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Die weiße Hölle am Piz Palü Teil 1 (Gelesen: 3702 mal)
bike-uwe
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Here comes the SAN

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Schwäbische Alb
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Die weiße Hölle am Piz Palü Teil 1
23.09.2011 um 19:07:09
 
noch nicht korrekturgelesen..aber dafür ahb ich auch keine lust mehr..
schickt mir bitte ein berichtigtes exemplar zurück...grins

ach ja..das war irgenwann im juli diesen jahres Grinsend

Die weiße Hölle am Piz Palü

Nichts würde es besser treffen als dieser alte Schinken, denn der Wetterbericht versprach alles andere als ungetrübten Sonnenschein.
Doch Zehn wackere Recken ließen sich dadurch nicht abschrecken und trafen sich bei gewittriger Stimmung zur Vorbesprechung um das vor zwölf Monden begonnene und widrigen umständen zum Opfer gefallen Projekt zu Ende zu bringen.
Neuauflage eines Klassikers

Darsteller:
Weder Leni, die die Riefen Stahl noch Louis der Trinker…sondern;
Stefan, Ingo, Wilfried, Achim, Andrey, Walter, Uwe, Paul und in den Hauptrollen Rainer und Manuel.
Regie:
Rainer und Manuel
Drehbuch:
Die wirren der Natur, und Uwe im Versuch das erlebte in Worte zu fassen
Und immer wieder ruft das Abenteuer

Siedig heiß war es, als Zwei vollbeladene Autos durch die Schweizer Alpenwelt bretterten um noch am späten Nachmittag den Parkplatz in Morteratsch zu erreichen.
Die Gipfel in dunkle Wolken gehüllt und der zarte Regen von oben zwangen die wackeren Recken zur Mitnahme des wasserdichten Ölzeugs und machten den Tornister noch etwas schwerer.

