appenzell geht es nach Schwende. Vor allem die Strecke von St. Gallen bis Herisau und noch mehr die Appenzeller Bahn http://www.appenzellerbahn.ch/ ist schon ein Erlebnis. Dass allerdings bei _diesen_ Preisen (22 CHF von Romanshorn nach Wasserauen) so viele Leute im Zug sitzen, wundert mich. Zumal das etwa 2 Stunden dauert, mit dem Auto geht das trotz der anständigen Fahrweise der Schweizer in der halben Zeit. Nach Brülisau geht es zu Fuß, danach sollte mal ein anderer Weg dran sein. Mit einer Selbstbedienungs-Seilbahn fahre ich auf die Alp Sigel, um dort das Panorama auf Film zu bannen - bzw. auf Chipkarte. Foto anschalten - und was muss ich lesen? Siehe Titel Traurig Traurig Traurig Traurig Traurig Traurig Traurig Traurig Traurig Traurig Traurig Traurig Traurig Traurig Traurig Traurig Traurig Traurig Traurig Traurig Traurig Traurig Traurig Traurig Traurig Traurig Traurig Traurig Traurig Traurig
So ein Panorama und ich kann niemanden teilhaben lassen. Den restlichen Abend verbummle ich - ganz allein auf der noch unbeweideten Alm (die dort Alp genannt werden) und so kurz nach 10 treffe ich in der 1 1/2 Stunden entfernten Bollenwees ein. Lager mit Frühstück kostet dort 33 CHF - ein stolzer Preis - aber wenn man so frühstücken kann, dann man den ganzen Tag nichts mehr zum Essen braucht, dann relativiert sich das.

Freitag ist natürlich niemand zum Klettern da. Es ist einklich fast niemand in diesem schönen Gebiet. Auch nur wenige Tagesgäste. So wandere ich erst bei klarer Sicht und vorerst noch als angenehm empfundener Wärme etwas ziellos in der Gegend umher, zu der Zwinglipasshütte und zur Saxer Lücke, wo ich zwei Wahnsinnige beim Klettern in der N-Wand des K(reuzberg)I (es gibt deren insgesamt 8 ) beobachte. Angesichts der noch feuchten Verhältnisse geht das alles nicht so flott, jedoch der den Routennamen gebende Flug bleibt aus. Danach geht es ständig bergab in den Wald, bis ich am späten Nachmittag in Sax bin. Für einen Wiederaufstieg (über die Staudern-Lücke) ist es jetzt zu heiß, geschätzt 30 Grad. So starte ich gegen 19 Uhr auf die vermeintlich 1350 Meter hohe Scharte. Nur übersehe ich eines: Es ist keine Meereshöhe, sondern Höhenmeter. Und damit bin ich erst gegen 21 Uhr 30 oben - bei herrlichstem Alpengühen. Dum Glück habe ich dieses Mal die Kamera nicht dabei. So viele schöne Eindrücke hätten mich dann bestimmt eine weitere Stunde aufgehalten.
Der Abstieg hat dann noch zwei Überraschungen: Es ist so steil, dass die fast senkrecht am Himmel stehende Säufersonne einen massiven Schatten wirft. Ich bin ausnahmsweise mal glücklich über meine farbschwachen Augen, die im Gegensatz zu Gesunden die fünf- bis siebenfache Zahl an Stäbchen hat.
Und dann versinke ich im Schnee. Aber bei _den_ Temperaturen kann man sich auch dann keine Erfrierungen holen, wenn man bis über den Knien im drin steckt. Sondern besten Falls Abschürfungen an Knöcheln und Kniescheibe.
Der Wirt von der Bollenwees guckt schon ein wenig überrascht, als ich das Haus betrete. Nach einer Apfelschorle geht es in die Falle.
Auch heute ist niemand zum Klettern für Samstag hoch gekommen. Bei dem Wetter schon seltsam.

Weil ich noch jede Menge Futter im Rucksack habe, gehe ich am Samstag zur etwa 10 Minuten entfernten Hundsteinhütte. und damit das nicht wieder an der späten Heimkehr scheitert, erledige ich das am Morgen. Bis alles Geraffel im Rucksack ist,  sind die ersten Leute, denen ich mich anschließen wollte, allerdings schon in der Wand. Im Nachhinein war das auch gut so, denn das was die herum gestiegen sind, brauche ich nicht zu probieren Zwinkernd
Eine Stunde später kommt der Alleingänger Wolfgang vom Fähnligippl, mit dem ich noch relativ fix 2 relativ gemäßigte Routen mache, die SW-Kante und die Röstiraffel, beides Fünfer mit 4 bzw 5 recht langen Seillängen (nur eine unter 45 m). Die Touren sind gesichert wie im Klettergarten, aber mit insgesamt 6 Expressschlingen wird das Nachziehen der Sicherungspunkte etwas mühsam. 
Die Abseilerei dauert jedes Mal länger als das Klettern, weil sich mein neues Seil ständig verhängt. Wolfgangs alter Strick krangelt dafür wie blöde. Wenn die Abstiegsrinne mal schneefrei ist, sollte man besser zu Fuß runter. So lange da alle 1-2 Stunden Schneematsch runter läuft, nimmt man doch besser die Piste.
Um 8 bin ich wieder auf der Hundsteinhütte, esse noch eine Gersten(Graupen)suppe, unterhalte mich so gut es geht mit den einheimischen Gästen und Wirtsleuten (die Appenzeller scheinen noch ein unverständlicheres Deutsch zu sprechen als die Restschweizer) und lege mich im gemütlichen Winterraum ab.

