Der SAN-Schneeschuhwinter 2012/2013

Wer hätte das gedacht: vor ein paar Jahren war die SAN fest in der Hand der Skitourengeher - die Leute mit den großen Füßen waren da eher ein kleines, manchmal belächeltes Grüppchen ohne eigene Angebote (welches aber immer von der Skitourengemeinde herzlich aufgenommen wurde).

Schaut man sich den Winter 2012/2013 an, so hat sich das Bild deutlich gewandelt: bei den Schneeschuhgehern drei Kurse, ein geführtes Tourenangebot sowie drei Gemeinschaftstouren (eine davon nicht zustande gekommen), bei den Skitourengehern ein (leider nicht zustande gekommenes) Angebot geführter Touren sowie zwei Gemeinschaftstouren.

Liebe Skitourengeher: nicht traurig sein - Eure Zeit in der SAN ist keineswegs vorbei. Zum einen seid Ihr natürlich in unserem Kreise ebenso willkommen wie wir das bei Euch waren - zum anderen wird sicher auch das Skitourenangebot der SAN wieder zulegen (hoffen wir zumindest mal…). Und auch wenn wir eingefleischten Schneeschuhler das ja ganz und gar nicht verstehen können: es gibt immer wieder Abtrünnige in Richtung Skitouren (nicht wahr, Jens ?)

Aber jetzt mal ein Blick zurück auf den so langsam dem Ende zugehenden Winter: Los ging es zwischen Weihnachten und Neujahr auf der Lizumer Hütte - Axel und Karsten hatten gerufen, und es kamen sieben. Nein, nicht Zwerge, sondern schneeschuhbegeisterte Einsteiger (ok, ein oder zwei davon waren nicht mehr wirklich Einsteiger…). Eigentlich hätten es sogar acht sein sollen - aber eine meldete sich am Starttag kurz nach sechs Uhr (ich war grade im Bad) mit kaum verständlicher Stimme am Telefon - das Wort “Bronchitis” konnte ich so grad noch verstehen. Liebe Birgit wir haben mit Dir gelitten…

Was macht man nun mit sieben hochmotivierten Schneeschuh-Einsteigern? Ganz klar: an erster Stelle steht die Sicherheit - und damit war der Fokus unserer vier gemeinsamen Tage gesetzt: Lawinenkunde, LVS-Suche, Lagebeurteilung. Möglichst viel draußen auf Tour (am zweiten Tag spielte das Wetter nicht ganz so mit), aber auch mit der nötigen Basis in Sachen Theorie. Da bekommt das Wort “Anschauungsunterricht” doch noch mal eine ganz eigene Bedeutung: Schnee in unterschiedlicher Konsistenz draußen in der Natur muss man anschauen und erleben. Am letzten Tag sind einige Teilnehmer ganz schön überrascht wie schwer es ist, eine Lawinensituation selber zu beurteilen, statt sich auf das Urteil eines Tourenleiters zu verlassen - aber genau dafür war dieser Kurs ja da…

Vier Wochen später, Bochumer Hütte: LVS-Kurs mit Karsten. Diesmal haben wir nur 2 Tage Zeit da gerät der Tourenanteil etwas ins Hintertreffen, und auch die Abende sind bis zum Limit vollgepackt. Wir sind eine gemischte Truppe: vier Teilnehmer und der Kursleiter sind mit Schneeschuhen dabei, zwei Teilnehmerinnen sind mit Tourenski unterwegs. So richtig viel Schnee haben die Kitzbüheler Alpen leider nicht abbekommen - also können wir die LVS-Geräte nur in ca. 50-70 cm Tiefe vergraben. Aber egal: die Abläufe bei der Verschüttetensuche werden intensiv geübt, und auch eine Sondenbar bekommen wir hin. Auf einer kurzen Tour aufs Hahnenkampl findet sich dann auch noch ausreichend Schnee (ca. 1,30 m Schneehöhe), um ein Schneeprofil zu graben.

Mitte Februar: jetzt ist wieder Axel an der Reihe. Ein Schneeschuh-Schnupperkurs mit LVS-Training auf dem Bodenschneidhaus soll es sein - zwei Pärchen und je eine einzelne Dame und ein einzelner Herr sind dabei. Diesmal gibt es viel Schnee, so dass wir die LVS-Geräte problemlos auch einen Meter tief vergraben können. Auch eine Sondenbar wird wieder gebaut - zwei mutige Frauen lassen sich sondieren.
Am ersten Tag steht das Üben der Einfachverschüttung ohne Erstempfang auf dem Programm - daneben ist auch noch Zeit für eine Tour zum Gipfel der Bodenschneid. Durchaus eine mittelschwere Tour - aber wir haben im Aufstieg bereits Sicherheit auf den Schneeschuhen gewonnen. Am zweiten Tag geht es in Sachen LVS-Suche mit Übungen zu Tief- und Mehrfachverschüttung weiter - somit haben die Teilnehmer den Kurs teilweise nicht als Schnupper-, sondern als Intensivkurs empfunden. Im Bodenschneidhaus waren wir in kleinen Zimmern und kleinem eigenem Lager bestens untergebracht - auch wurden wir vorzüglich bekocht.

