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Zwischen den Jahren in den warmen Süden (Gelesen: 2024 mal)
Lamл[tm]
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Zwischen den Jahren in den warmen Süden
11.01.2003 um 00:47:08
 
Liebe Loite,

Von Wein8en bis 3König war ich in El Chorro (Andalusien)

Hier mal so die Eckdaten:

zwei halbe Tage Regen, die ersten vier Tage deutlich kälter als erwartet (im Schatten ca. 5-10 Grad). Die letzten Tage erlaubten dennoch etwas
Farbe anzunehmen.

Das Leitungswasser verursachte allen bis auf mich längere unfreiwillige Kletterpausen.

Es gibt Leute die behaupten, El Chorro sei das zweitgrößte Klettergebiet Spaniens. Das müssen entweder Leute sein die 8a aufwärts klettern oder die die anderen größeren Gebiete in viele kleine zerteilen. Für Leute bei denen bei 6b+ Feierabend ist, ist die Sache recht schnell abgeklettert. Klettern in der Schlucht ist im Winter recht ungemütlich, womit über die Hälfte der Seillängen weg fallen.

Die Südseiten sind gespickt mit ausreichend bis übermäßig gesicherten Ein- Längen- Routen von 20- 40, meistens 30 Meter Länge. Es gibt im genannten Schwierigkeitsbreich unter den längeren Routen wenige gebohrte und einige Abenteuerrouten. Routen, bei denen nur Standplätze gebohrt und der Rest zum selber Basteln ist, gibt es nach Aussage des Kletterladenbesitzer nicht.

Kindergeeignet ist das Gebiet nur bedingt. Zum einen sind Routen bis einschließlich IV sehr dünn gesät. Und verantwortliche Jugendleitersollten das Gebiet meiden, weil dort ganz offen "gegrast" wird. Ist dasdort etwa legal? Der Spruch "Hanf dampft in allen Gassen" ist vermutlich dort entstanden und auch schärfere Geschosse sollen dort einschlagen.Die lieben Kleinen sollte man ja nicht unnötig in Versuchung führen.

In den Höhlen leben die "resident climbers", die allerdings nicht auf den ersten Blick als solche zu erkennen sind, die mitunter verlumpt herumlaufenden Filzläuse sind i.d.R. deutsche Touristen. Da muss man sich fast schämen, auch ein solcher zu sein.

Der vor Ort erhältliche KleFü ist das Papier nicht wert, auf das er kopiert wurde. Der Rockfax ist bereits 5 Jahre alt. Auf www.coronn.com kann man sich einen Auszug runter laden.

Die Bewertung ist sehr unterschiedlich. Meistens freute ich mich über die vielen billigen 6b und 6c- Routen. Ältere Routen sind i.d.R. schwerer. Ein Balanceakt in einer V+ hätte mich fast abgeworfen.

Die Kletterei ist überwiegend großgriffig und technisch anspruchslos, aber steil und kraftraubend. Muskelmonster können sich hier richtig austoben, Fotografen eindrucksvolle Fotos schießen und Anatomiestudenten an den Cracks jede einzelne Faser studieren. Kletterer mit unter 40 cm Bizeps halten sich an die wenigen Plattenrouten an den "Cotos" und an die steile Wand am "Polverine". Und wer unter 1,85 m lang ist, muss nicht selten die Schlüsselstelle vor dem Einhängen klettern. Barfuß zu klettern sollte man sich schenken.

Die Zustiege sind nix für Sandalen- Alpinisten, es geht oft über eine Bahnstrecke. Weil diese eingleisig ist, ist auch nix mit "links gehen Gefahr sehen". Wer das Latschen im faustgroßen Schotter als zu nervig empfindet, der kann ja auf einer Schiene balancieren. Die dabei erforderliche Konzentration könnte sich bei Herannahen eines Zuges jedoch als "gesundheitsschädlich" heraus stellen. Ich wurde ein Mal ca. 50 Meter vor dem Zug vom Gleis geschrien. Das waren nur zwei Sekunden. Die Strecke ist kurvenreich so dass man die Vibrationen im Gleis be8en sollte.

Ruhetage sollte man für eine Radtour über die vielen kleinen wenig befahrenen Straßen nutzen. In nur wenigen Kilometern ändert sich die Landschaft, dass man glaubt, in einer anderen Welt zu sein. Besonders krass ist das, wenn man den "langen" Eisenbahntunnel durch den Seitenausstieg verlässt.