Sonntag versuche ich mich am Hundstein, aber ich Blödel lasse meine Steigeisen unten. Zur Strafe darf ich kurz unterm Gipfel auf richtig hartem Schnee umdrehen. Letztes Jahr soll jemand von dort 600 m tief in den Fälensee gefallen sein. Ich habe mir sagen lassen, dass das eine buchstäblich einmalige Erfahrung ist. Statt Fernsicht, die sich bei Nebel mit Sichtweite um 50 Meter auch am Gipfel nicht eingestellt hätte, schaue ich einer kleinen Kolonie Steinböcke zu. Kaum zurück auf der Hütte, reißt es kurz auf. Ich nehme dann doch den schönsten Weg zurück in die Zivilisation, der über die Bogartenlücke führt. So eine Suhle wie den Weg ist mir allerdings schon lange nicht mehr unter gekommen. Dafür  habe ich oben wieder Bodenseeblick, und der weiche Schnee am nordseitigen Abstieg schont nicht nur die Knie, sondern säubert mich bis etwa halb 70 cm über dem Boden.
In Wasserauen sitze ich im "Zügle" und kann das Gebirge relativ gemächlich entschwinden sehen. Ab St. Gallen geht das alles etwas schneller, jedoch auch vom Bodensee aus, zwei Stunden später ist die Bogartenlücke noch zu sehen. Nach dem Abendessen am Schiff verschlafe ich den Rest der Fahrt von FN nach S.

Selten habe ich vier Tage hinter einander mit so schöner Aussicht erleben dürfen. Auch wenn die Bilder leider nur in meiner Erinnerung sind.

Tipps:
Wie alles in der Schweiz, ist auch das Zugfahren vom feinsten - und vom Teuersten. Der Katzensprung von FN nach Wasserauen war sogar etwas teurer als die Strecke von S nach FN, wobei ich natürlich in .de eine Bahncard 50 habe. Das Schweizer Halbtax-Abo (150 CHF) lohnt sich für die meisten Deutschen kaum. Zumindest was die Anmarschstrecke angeht, kommt man mit dem Zug fast überall so nah ans Ziel wie mit dem Auto.

Die Unterkunft im relativ abgelegenen Appenzell bei Abwesenheit von Bergen mit "großen Namen" ist günstiger als ich das von der Schweiz erwartet hätte. Über die Bollenwees habe ich schon geschrieben; bei den 17 CHF (11 Oiro) für die Hundsteinhütte ist etwa 1,5 Liter Teewasser enthalten, so dass man mit Hütten in .at etwa gleichauf liegt. Auf den umliegenden Almen gibt es auch gute (einfache) Speisen zu Preisen, die mit denen in .de und .at vergleichbar sind. Für eine relativ kleine Portion Kalbgeschnetzeltes legt man dann aber doch 26 Franken (15 Oiro) hin. Was hier einige abschrecken dürfte: Alk ist (steuerlich bedingt) unverschämt teuer.

Die Kletterrouten um die Hundsteinhütte erleben jetzt bereits ihre zweite Nachsanierung. Fast alle lohnenden Touren im Alpstein haben zumindest gebohrte Stände Smiley, selbst die nordseitigen Bruchhaufen; die hüttennahen Routen sind mittler Weile zum "Durklicken" eingerichtet. Letzteres finde ich etwas schade. Auch wenn Jan eine andere Erfahrung machen musste, so ist das Gestein auf den Plattenrouten überwiegend fest. Lose Brocken gibt es auch im Verdong. Die Zustiege sind (vor allem im Frühjahr) noch mit Schnee bedeckt. Das läuft sich sicher besser als im Spätsommer, wenn die Schotterhalden zum Vorschein kommen.

Nachdem ich im Tannheimer Tal so ziemlich alles für mich Machbare gemacht habe, könnte das Alpsteingebiet zum "Nachfolger" werden. Der SAC-Kletterführer von Werner Küng verzeichnet über 850 Routen. Das sollte bis zu meinem halben Jahrhundert reichen.

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Liebe Grüße von Lamл[tm]-Nur echt mit dem Pi und cw-Wert > 0,3
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Pray for snow!

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Re: PLEASE INSERT MEMORY CARD ...
Antwort #1 - 23.05.2005 um 23:06:44
 
ach, lampi, die bilder in der kamera geben die wirklichkeit doch sowieso nur halb wieder.... nur die, die du "ins herz fotografierst", kommen annähernd ran  Smiley
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Lisanne
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Re: PLEASE INSERT MEMORY CARD ...
Antwort #2 - 24.05.2005 um 13:22:07
 
Ja Lampi, da hast du noch ne Menge zu tun, weil auch die Rückseite von der Bollenwees noch einiges für dich bietet. Äscher, Schafberg usw.  Danach kannst du noch Richtung Brüggeler (Nähe Sargans) weiterziehen. Schade, dass du die Karte nicht drin hattest hätte gerne mal wieder Alpstein gesehen. Naja kann ja eigentlich auch selbst hinfahren. Ich guck ja jeden Tag drauf.

Gruss
Lisanne

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Jan jäässä

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Re: PLEASE INSERT MEMORY CARD ...
Antwort #3 - 24.05.2005 um 15:27:22
 
Hallo Rainer,
es freut mich, daß Du noch etwas unternehmen
konntest. Gut daß es soviele Routen gibt. Dort kann
ich dann das Stürtzen üben.

Gruß

   Jan
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