Des is a ganz a wuida…
so sagt man hier in Bayern….Im Wilden Kaiser wollen wir den „Kopftörlgrat“ erobern.
Das Ziel wird also der „Ellmauer Halt“ mit 2.344 m. Den kenne ich schon…allerdings noch als „Preusse“ wie man hier so sagt.
2001 war ich bereits mit meinen Meck- Pom Freunden im Wilden Kaiser. So selten hier unten…da muss es schon was „Großes“ sein, „Wir backen schließlich keine kleinen Brötchen“. Man fragte mich damals, ob ich fit genug für eine große Tour wäre. Nichts ahnend, wollte ich dabei sein. Ein Freund hatte sich die Runde ausgesucht.
Kurze Rede, kurzer Sinn….die Tour hatte folgenden Verlauf…
Von Matrei (Unterkunft) zur Griesner Alm (Start), rauf zur Stripsenjoch-Hütte, rüber zur Gruttenhütte, von dort über den Klettersteig ;-( zum Ellmauer Halt. Nach einer kurzen Rast, ich konnte weder geniessen, noch entspannen, stiegen wir weiter über den Kaiserschuetzensteig zur Hans- Berger Hütte ab. Auch hier war noch keine Nachtruhe angesagt, die Runde endete nach dem Stripsenjochhaus wieder auf der Griesner Alm. 17 Stunden bei brütender Hitze erlebte ich den Kaiser. An den Gipfel kann ich mich noch gut erinnern und bin gespannt, wie ich ihn dieses Mal erleben werde.
Eigentlich wollten wir an diesem Wochenende einen anderen Grat gehen, schwenkten dann wegen des instabilen Wetters und dem Fön um- Sicherheit geht vor….die Berge stehen nächstes Jahr auch noch, wir müssen nix über´s Knie brechen.
Vom Kopftörlgrat hab ich schon einiges „gehört“. Soll nen IIIer sein. Das sollte ich hinkriegen mit einem starken Seilgefährten an meiner Seite.
Wir, der Hawkeye und ich, machten uns bereits am Freitagabend auf den Weg in die Berge, damit wir morgens früh von der Wochenbrunner Alm (1.095 m) aufbrechen konnten.
Um 6 Uhr starteten wir zur Gruttenhütte, um dort noch fix ein Schiwasser zu trinken (die Ruhe vor dem Sturm).
Der Grat sah von der Hütte „gigantisch aus“, völlig uneinnehmbar…ABER wir wollen da rüber, 4 bis 7 Stunden benötigt eine „Durchschnittsseilschaft, so Horst Höfler. Abbrechen ist nur unter Schwierigkeiten möglich (worauf hab ich mich hier wieder eingelassen

. Kurz den Weg gesucht, starteten wir ins Vergnügen. In der Scharte angekommen, ging es auch gleich lustig los, 1400 m Gratkletterei lagen vor uns. Bis zum ersten Turm ist noch „Gehgelände“, hier binden wir uns ein. Dann kommt der erste Riss…man glaubt, dass kann gar nicht gehen…gesichert geht es besser als man denkt. Boh, denke ich, ist das schon der Gipfel. Der Hawkeye lächelt mich an und sagt:“ Mädel, das ist erst der Anfang! Hinten am Leuchsturm geht´s erst richtig los!“
So genau wollte ich das gar nicht wissen.
Also, weiter geht´s. Wir kraxeln von einem Turm zum anderen.
Der Schweizer Samuel Plietz hat den Grat in den dreißiger Jahren begangen und folgende Aussage gemacht: „Der Kopftörlgrat ist ganz ungewöhnlich. Jedes Mal, wenn ich auf einem der Türme stand und zum nächsten Gendarm hinüberschaute, glaubte ich, mit meinem Latein restlos am Ende zu sein. Ich musste mich zwingen, überhaupt nur in die nächste Scharte abzusteigen und einen Versuch zu machen. Aber so unheimlich das alles aussah, es ging immer wieder irgendwie weiter…“
Es ist tatsächlich so….nach dem Leuchsturm muss man ein Stückchen absteigen, eigentlich eine glatte Wand. Der Hawkeye hat mich vor steigen lassen, (im Nachstieg fällt man tiefer) und ich sagte ihm, dass es keinen Weg gibt. Aber er meinte….da muss es einen Weg geben. Wir diskutierten erstmal ein Weilchen herum oder besser--ICH diskutierte anstatt zu klettern. Eine glatte Wand musste überwunden werden und ich fand, da geht nix. ABER, siehe da…hier ein Griff, dort ein kleiner Tritt…okay, unten bin ich. Und wie komme ich da rüber? Dort ist glatte Wand und dann kommt ein Spalt, dazwischen geht es tiiiiiieeeef runter. Wieder diskutiere ich, die Zeit läuft….es muss weiter gehen… Ich taste mich langsam vor. Es gibt genau einen Tritt für den rechten Fuß, ein kleiner Griff für die rechte Hand….jetzt Gewicht verlagern und rüber greifen. Da ist sogar ein Griff und alles geht so einfach. Schwupp di wupp, bin ich drüben. Was war denn jetzt??, frage ich mich….
Den Kapuzenturm umgeht man. Nun stehen wir vor dem sechsten Turm….und bestaunen die Wand vor uns. Das geht gar nicht.
Es geht besser als man glaubt, richtig Spaß macht die Kletterei. Oben angekommen, sehen wir das Gipfelkreuz, es ist zum Greifen nahe…“gleich“, so glauben wir, haben wir es geschafft.
Wir stehen vor dem letzten Aufschwung, der Ausstiegswand und können den Kamin, den es einfach hoch gehen soll, nicht so leicht finden. Ich weiß nicht, wie lange wir dort herum gespielt haben….bis der Hawkeye einfach den Weg nahm, wo die Haken steckten….

18.30 Uhr waren wir am Gipfel, glücklich, den Kopftörlgrat geschafft zu haben.
Die Sonne schickte uns die letzten Sonnenstrahlen, wunderschön, anzusehen. Den ganzen Tag wurden wir vom Fön begleitet. Wir zwei waren froh, nicht auf höheren Bergen zu stehen, wo es ziemlich stürmisch sein musste. Um die Zeit sah es weit hinten im Venedigergebiet ziemlich düster aus…
Leider hatte ich auch dieses Mal keine Zeit, den Ellmauer Halt richtig zu genießen. Die Zeit lief, der Abstieg über den Klettersteig lag noch vor uns. Und obwohl die Hütte vom Gipfel zum Greifen nah lag, war der Weg noch weit….
Am Klettersteig stellte ich wieder fest, dass ich mir „normaler Weise“ so was nicht antun muss. Ich werde nie ein Freund der Stifte und Eisenleitern. Da sagte mir der Hawkeye: „Stelle Dir vor, es gibt so Verrückte, die steigen den auf!“
„Ja, wir Preussen!“, gestehe ich
Spät kamen wir an unser Nachtlager…wir brauchten nicht mehr viel, um in die Lager zu fallen…
Eine wunderschöne Tour. Am Morgen hing der Nebel tief und es dauerte nicht lang, bis es anfing zu Regnen….
Gott sei Dank, dachte ich, so konnte ich zum Erholen heim…

Es war eine tolle Tour, Hawkeye, DANKE!
Ein Bild hätte ich gern angehängt, aber irgend jemand hat gestreikt!!!