Willkommen Gast. Bitte Einloggen
Sektion Alpen.Net
   
  ÜbersichtHilfeSuchenEinloggen  
 
Wie das Täschhorn uns die Zähne zeigte (Gelesen: 2539 mal)
bike-uwe
Full Member
***
Offline


Here comes the SAN

Beiträge: 117
Schwäbische Alb
Geschlecht: male
Wie das Täschhorn uns die Zähne zeigte
23.09.2008 um 18:04:56
 
Alte Seilschaften

Oder

Wie das Täschhorn uns die Zähne zeigte.



„Der frühe Vogel fängt den Wurm“

Und so entschied ich mich schon in der besten Skitouren-Zeit,  mich auf das „Abenteuer Täschhornüberschreitung“ zu freuen, den die Vorfreude ist ja nach der Schadenfreude die schönste.
Lag’s an den unsicheren Wetteraussichten, an der Tour selbst oder an den Partnerinnen, die Ihren Anspruch erhoben.

Jedenfalls; am Tag vor der Vorbesprechung noch zu sechst, schrumpfte die Teilnehmerzahl bei der Abfahrt auf die vier „Üblichen Verdächtigen“.

Rainer, der die Führung übernahm, Manuel als sein Stellvertreter, sowie Bernd und mir als „Gemeinem Fußvolk“.

Abfahrt Freitags pünktlich um 5.00 Uhr noch bei wolkenlosen Himmel und heiterem Gemüht. Doch im Hinterkopf immer den Gedanken an die Schlechtwetterfront, die noch kurz aber heftig über die Alpen ziehen sollte.
Als die Wolken dunkler wurden und es auf der Fahrt durch Bern regnete was es konnte hellten sich unsere Mienen noch weiter auf, den das muß doch die Front sein, die unsere Unternehmung in frage stellen wollte.
Schön das Sie schon so früh durchzieht.
Und von der Bahnverladung runter erwartete uns das Wallis mit Sonnenschein und überzuckerten Gipfeln.
Nach einer kleineren Odyssee inkl. Taxifahrt schulterten wir auf der Täschalp die Rücksäcke und machten uns gutgelaunt mit der Sonne im Rücken auf den Aufstieg zum Mischabeljoch-Biwak.
Anfangs auf einem Fahrweg vorbei an Edelweis, später in steilem Zickzack über einen noch mit Gräsern bewachsenen  Moränen-Rücken bis es endlich außer Dreck und Steinen nichts mehr gab.
Doch erst als der Fuße des Gletschers schon in greifbare Nähe gerückt war wurde uns bewußt, das die tiefhängenden dunklen Wolken und das Donnergrollen das uns umgab nichts gutes bedeuten kann.

Gewitter!!!!
Ungeschützt in dieser Höhe, da hatten wir noch vom Nadelgrat genug. Und so machten wir an der Gletscherzunge kehrt um uns etwas tiefer gelegen unter zwei Felsblöcken ein Notbiwak einzurichten


Es wurde nicht nur naß von oben, sondern auch von unten, da das Wasser durch unseren Unterschlupf sickerte.

Wir ließen das Gewitter abziehen und mit genügend zeitlichem Abstand ging es über den Gletscher mit Graupelschauern und kaum Sicht immer höher hinauf, wobei Rainer so manche Gelegenheit nutzte, sich als Spaltenfinder  einen Namen zu machen.

Doch auch Manuel kam in den Genuß durch den weichen Schnee zu spuren

3847 m ü/nn, das hat schon was, und dann noch 15m frei über dem Boden an eine Felswand gelehnt ist das Biwak meine höchstgelegene und zugleich atemberaubendste Nächtigungsstätte ever.

Wenn es jetzt noch was zu sehen geben, und der Sturm nicht so pfeifen würde, wäre es perfekt

Es soll ja manchmal recht voll hier oben sein, aber wir waren für heute die Einzigen und so blieb es uns auch nicht erspart den Ofen mit Hartholz in Gang zu bringen und Tonnen von Schnee in riesigen Töpfen mit dem Seil zum Biwak hoch zu ziehen.

Während der Sturm draußen immer grausiger wurde, und glaubt mir, hier oben kann es ganz schön wehen, kochte jeder sein Süppchen und man freute sich über die wärme mit der der Ofen den Raum erfüllte.

Zum Kartenspielen hatte keiner Lust, drum ging's in den Nebenraum zum schlafen, oder zumindest versuchte man es.
Man konnte dem Sturm dabei belauschen, wie er verzweifelt versuchte aus dem eckigen Biwak was rundes zu formen.
Um 4 Uhr aufzubrechen machte bei diesen äußeren Bedingungen keinen Sinn. Und so schliefen wir, nach dem der Sturm sich merklich gelegt hatte, etwas länger um nach dem Suppenfrühstück um 6 Uhr bei wolkenlosem Himmel vor die Tür zu treten und der Sonne entgegen zu laufen.

Über ein sehr fragwürdig lockeres Gestein ging es Anfangs noch sehr zügig ostseitigt um den Grat nach oben dem Täschhorn entgegen.
Teilweise erleichterten Steinmännchen die Routenfindung auf dem frisch verschneiten Schutthügel.

