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Abschied vom Winter (Gelesen: 3069 mal)
Lamл[tm]
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Abschied vom Winter
22.03.2010 um 00:30:39
 
Seltsamer Ort für ein Rongdewu oder vom gescheiterten Versuch, ein Schaf zu reiten
Zu einer selbst für Normalbergsteiger (ich rede nicht von Sektionsgenossen) absolut unchristlichen Zeit holt mich mein Handy mit einem unwiderstehlichen "gäsefleischmalansdelefönkömn" vom schönen warmen weichen Bett. Bereits um 4 Uhr 35 liege ich wieder im Zug, kurz hinter Augsburg weckt mich das Tageslicht. Was so viele Leute so früh im Zug machen??? In München fast eine Stunde Aufenthalt, genutzt für das letzte Luxusfrühstück: Lachs- und Putenschinkenbrötchen sowie Apfeltasche vom Bäcker, kostenlos Kaffee, Tee, Sprudel (und für die Kocaholics natürlich auch Kola) in der DB-Lounge. Die nächsten drei Tage wird es morgens nur noch Haferflocken geben.

9 Uhr 35: Endlich in Lenggries. Was tue ich hier eigentlich? Alles grau in grau, 100-300 m Sicht, wäre ich doch nur daheim geblieben und hätte meine Lohnsteuererklärung fertig gestellt. Aber jetzt bin ich halt hier, und außerdem verabredet. Mit auf den Rucksack geschnallten Schneeschuhen ist es kein Problem, mitgenommen zu werden. Ein Hop zur Bundesstraße, einer zum Sylvenstein und kaum eine Stunde später bin ich am Ausgangsort an der Lafontainehütte. Die Sonne strahlt Bindfäden, ich strahle weniger, denn wirklich anstrengende Dinge habe ich etwa ein habes Jahr lang nicht mehr getan. Biwakzeuchs, überzählige Futtervorräte etc. wandern in ein eigens zu diesem Zweck ausgehobenes Loch. Nach etwa 5 Stunden, zuerst gemütlich über eine blitzblank polierte Forststraße, anschließend durch latschenverseuchten Sumpf (Die Schispur ist dort in einem Zustand, dass man da nicht mit Schneeschuhen durchlatschen sollte )dann über einen abgeblasenen Gipfelhang bis 20 (Strecken- nicht Höhen)meter an den Schafreuter- Gipfel. Die endgültige Besteigung scheitert an der Kombination aus ca. 45 Grat steilen, vereisten Schrofen, der Nichtverfügbarkeit von Steigeisen und garantiert endgültigen Folgen eines Fehlversuchs. Also erst mal Beweglichkeit getestet und mit den Zähnen einen faustgroßen Fleischfetzen aus dem Ars.ch gerissen. Die selbstverschuldete Nichtersteigbarkeit des Berges hat zur Folge, dass aus dem gemütlichen, ca. halbstündigen Abstieg zur Tölzer Hütte ein ziemlicher Umweg wird: statt nach Süden nach Nordwesten absteigen und dann einen ca. 2 km langen Graben ziehen. Das war mal wieder eine Meisterleistung der Tourenplanung.Smiley

Dafür ist der urige Winterraum schon eingeheizt, denn der böse Wolf(f) Christian und Joe sind schon da. Je eine Packung Erbspüree und Kartoffelsuppe heben den Blutzucker wieder über die untere Interventionsgrenze und dann geht es ab ins Bett.

Der längste Tag
Heute will es nicht wirklich hell werden. Das liegt daran, dass Myriadenschwärme komischer kleiner weißer Teile vom Himmel fallen. Über die Moosenalm, dann über eine Jagdhütte geht es durch immer steileren Wald zur endlosen Straße, die nach Fall führt. Christian zieht das Tempo an, dass es kein Spaß mehr ist, obwohl eigentlich geplant war, in Lenggries eine Pension aufzusuchen und am Freitag noch mal eine lange Tagestour zu machen. Dem Joe reicht es, er fährt nach Hause.
Christian nimmt das zum Anlass, nach einem opulenten Jägerschnitzel im Gasthaus in Fall nicht unten zu bleiben, sondern noch am gleichen Tag, 16 Uhr, von Hinterriss zur Falkenhütte zu steigen und zweitens anfangs nochmal das Tempo anzuziehen.Smiley Nachdem ich aber in der Hinsicht etwas anders gestrickt bin als Joe und die Renntiere ruhig mal laufen lasse, macht Christian langsam. Kurz vor dem Anstieg zur Ladizalm verlassen mich die Kräfte, die letzten 130 Höhenmeter kosten etwa eine Stunde. Bis zur Alm betet mich der Christian hoch, ich will schon irgend wo "einsteigen", finde aber nichts Offenes und mache ca. 20 Minuten Pause. Zu allem Überfluss fängt es jetzt auch noch an zu regnen. Ein paar Honigbrote helfen mir bei der Annäherung an die Falkenhütte, die Suche nach selbiger nur mit GPS und ohne Sicht endet nach ein paar Suchkreisen erst damit, dass wir fast dagegen rennen. Jetzt nur noch das Nebengebäude suchen, den Winterraum freischaufeln, einheizen.
Kurz vor Mitternacht ist es wohnlich, ich warte drauf, dass mich der Schlaf übermannt. Keine Spur davon, ich bin aufgedreht, am liebsten würde ich jetzt und sofort in die Herzogkante einsteigen, scheiß auf Nacht, scheiß auf Winter, scheiß auf keine Sicht und keine Ausrüstung. Noch ein paar dumme Sprüche von mir und Christian meint nur, ich möge jetzt bloß keinen Blözinn machen, sowas nennt man Hungereuphorie und in den Bergen ist mit so was nicht zu spaßen. Es steht etwa ein Kilo offene Nudeln herum, die werden jetzt gekocht, vertilgt, und danach schleppe ich mich ins Lager, es ist 1 Uhr 35, scheiß drauf dass es feucht ist.