Und schließlich wird es Ostern. Wir konnten natürlich nicht vorhersehen, dass dieser Winter so lang und dunkel werden würde - aber dass der frühe Ostertermin Chancen für gute Tourenbedingungen bieten würde, war uns schon klar. Unser Ziel: die Potsdamer Hütte im Sellrain. Zwischenzeitlich war die Tour fast ausgebucht - doch dann dezimiert sich das Häuflein leider wieder ein wenig. Verletzung sowie persönliche und berufliche Gründe führen zu Absagen - schade für Euch, schade für uns.
Egal - auch zu siebt gehen wir es an. Am Freitag geht es zunächst gemeinsam, dann auf zwei getrennten Routen zur Hütte. Damit stehen schon mal knapp bzw. gut 1.000 Höhenmeter auf dem Habenkonto. Während der Anfahrt kamen teils dicke Flocken vom Himmel - im Aufstieg lugte zwischenzeitlich aber sogar die Sonne durch den Hochnebel. Dieses Prinzip sollte das ganze Wochenende über Bestand haben: siegt die Sonne, oder siegen die Wolken?
Am Samstagmorgen ist die Frage eindeutig zu beantworten: Klarer Himmel, die Sonne hat die Oberhand. Auf geht es in Richtung Roter Kogel (der ganz und gar weiß war), dem höchsten Gipfel der Gegend. Doch dort und auf dem Rückweg mischen bereits wieder mehr und mehr Wolken mit - es zieht zu. Zusammen mit der Aussicht auf einen trüben Sonntag veranlasst dies die Hälfte der Gruppe, den vorzeitigen Abstieg zu wählen.

Der verbleibende Teil der Gruppe hat am Sonntag erst mal Gelegenheit zu Fotoexperimenten mit Nebel, Eis, Wasser und Schnee. Es schneit mehr oder weniger den ganzen Tag über, wir stecken mitten in den Wolken - die Aktivitäten draußen beschränken sich also je nach Ausdauer auf 2 bis 3 Stunden dauernde Tourenversuche Richtung Fernerböden. Drinnen in der gemütlichen Hütte ist Gelegenheit zum ausgiebigen Lesen, Musikhören und Ratschen. Währenddessen kommt draußen so langsam etwas Nordwind auf - und dieser schafft die Voraussetzung für einen Wetterwechsel?

Die Belohnung für die Ausdauer gibt es am folgenden Morgen: -16°C, 40 cm Pulverschnee, Sonne pur - ein Traumtag, wie es nur wenige gibt. Dieser lockt zum Glück auch genügend Tourengeher aus dem Tal herauf - so müssen wir den Weg auf den Schaflegerkogel nicht selber spuren. Und auch bergab geht es durch stiebenden Pulverschnee - inklusive eines Ganzkörperschneebades des Tourenleiters unter einem Baum. grin

Neben den offiziell angebotenen Kursen und Touren bieten Gemeinschaftstouren die Chance, in einer kleinen Gruppe ohne Führungsverantwortung anspruchsvollere Touren anzugehen - diese Gelegenheit hat Axel in diesem Winter mit zwei Schneeschuhhochtouren genutzt. Zunächst ging es Anfang März auf die Amberger Hütte. Von dort aus wurde der Hintere Daunkopf (3.223m) bezwungen. Ende April steht dann noch eine Tour zur Similaun-Hütte an. Beide Touren waren ruck-zuck ausgebucht - das spricht für die Nachfrage nach diesen Angeboten. Aber auch bei Gemeinschaftstouren kann man etwas für die Auffrischung der sicherheitsrelevanten Kenntnisse tun: Übungen zur Spaltenbergung und zur LVS-Suche gehören auch hier dazu.

Zum Schluss ein Blick voraus - wie geht’s weiter mit den Schneeschuhtappern in der SAN? Schaut doch mal ins Forum unter “Kurse und Touren” bzw. “Partner für gemeinsame Bergfahrt gesucht”. Schon in Planung: je eine Woche im Villgratental (Osttirol) über Silvester (Info) sowie im Valle Maira im Piemont im Februar (Info). Seid Ihr dabei?

Text: Karsten Seliger, Axel Schwab
Bilder: Karsten Seliger, Rudolf Holzner

Viracocha, 06.04.2013 18:30