August ist halt nicht Mai, und was die meisten Mitteleuropäer  lieben machte uns das Leben zunehmend schwerer.
Die Sonne..........brannte mit aller Kraft auf die Flanke und den Grat und weichte den Firn der sowieso nicht wirklich hart war noch mehr auf.

„Wassereis“ kommt dem ganzen wohl am nächsten (ital. ~ Granite)

Des öfteren fanden die Steigeisenbesohlten  Schuhe auf dem Schutt nicht genug Halt so das ein sichern mit dem Seil nötig wurde


Trotz all dem Drecksmaterial kamen wir auch in den Genuß von griffigen Firn. Leider nur dann wenn man die Wächten westseitig passieren konnte.


Leider war das viel zu selten und so kamen wir nur sehr schleppend voran und das ganze Geraffel in den Rucksäcken erleichterten sie Sache auch nicht.

Mit der Zeit im Nacken, nach Westen hängenden Wächten die ein Begehen auf der Sonnenseite erforderten vor uns, der Gewißheit das 318 hm in dreieinhalb Stunden zu wenig sind, die Sonne zu kräftig und das meiste vom Tagwerk noch vor uns machte Rainer uns einen Vorschlag:
„Das Täschhorn für Heute hier auf 4173 m und jetzt so zu lassen wie es ist und den Abstieg in Angriff zu nehmen bevor der Firn noch mehr zu „Granite“ wird.“

Und Naßschneerutsche aus sicherer Entfernung zu beobachten ist eindeutig besser als mittendrin zu stehen.

Es gab auch kaum Einwände dagegen...Lach.
Und mit gesenkten Häuptern und geknickter Stimmung machten wir uns an den Abstieg

Durch den aufgeweichten Untergrund war dieser genau so kräftezehrend wie zuvor der Aufstieg. Auch das Seil mußte zum sichern wieder herhalten.

Am Joch angekommen noch schnell etwas Schnee geschmolzen um der Dehydratation und den hämmernden Kopfschmerzen Einhalt zu gebieten.

Und mit bleiernen Füßen ging es über tiefen Gletscherfirn hinab. Die Spaltenzone haben  wir links auf der Moräne umgangen, jedoch nicht ohne noch ein kurzes päuschen gemacht zu haben.
Anfangs noch ohne Einsatz der Hände ging es zunehmend steiler bergab und mit dem Blei in den Beinen machte es für den einen oder anderen schon Sinn sich abzuseilen. (Nur blöd wenn der Gurt schon im Rücksack ist)

Nachdem die Seile neu verteilt wurden, damit auch alle in den Genuß eines schweren Rucksacks kamen, ging der triste Weg in die Tiefen des Mattertals weiter.
Und nach einem nie enden wollenden Abstieg kamen wir spät Nachmittags auf der Täschalp an um uns eine Bleibe für die Nacht zu suchen.

Die war auch schnell gefunden.

Schlagt mich tot, aber ich glaube die diese richtige Bergsteigerräuberhöhle mit fließend Kaltwasser hört auf den Namen „Europahütte“. Und unterm Dach gab es für uns ein geräumiges Lager.

Nachdem wir uns frisch gemacht hatten (Katzenwäsche)ließen wir uns von der Wirtin, einer drallen Blondine die nicht auf den Mund gefallen ist, verwöhnen.

Aber nicht was jetzt alle denken, sondern nur kulinarisch .

Bei Original Schwyzer Käsefondue mit jede Menge Hochprozentigem ließen wir die Tour noch mal Revue passieren.
Dabei bekamen wir auch nachhaltig erklärt wie man das mit dem Brot richtig „händelt“
Nach einer ruhigen Nacht, einem leckeren Frühstück, der obligatorischen Taxifahrt und einem Reifenwechsel ( lol) ging es endlich nach Hause, denn der Sommerurlaub stand ja schon in den Startlöchern.

Zum Seitenanfang
 
 
IP gespeichert
 
obadoba
YaBB Administrator
*****
Offline



Beiträge: 650
Allgäu
Geschlecht: female
Re: Wie das Täschhorn uns die Zähne zeigte
Antwort #1 - 23.09.2008 um 21:48:19
 
Schön geschrieben, Uwe. Wo sind die Bilder???
(ich Feigling wär ja spätestens beim Gewitter umgedreht ...)
Zum Seitenanfang
 

Viele Grüsse,
Andrea
IP gespeichert
 
bike-uwe
Full Member
***
Offline


Here comes the SAN

Beiträge: 117
Schwäbische Alb
Geschlecht: male
Wo sind die bilder
Antwort #2 - 24.09.2008 um 12:35:13
 
Leider bring ich das ganze nicht als word datei mit bildern hier unter.
ich bin halt auch kein mensch der sich mit dieser materie auskennt.

ich hätte gerne das ganze so reingestellt, allerdings wie es immer so ist im leben, hatte sich der erste akku vom photo schon auf der hinfahrt verabschiedet und ich mußte mich etwas mit dem auslöser zügeln.

Zum Seitenanfang
 
 
IP gespeichert
 
(Moderatorgruppen: FÜL, Verwaltung, Vorstand)