Der schönste Tag
8 Stunden später: trotz der winzigen Fenster ist es so strahlend hell, dass selbst wir aufwachen. Die Laliderer stehen in voller Pracht vor uns. Wenn ich den Berichten glauben darf, müssten jetzt gute Verhältnisse herrschen. Kalt genug, dass der Schotter oben zusammengefroren ist, aber "warm" genug, um die schweren Stellen unten zu klettern. Aber das ist nur Kopfkino, die Laliderer haben insgesamt (!!!) weniger Winterbegehungen gesehen als die Eiger- Nordwand und sind damit Maschinen vorbehalten und keinen Ersatzteilen wie uns. Wir begnügen uns mit dem Mahnkopf, DEM Aussichtsbalkon auf die fast unendlich breit erscheinende Wandflucht. Aber zunächst gibt es Frühstück: Zur Feier des Tages zusätzlich noch eine Packung Pfannkuchen. Wir hängen die Matratzen zum Trocknen auf, der Ofen wird noch eine Weile warm bleiben, wir schlendern zum Mahnkopf, den wir recht bald wieder verlassen, wozu auch aufhalten, die Aussicht genießen können wir am ganzen Weg. Am kleinen Ahornboden wird es von ganz warm zu ganz kalt, noch ein paar Riegel bis zum Karwendelhaus, heute ist Freitag, da müsste eigentlich jemand oben sein. Durch ein wunderschönes Tal geht es dem windigen Ziel entgegen. Es ist niemand da, der winterraum ist in einem neu erbauten separaten Haus, so einen schönen Winterraum habe ich noch nie gesehen. Allerdings ist er groß (18 Lager) und nicht abteilbar, so dass wir nicht so einheizen können wie in Tölzer- oder Falkenhütte. Trotz moderner wärmedämmung.

und tschüssssss......
Am nächsten Morgen wissen wir weshalb niemand da ist: Ein eisiger Wind pfeift, die schöne Sonne von gestern ist weg, die ursprüngliche Planung, direkt über die Hochlandhütte nach Mittenwald abzusteigen, wird aufgegeben, wir gehen den Hüttenweg nach Scharnitz. Endlich kriege ich Empfang und damit einen Wetterbericht, der sagt für morgen sogar Regen voraus, wir decken uns noch mit ein "paar" Schmankerln ein (Schinken, Hirschschnitzel, Gamswürstel, Bergkäse und vor allem natürlich Stroh 80) und fahren nach Hause.

Drei Tage später hat es sich ausgewintert. Bei strahlend blauem Himmel sitze ich im Büro. Sch... Am Samstag ist von Strahl nichts mehr zu sehen, aber der Fels ist trocken und der Frühling hat angefangen. Jetzt bitte keinen Schneefall mehr in den Bergen, dann kann man nämlich Ende April wieder zupacken. Smiley

Tipps:
Ein Rundweg Fall - Tölzer Hütte und zurück ist hier:
http://www.outdoor-magazin.com/touren/deutschland/deutschland/karwendel.97477.3....
beschrieben.
Wer den Weg von Scharnitz über die zwei Hütten nach Hinterriss mal ohne Menschenmassen erleben will, muss ihn schon im Winter gehen. Die Winterräume sind beide geräumig und wirklich schön eingerichtet.
Schifahrer sollten warten bis die Straße in die Eng geöffnet ist, die Flachstrecke durch das Johannes- oder Laliderer Tal muss sogar bergab geschoben werden.
Die Kletterrouten an den Laliderer Wänden sind trotz moderater numerischer Schwierigkeiten buchstäblich "todernste" Unternehmungen und daher nicht zu unterschätzen. Aber im Sommer lohnt sich das Kletterer- Teleskopieren schon mal. Im Winter ist es zu unwahrscheinlich Kletterer anzutreffen.
Der Weg vom Karwendelhaus ins Schlauchkar und von dort weiter zur Birkkarspitze ist im Winter nur selten begehbar- üblicherweise wird in den Talgrund abgestiegen und dann durch das Kar wieder nach oben. Ein Umweg von 300 Höhenmeter.
Eine andere sehr beliebte Tour ist vom Karwendelhaus auf die östliche Karwendelspitze. Von der Falkenhütte ist nur der Mahnkopf als Wintertour verzeichnet.
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Re: Abschied vom Winter
Antwort #1 - 23.03.2010 um 00:11:16
 
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Rongdewuu an der urigen Tölzer Hütte


Der längste Tag
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Los geez I!


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Durch bizarre Landschaft


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Los geez II!


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Hier gibz was zum Tschocken!!!


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Schneeflöckchen, Weißröckchen ...


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Endlich am Tagesziel. Danke Christian!!!


Der schönste Tag
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Falkengruppe


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Optisches Wecksignal


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Hinten die einzige häufig begangene (klassische Kletter-)Route des Karwendels


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s.o.


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Hohljoch


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Hier geht es hin


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Von der Hinweistafel aus war weder die Hütte noch der Winterraum zu sehen


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Suchkreise von gestern


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Aufstieg zum Mahnkopf


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Von wegen Beunruhigung


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Bis jetzt Sonne pur


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Ab in den Schatten


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Frühling wird's bald werden Smiley


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Im letzten Licht


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Überforderter Ofen


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Winter ade ....


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« Zuletzt geändert: 23.03.2010 um 11:37:14 von Lamл[tm] »  

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