Manche schwiegen, andere quasselten unaufhörlich  auf dem tristen Weg der über  den Rand der Moräne verlief. Das war dann wohl auch der Grund warum der Hordenführer merklich das Tempo verschärfte um der akustischen Belästigung Einhalt zu gebieten.
Pünktlich vor der Erschöpfung erreichten Sie das schützende Dach der Boval Hütte deren Gastraum schon mit Gestalten aus aller Herren Länder angefüllt war.
So versammelte man sich zu später Stunde an der letzen freien Tafel um sich den Bauch voll zu schlagen und so manche munkelten das der Wirt mit einem Fluch belegt wurde und fortan nur noch Teigwaren auftischen dürfe.
Nach etlichen Humpen des Gerstengebräus ging es auch wieder in die oberste Kammer. Und in denselben Kojen die man von der letzten Unternehmung noch kannte fühlten sich alle wie zu Hause.
Als um Zwei Uhr die ersten sich wieder regten wusste ein jeder was die Stunde geschlagen hatte.
Piz Palü Überschreitung, von dessen felsigen westlichen Ausläufern bis zu seinem östlichen Eisgipfel.
Schlaftrunken saßen Sie nun einsam in der Gaststube bei einem kärglichen Frühstück und lauschten den letzten Instruktionen. Schweigend wurde der Tornister gepackt und alles was von Nöten schien verstaut.
Vor der Pforte begrüßte Sie ein stahlender Vollmond am Firmament  der es ermöglichte auch ohne Pechfackeln  den Weg durch des Gletschers Labyrinth mit seinen klaffenden Furchen bis hinüber zur rettenden Isla Pers zu finden.
Fast schien es als würden Sie versuchen planlos den Hügel zu erklimmen, doch fanden Sie kurze Zeit später auch den Pfad, den schon Wagemutige vor Ihnen begangen hatten.
Alsbald erhellte sich der Horizont und der Tag vertrieb die Nacht und lies die in den Himmel ragenden Firn und Eisfelder in leuchtendem Rot erstrahlen. Und als schon nicht mehr viel von der Nacht zu erkennen war beschlossen Sie sich die Eisenkrallen unter die Zwiegenähten zu binden und sich dem Himmel entgegen ins ewige Eis zu wagen.
Ein erstes Opfer
Doch falsche Ausrüstung und ein hadern an der Sache forderten ein erstes Opfer.
Es wurde jedoch nicht in die Hände des Schicksals übergeben. Nein. Der stärkste von Ihnen brachte es sicher zurück auf den Pfad der ohne Umschweife und Gefahren zu der kleinen Spelunke Diavolezza  führen sollte.
Und während im Schatten irgendwelcher Gesteinstürme die Verbliebenen sich langsam mit der Steilheit des Geländes anfreundeten und gemütlich Ihre Bahnen zogen hofften Sie auf wärmende Sonnenstrahlen am Fortezza Grat.
An einem Fels, der sich aus der Eiswüste erhob rasteten Sie und drehten dem Wind den Rücken zu. Von hier aus sahen alle gespannt in die Tiefe um nach Rainer Ausschau zu halten der alsbald auch als dunkler Fleck gesehen ward um kurze Zeit später wieder dazu zu stoßen.
Doch hatten Sie den Berg am heutigen Tagen nicht alleine für sich und mussten sich den schmalen Felsgrat mit zwei Fünfer Seilschaften teilen. Diese mühten sich redlich und schlugen sich wacker doch hatte aller Wiederstand keine Aussicht auf Erfolg, da Sie ihre schwächsten Mitglieder teilweise mit Stricken vor dem Sturz in die Tiefe sichern mussten. So war es für die Recken ein leichtes ihnen auf den Fersen zu bleiben.
Kurz nach dem letzten steilen Felsaufschwung des Grates, auf einem breiten Firnrücken wollte dieser auch genutzt werden und so stiegen Sie angeführt von Rainer als wilder Haufen im gleißenden Licht der Sonne zur Fuorcla Bellavista.
Noch grinsten alle, denn hatten Sie nicht gerade zuvor die Moral der anderen Seilschaften völlig ruiniert, als man über die Gefahren und Beschwerlichkeiten die diese noch vor sich hatten berichtet, so das dem einem und andern Teilnehmer die Angst im Gesicht stand.
Noch benötigten sie dicke weiße Schmiere um ihr Antlitz vorm verbrennen zu schützen. Doch während der Rast schoben sich schon erste Vorboten aus südlicher Richtung über die lange Gipfelreihe. Das Tempo der entgegen kommenden Zweierseilschaft ließ keinen Zweifel über die Ernsthaftigkeit der aufziehenden Wolken und bei immer geringerem Tiefblick fiel der Startschuss zum weitersteigen.
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bike-uwe
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Here comes the SAN

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Re: Die weiße Hölle am Piz Palü Teil 2
Antwort #1 - 23.09.2011 um 19:15:07
 