Entlang der Schlucht verläuft der "Camino del Rey", der vor knapp 100 Jahren gebaut wurde, um den König den Baufortschritt der Bahn zu zeigen. Man sollte ihn mit Klettersteigset begehen, weil etliche Segmente des Wegs fehlen und durch ein Drahtseil ersetzt wurden.

Sowohl bei der Anreise als auch bei der Abreise fehlten Gepäckstücke. Die pingelige Handgepäckkontrolle verlangte das Nacheinchecken meiner Wanderstöcke. Bin mal gespannt, ob ich die Dinger noch sehe. Das Hauptgepäck ging ohne Kontrolle durch. Da hätte auch eine Bombe drin sein können.

Schockierend für den "internationalen" Flughafen in Malaga: Das gesamte Sicherheitspersonal spricht kein Englisch.

Das Ferienhäuschen( bei Holiday Rentals Ltd) für 500 Oironen pro Woche (5 Personen + 1 Gäste- Notschlafplatz) hatte feuchte Wände. Die Ausstattung hingegen war hervorragend. Sogar einen Schwimmpfuhl gibz. Und Zitronenbäume im Garten, die keine Zierzitronen tragen, sondern essbare.

Es gibt noch eine "Finca" für 11 und ein Rifugio für 6 Oironen pro Tag. Da ist es dann richtig enge. Außerdem noch einige "Albergos".

Die Verkehrsanbindung erfordert mehrtägige Planung für Aktionen außerhalb von El Chorro.

Im benachbarten Álora kann man zu etwa 65% der hiesigen ALDI- Preise einkaufen. Die kleinen Läden in El Chorro haben ausreichendes Frischeangebot. Brot und Gebäck kommt mit dem Bäckereiauto, im Vergleich zu .de ist das spottbillig. Die für unsere Verhältnisse übersüßen Backwaren sollten nur mit Tee / Kaffee ohne Zucker genossen werden. Dann sind sie aber lecker. Wildspargel und andere Gewürze gibz kostenlos im Wald.

Ein Amatörfilmer hat uns beim Klettern begleitet und ist auch selbst die eine oder andere Route gestiegen. Mal sehen was aus dem Film geworden ist.

Bilder findet man bei meinem Freund Thomas unter http://www.ruessel.net.tc

Alles in allem ein lohnender Urlaub. Richtig sparen kann man wenn man vor dem 18.12. nach Süden und nach dem 8.1. zurück fliegt.
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Yak
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Um mani padme hum

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Re: Zwischen den Jahren in den warmen Süden
Antwort #1 - 13.01.2003 um 09:38:57
 
Das klingt ziemlich interessant, glaube aber kaum dass ich mich je dorthin aufmachen werde, Du weißt ja, mit dem klettern hab ichs nicht so.
Aber das Filmchen, das dieser Amateurfilmer gedreht hat, ob wir das wohl komprimieren und ein Stückerl davon auf unsere Homepage stellen können, das wäre doch mal was neues, oder ?
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80 Millionen Deutsche können nicht bergsteigen

www.sektion-alpen.net

Wir können es auch nicht, aber wir versuchen es wenigstens !
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Lamл[tm]
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Re: Zwischen den Jahren in den warmen Süden
Antwort #2 - 13.01.2003 um 23:13:25
 
Zitat:
Aber das Filmchen, das dieser Amateurfilmer gedreht hat, ob wir das wohl komprimieren und ein Stückerl davon auf unsere Homepage stellen können, das wäre doch mal was neues, oder ?

Hallo Yak.

ich denk das geht in Ordnung. Insgesamt ist der Film wohl 15-20 Minuten lang und nicht vor April fertig geschnitten.  Eine Minute in halbwegs brauchbarer Qualität (Hanuta- Appetizer) sind allerdings 5 MB, und unter 4 Minuten wird der Zusammenschnitt kaum sein.

Besorge Dir schon mal eine Software zum Herstellen von Mpeg aus VHS. Ich habe so was nämlich nicht.

Das g**lste wird wohl das "Making of" sein. Da besteigt einer eine 8a. Sieht absolut scharf aus. Noch schärfer wärs nur gewesen, wenn es eine Maus Zwinkernd gewesen wäre. Ob Jürgen das "Making of" zur Veröffentlichung freigeben wird, kann ich nicht beurteilen.

Ansonsten wärs natürlich schon ein g**ler Blickfänger!

Lampi
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