märchen beginnen klassischerweise mit "es war einmal" und tourenberichte mit "eigentlich sollte es ja der xyz werden, aaaaber..."
xyz war in diesem fall monte rosa, aaaaber der mensch denkt und petrus lenkt, das walliswetter war im verfügbaren zeitfensterl einfach zu wackelig.
also fand ich mich anstatt an irgendeinem treffpunkt zwischen chur und brig am 8. august am bodensee zwischen einem haufen karten und führer aus lisannes gut bestückter bergbibliothek... glärnisch? piz segnas? oder was?
bald war klar, wo es sie hinzog: greina.
das ist eine ganz eigene wasserdurchschlängelte hochebene überm val sumvitg, die vor wenigen jahren vor dem stauseebau gerettet wurde und mit der camona terri über eine nette hütte verfügt:

hochtourenhügel stehen da auch rum, z.b. der piz vial oder der piz medel, den man aber besser von der medelhütte aus besteigt (die war leider voll). für den fall, dass uns erstere lockten, schleppten wir am samstag füglich (schließlich geht man ja nicht zum vergnügen in die berge, gell, yak?) seil, steigeisen und restliches geraffel die 930m zur hütte...
übrigens bildschöner hüttenaufstieg durchs val sumvitg...

(rückblick)
...mit dem sehr beeindruckenden ungezähmten rein sumvitg:

vor der hütte gab es einen romantischen, eisenhutumrankten teich...

...und drin ein nettes team, gutes essen, sehr brauchbare lager (kategorie "empfehlenswert").
also feinplanung - irgendwie lockte der piz terri als DER hüttenmugel am meisten, obwohl es wohl die weiteste tour war. "wege" auf die hügel gab es eher nicht... solcher komfort war auf den höhenweg und die übergänge beschränkt. das hochtourengeraffel war dafür natürlich überflüssig, denn der gletscher, den die karten zeigen, war da mal.
nix hochtour hat den vorteil, dass man es morgens eher ruhig angehen lassen kann...
also zügig, aber gemütlich erstmal auf dem hüttentreck in die greina.

irgendwann ging der weg geradeaus und wir mussten das richtige seitental (val canal) nach links erwischen. der trick ist ganz einfach:
pfadfinden ist eine zeitfrage. man muss ohne zeitdruck solange die karte mit dem gelände abgleichen, bis es plausibel ist.
der hügel, der sich da so dreieckig vorschiebt, könnte das hiesige exemplar der vielen piz ners sein... hinter dem riegel da oben könnte der see liegen... jaja, ich hätte es auch mit dem kompass einmessen können, aber wir waren uns sicher.
unten im val canal direkt am bach war es zwar sehr romantisch, aber es stellte sich bald heraus, dass unsere ursprüngliche idee, über einen grasrücken "obenrum" besagten felsriegel anzupeilen, die bessere war.
und richtig, es fanden sich steinmännchen und ab und an trittspuren und das hier:

(gentiana nivalis, wenn ich mich nicht irre)
beim rückblicken grüßten tödi und bifertenstock... na, der tödi ist auch irgendwann mal fällig...

und richtig, hinter dem felsriegel erschien der see und darüber der piz terri (3149m):

erstmal rechtsrum um den see. gleich runter oder erstmal in halber höhe? hier gab es fast keine steinmänner mehr... und höhe verliert man nicht gern... also versuch in halber höhe.
um es kurz zu machen: gräßliches gewühle in weich(!) unterfütterten geröllhalden und ähnlichem dreck. am ende doch unten am see zum durchschlupf unterm piz... hinein in die riesige ex-gletschermulde.
untenrum, obenrum, geradaus durch?
im zweifel letzteres. noch mehr von dem dreck... immerhin war klar, wohin wir zielen mussten, nämlich auf den schotterhang unterm piz terri, den hoch bis zu einem band darüber, dieses nach rechts bis zu dem "knick" im "grat" (naja, rücken) und dann diesen hinauf zum gipfel.
natürlich lief "geradaus durch" wieder auf wühlen hinaus, bis es im schotterhang dann tatsächlich eine deutliche steigspur gab, die sich wesentlich bequemer ging. vom band führte ein niedlicher bröselkamin auf den "grat"...

und auf diesem diverse steigspuren relativ harmlos hinauf zum gipfel.

die aussicht richtung adula oder piz vial war prächtig, aber die fotos sind nicht schön genug, um sie hier einzustellen....
etwas weiter unten am beginn des abstiegs ging es besser:

(im hintergrund piz greina und piz vial)
zurück durchquerten wir die gletschermulde ...

... an ihrem oberen rand (andere versuchten es gleichzeitig ganz unten), was viel besser ging. hier gab es sogar eine steigspur bis zu dem punkt, wo der weg von der motterasciohütte heraufkam.
der rest war spaziergang weglos über "unseren" grasrücken, dann über wellness-autobahnen unten durch die greina, am dramatischen "rein-fall" vorbei und - lästig, diese gegenaufstiege am ende! - über den carpet da greina zur hütte.
inzwischen war klar, dass es mit einer hochtour hier nix mehr werden würde - zum greinagletscher ging es weglos über einen endlosen, steilen, nicht sehr übersichtlichen grashang. sowas braucht zeit - und die hatten wir nicht, denn das wetter sollte am montag irgendwann umschlagen. also hatten wir mal wieder der sektionsüblichen trendsportart gefrönt...

als ersatz schob ich noch einen abstecher zum hüttenexemplar der diversen piz ners ein... eigentlich sollte es der nachbarhügel werden, aber der hatte sich schon zugezogen.
morgens beim aufbruch allerdings hatte die greina noch geradezu geleuchtet:

also vom pass diesrut (bis dahin wanderweg) seitwärts links über die grashänge steil hinauf (auch hier keine wege, auch keine steinmänner - überflüssig, das gelände war absolut übersichtlich). oben zog dann allerdings auch gleich nebel auf, so dass ich machte, dass ich wieder hinunterkam.

pass diesrut mit piz ner im rückblick
an der hütte pfiff es schon höchst ungemütlich, also nix wie hinunter ins tal... wo dann doch noch ab und an sonne durchkam, während es da, wo wir herkamen, immer finsterer wurde.
zum abschluss gönnten wir uns noch einen kleinen ausflug ins val lumnezia und spazierten vorwärts und rückwärts durchs hübsche bergdorf vrins...

war ne prima tour - und außer der schönheit der landschaft (allerdings reichlich windig) hat am meisten spaß das pfadfinden gemacht.
nächstes mal in der gegend ist der piz medel dran.
ohne trendsportart.
oder, lisanne?