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Chaterbuam-Expedition zur Pleisenspitze (Gelesen: 1402 mal)
Sebastian
Ex-Mitglied
*


Leben ist lebensgefährlic
h ;-)

Chaterbuam-Expedition zur Pleisenspitze
01.01.1970 um 01:00:30
 
Die Chatter-Buam an der Pleisenspitze oder "Mei, sann wir vernünftig" Zwinkernd
– Eine kleine Erlebniserzählung -

Die Waage sprach deutliche Worte an diesem Januarmorgen, die Weihnachtsgans war anscheinend immer noch nicht verdaut. Wie sollte es auch anders sein, Stress auf der Arbeit, die Frau in weiter Ferne und der Keller voller Bier. Junge, Du musst mal wieder raus, endlich mal wieder in die Berge. Der Kalender verspricht Winter, da kommt dann ja nur eine Skitour in Frage. Also Tourenführer rausgezogen und geblättert - bah – gibt’s denn da nichts Gescheites? 1000 Hm? Da kann ich ja gleich im Fichtelgebirge bleiben. –blätter, blätter, blätter -Tour Nr. 23  Pleisenspitze, Karwendel, 1600 Hm. Soviel sollten es schon mindestens sein für die erste Skitour der Saison. Der Partner ist dann schnell gefunden: bergerfahren, von eiserner Konstitution und wagemutig, was soll da schon schief gehen.

Am Morgen des von langer Hand geplanten Unternehmens fahren wir schließlich in strömendem Regen Richtung Karwendel. Der Davoser Wetterbericht hat ein Zwischenhoch versprochen. Endlich angekommen, verschmäht der österreichische Parkautomat erstmal unser Geld, von wg. Einheitswährung. Todesmutig, die österreichischen Haftbedingungen verdrängend, geht’s um 8 Uhr, die Ski auf dem Buckel, endlich los. Gleiten wäre ja sowas von langweilig. Außerdem ist man im Karwendel, da gehört ein bisserl Anmarsch schon dazu.

Endlich geht’s bergan und wir können schon kurze Zeit später die Ski anschnallen. Die Wolkendecke reißt auf und lässt uns hoffen, die Davoser habens einfach drauf. Wir machen Tempo, die Tour ist ja lang, und gewinnen auf vereistem Forstweg erwartungsgemäß schnell an Höhe. Der Parkplatz war leer, wir werden heute also alleine bleiben, kein Wunder, wer würde sich so was schon antun. -  „Geht’s auf den Pleisen?“ schallt eine gut 70-jährige Stimme von hinten. - Der muss aus dem Busch gesprungen sein, unmöglich dass der uns einholt, nicht mal Ski hat der dran. Während der nächsten halben Stunde erfahren wir dann alles über Pleisenspitze und Limburg an der Lahn, daran ändert auch eine nochmalige Tempoverschärfung nichts. Mir haut es den Schweiß raus, die Füsse kündigen erste Blasen an und wir sind immer noch auf dem Forstweg. – Pause -  natürlich nicht, weil ich müde wär, aber ich klebe die Reibungsstellen an den Füssen besser ab, außerdem werden wir auf diese Weise endlich den Limburger los, wenn nicht nach hinten dann eben nach vorne, muss wohl leichter sein ohne Ski.

Es wird steiler und ich rutsche regelmäßig ab, die blöden Felle sind wohl nix mehr, hab sie ja schließlich schon dreimal benutzt. Mein Freund scheint wohl neue zu haben, „jaja spotte Du nur“ denk ich mir so. Kurz vor der Pleisenhütte schätzen wir Hangneigungen, der Neigungsmesser am Kompass scheint auch im Eimer zu sein, kann gar nicht sein, dass das nur 20 Grad sein sollen. An der Pleisenhütte bemerken wir dann, dass sich andere Expeditionen an uns vorbeigeschlichen haben. Pah, die wollen bestimmt nicht ganz rauf. So aber wir, noch schnell ein Schluck Wasser und weiter geht’s. Zielstrebig finden wir die beste Spur und schrauben uns in herrlich sonnenbeschienenem und mäßig steilem Hang nach oben. Eine tolle Tour sind wir uns einig. ---- 20 Minuten später wird es steiler, vereister und stürmischer. Naja, endlich die gewünschten Bedingungen, Harscheisen dran und weiter. „Die Dinger müssen auch schon ziemlich alt sein“ denk ich mir noch und begrüße meine Skispitzen aus nächster Nähe. Mein Begleiter beschließt derweil, dass ihm ein Harscheisen locker genügt und entlässt das andere in Richtung Scharnitz. Unerschüttert kämpfen wir uns bergan und freuen uns schon auf die Abfahrt, unsere eigentliche Stärke. Wir beschließen schon jetzt, das Abfahrtsvergnügen voll auszureizen und die Strecke durch weite Querungen und seitliches Abrutschen möglichst auszudehnen. Laut Zeitplan sollten wir langsam oben sein, aber ein Blick nach vorn verrät, dass sich der Autor des Tourenberichts wohl etwas verschätzt hat, wenn nicht mal wir das schaffen. Erst langsam machen sich leichtere Ermüdungserscheinungen bemerkbar, ich denke an meinen letzten Marathon, Kilometer 38 kommt mir in den Sinn. Ich beginne mich zu fragen, ob ich meinem Freund das Abfahrtserlebnis guten Gewissens weiter vorenthalten kann. Pflatsch... servus Skispitze... – Ich kann nicht!

Wir genießen die folgende Abfahrt in vollen Zügen und ich lege mich hin und wieder für einen Talblick in den Harsch. Aus den Augenwinkeln erkenn ich noch, dass auch mein Partner müde ist. Zeit ausgiebig zu pausieren. Bei Temperaturen um + 2°C und Sonnenschein kauen wir bibbernd auf unserer Brotzeit und denken an Winterkletter – und Biwakpläne.

Physisch und psychisch gestärkt erreichen wir erneut die Pleisenhütte. Wir beschließen, dass die enge Abfahrt durch den Wald ohne vorherigen Biergenuß für uns viel zu einfach ist. Sonnige Wärme, herrliche Aussicht und das Bier vor der Nase ... für das Frühjahr nehmen wir uns den Hochwanner vor, die Kampenwandüberschreitung steht dieses Jahr auch endlich an und dann wär da noch... (alles streng geheim natürlich)

Eine knifflig enge Abfahrt und 20 Gehminuten später stehen wir erschöpft und um viele Eindrücke und Pläne reicher wieder am Auto und sind uns einig: „Mei, warn wir widder vernünftig“.    


(Diese Nachricht wurde am 30.01.02 um 15:35 von Sebastian geändert.)
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