Zweiter Teil

Weiße Hölle
Und so griffen Sie mitten im Sommer nach schneebedecken Felsen um sich daran zu klammern und traten mit ihren Eisen auf die noch so kleinste Leiste, während es sanft begann zu schneien und die Sicht immer weniger wurde.
Nur das dunkle Braun der Felsen hob sich aus dem diffusen einheitsgrau um Sie herum ab. Mit Stöcken versuchte man den Weg zu ertasten um nicht in die Tiefe zu stürzen, so schmal war der Pfad.
Sie wähnten sich schon auf dem westlichen Vorgipfel dieses übermächtigen Berges da machte ein Knistern und Knacken in der Luft die Beteiligten darauf aufmerksam das die spannungsgeladene Luft nur nach einem guten Grund suchen würde sich entladen zu können. Würde es je soweit kommen, und wen würde es treffen…?
Hastig wurde auf der eisigen Gratschneide alles Eisen vom Körper genommen und in sicher Entfernung verstaut um auf den kleinen Plätzen, die sonst nur für einen sicheren Stand bieten, Schutz vor Wind und Wetter zu suchen.
Eng kauerten Sie sich aneinander um sich gegenseitig zu wärmen und dem waagrecht  daherkommenden Schnee eine kleine Angriffsfläche zu bieten. Keiner wagte es auch nur den Kopf zu heben, das Surren, Knacken und Knistern schwebte bedenklich über ihren Körpern.
Niemand wusste mehr wie lange Sie so unbequem mit eingeschlafen Gliedmasen auf dem nassen kalten Fels kauerten, doch alle waren froh das es nach dem Abzug des Gröbsten langsam besser wurde und man den weiteren Verlauf des Grates  erkennen konnte und weder Blitz noch Donner einen aus dem Fels in die Tiefe gerissen hatte.
Die müden Knochen knarzten noch ein wenig als es endlich weiter ging und all die Ehrfurcht  über den Sagenumwobenen Tiefblick wurde als unbegründet abgetan, es gab schlichtweg nichts zu sehen.
Sie stiegen einen breiten Bergrücken hinauf, wähnten sich an des Weges Ziel, stocherten nach dem schneidigen Pfad der oft nur zwei Fuß breit war und an dessen Rändern der längste Stock alsbald kein Halt mehr fand. Doch alles was zu sehen war, war der Rücken des Vordermannes.
Nicht zu weit durfte die Lücke werden um sich nicht völlig allein und schwebend im grauweiß des Horizontlosen zu fühlen.
Endlich wieder Platz für alle nebeneinander, und hinter den Brillen und unter der Vermummung hätte man meinen können etwas wie Freude zu erhaschen. Nicht zu viel, denn der beschwerliche Weiterweg würde noch lange Zeit in Anspruch nehmen und viele Gefahren beherbergen.
Man munkelt von verdeckten Rissen unterm Schnee in denen ganze Kirchtürme Platz finden würden, von unüberwindbaren Schluchten im Labyrinth aus Eis. Ein grausiges Szenario machte sich in den Köpfen breit, hatten Sie etwa zu viel gewollt, sich so mit den Gefahren der Natur anzulegen.
Drum wurden für die Nachwelt noch Photographien erstellt auf denen es außer Schnee von oben und von unten nicht viel zu sehen gab.
Die feine Firnschneide zwischen Mittel und Ostgipfel wollte allerdings noch überschritten werden und zaghaft tastete man sich im Gänsemarsch nach vorne.
Stocktastend, Vorsichtig , Schritt für Schritt.
Wo waren die Wackeren da nur gelandet, anstatt oben auf ging es urplötzlich steil bergab, knietiefes einsinken im völlig durchweichten haltlosem Schnee, nichts ahnend wohin man den nächsten Schritt setzen sollte. Doch keiner zögerte und alle stellten Ihren Heldenmut unter Beweis.
An der steilsten Stelle stapften Sie Bergwärts und vergruben ihre Hände und Pickel tief in den weichen Schmodder um etwas Halt zu finden, immer weiter hinab, hinaus aus den Wolken.


Der lautlose Tot
Viele verdutzte Gesichter schauten sich an als, als die Orientierung wieder möglich wurde, nun erkannten Sie, dass man sich am Platz des Skidepots befand und gerade vom Ostgipfel abgestiegen war.
Verlaufen hatten sich die Helden der Hölle nicht, aber sicherlich im Schneegestöber übersehen, das Mittel und Westgipfel so eng aneinander liegen, das man unbemerkt von einem auf den anderen gelangt.
Alle banden sich nun ans Seil als es nochmals steil aus den unwirklichen Höhen wieder zurück ins Leben gehen sollte. Die beschwerliche Spur führte über die Riesenspalten vor denen schon gewarnt wurde und ein jeder war froh hier nicht alleine unterwegs zu sein.
Um schneller voran zu kommen wurden Schneerunsen zu rutschen und auf dem Hosenboden ging es zwar schneller hinab, jedoch kroch die Kälte immer mehr durch die durchnässte Kleidung.
Halb stolpernd, halb Stürzend und immer wieder nach Halt im tiefen schweren Sulz suchend ging es über so manche Schneebrücke um an einer besonders heiklen Stelle jeden einzeln zu Sichern. Während dessen machte sich von allen unbemerkt weit oben am felsigen Gipfelaufbau ein mannsgroßer Felsblock auf seinen unheilbringenden Weg ins Tal.
Dumpf war das Geräusch das Uwe aus der Lethargie aufschrecken lies, in dem Gedanken Walther sei ins Rutschen geraten drehte er sich blitzschnell um.
Ein Schrei durchbrach die Stille.
Denn nicht Walther lag neben Ihm im Schnee. Nein, der Herrenlose Brocken war es der genau auf dem Zwei Schritt großen Platz zwischen beiden gelandet war und einen mächtigen Krater hinterlassen hatte.
Aufgeschreckt durch den Schrei erkannten die weiter unten Stehenden die Gefahr und  stieben auseinander, so dass dieser Brocken von Fels freie Bahn hatte, für seinen Weiterweg bis er schlussendlich in einer dunklen tiefen Spalte verschwand.
Es blieb keine Zeit um sich über das unsagbare Glück Gedanken zu machen. Schnell musste es aus der Gefahrenzone gehen. Mit zittrigen Beinen wurde über Spalten gesprungen um mehr stolpernd als laufend in sichereres Terrain zu gelangen.
Langsam aber sicher wurde es flacher und am Gletscherbecken angekommen drückte sogar die Sonne durch die Wolkendecke um wärmende Strahlen zu spenden
Mit müden Beinen querten Sie auf 3000m Höhe hinüber auf den Pfad zur Diavolezza die sich prächtig auf einer Anhöhe befand. Genussvoll in der Sonne sitzend verstauten Sie die nun nicht mehr benötigen Eisen um sich nach der Rast auf den doch eher trostlosen Weg zur abendlichen Unterkunft zu machen.
Zurück ins Leben
Hier vereinigten Sie sich auch wieder mit Paul, dem schweigsamen um es sich bei Kaffe Kuchen und Gummibären auf der bevölkerten Terrasse gut gehen zu lassen. Ganz zur Belustigung reicher und reifer Asiatinnen die es sich nicht nahmen konnten um eine Ablichtung mit so attraktiven Männern zu bitten.
Auf zwei Kammern wurden sie verteilt, eine klein und unbehaglich, die andere einladend und geräumig, und der Rest vom Nachmittag wurde mit Körper und Augenpflege verbracht. Als es dann endlich zum Nachtessen ging staunten Sie nicht schlecht.
Es wurde in mehreren Gängen auf feinstem Geschirr massig aufgetischt und immer wieder baten die Bediensteten doch noch einen Nachschlag zu nehmen. Diese Herberge kostete zwar ein paar Taler  extra, doch spätesten beim Frühstück das bis zum Croissant alles aufbot war klar das es nicht zu viel war.
So gestärkt ging es an den Abstieg, anfangs noch auf Moränenschutt, später über des Gletschers eisigem Rücken. Durch sein Spaltenlabyrinth bis zu dessen steilster Stelle an der sich Pers und Morteratsch vereinen.
Immer noch mächtig zieht dieser seine Bahn hinab ins Tal, und seine sich zurückziehende Zunge bekam noch einige Physikalische Gesetzmäßigkeiten zu spüren. (Insider wissen mehr)
Morteratsch, dieser kleiner Bahnhof lud alle zum verweilen auf dessen Terrasse ein. Alsbald begann der Kreis sich zu schließen und der bedeckte Himmel öffnete seine Pforten und es begann zu regnen.
So ging es bei 20°über den Julierpass um mit mageren 12°bei Lindau im Dauerregen sich zu verabschieden.

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Lamл[tm]
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Re: Die weiße Hölle am Piz Palü Teil 1
Antwort #2 - 24.09.2011 um 09:15:32
 
Da kann man nur sagen: Wo hast Du das gelernt? Schon mal überlegt, ein Buch zu schreiben?
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