Yak und Lisanne hatten wieder zum Frühjahrsereignis geladen um, über den ersten Mai wie die letzen Jahre einen Viertausender ” wegzubügeln”, und diesmal sollte es noch weiter weg gehen. Nicht wie bisher ins Wallis, nein der Gran Paradiso wurde als Ziel auserkoren. Das versprach wieder einen würdigen Abschluss der Skitouren- und Schneeschuhsaison – denn zum ersten mal durften heuer auch Schneeschuhgänger mit.
Selbstverständlich wünscht man sich eine ausreichende Schneeauflage, möglichst mit etwas Neuschnee überzuckert, damit alles im Sonnenschein ganz unberührt und strahlend weiß aussieht. Natürlich haben wir heimlich ein paar Schneetänze aufgeführt, um Petrus den richtigen Hinweis zu geben. Möglicherweise haben wir dabei ein bisschen übertrieben …

… ER hat auf jeden Fall übertrieben … mehr als ein halber Meter Neuschnee, das hätte es nicht gebraucht, und Lawinenwarnstufe 4 waren uns dann doch zu viel. Erst haben wir (Dohle & Hawkeye) verschoben, dann endgültig für uns abgesagt.
Während wir zum Trost über Krokuswiesen auf den Heuberg über Yakhausen stiegen und beim Abstieg ganze Bärlauchfelder abernteten, hatte Lisanne schon fix einen Ersatzvorschlag erdacht und auf der Jenatschhütte freie Plätze abgefragt – in kürzester Zeit war Mayday umorganisiert
Wir, Dohle & Hawkeye kommen als Vorhut schon am Donnerstag Nachmittag auf dem Parkplatz bei La Veduta an. Es ist sonnig und warm und hat - auch hier - jede Menge Neuschnee. Die Temperatur im südseitigen Val d’ Agnel ist eher sommerlich und der Schnee entsprechend weich. Prima Voraussetzungen, zumal ich in der Gewichtsliste inzwischen wohl Yak überholt habe.
Die Spur gibt immer wieder nach und so zieht sich der meist flache Weg ganz schön hin.
Die abziehende Restbewölkung hüllt uns bald ein und die Sicht wird weniger – aber von oben kommt die Sonne durch und heizt uns ordentlich ein.
Auf der anderen Seite der Fuorcola d’Agnel aber wird es endlich frei und wir fahren bzw. steigen in feinem Pulver ab zur Jenatschhütte. Die letzte Hangquerung vor der Hütte sollte man laut Karte und Führer nur bei guten Verhältnissen machen. Einige Lawinenbahnen sprechen eine deutliche Sprache, so dass wir uns in Anbetracht der Temperatur für die sichere Variante entscheiden, was noch einen letzten Gegenanstieg bringt. Auf der gemütlichen Hütte werden wir von Wirt Heini herzlich als “Vorhut von Lisanne” begrüßt und bekommen noch das Abendessen nachserviert.
Für Freitag ist Traumwetter angesagt. Wofür soll man sich entscheiden? Wenn erst mal die Wilden der Sektion hier waren und alles “niedergebügelt” haben, steht womöglich kein Berg mehr …
; Von Wirt Heini bestens beraten entscheiden wir uns für die Rundtour über die Tschima da Flix. Rauf über einen breiten, oft abgeblasenen Rücken (da versinkt man mit den Schneeschuhen nicht gar so tief) und runter hat’s für den Skifahrer noch Pulver – da hat doch jeder was von der Tour.
In der morgendlichen Kühle kann man den Hang rechts noch bedenkenlos queren …
… und schon bald geht es sanft ansteigend durch den Sonnenschein zur Fuorcola da Flix.
Blick zurück zur Hütte
An der Fuorcola wenden wir uns erst mal links, weil wir noch “schnell” auf den Piz d’Agnel wollen. Auf halber Höhe allerdings hören die Spuren auf – und es ist gut einzusehen warum: Die ordentliche Neuschneeauflage in dem ziemlich steilen Hang ist auch uns nicht geheuer.
Vier Schweizer kommen nach, spuren rasch an uns vorbei – und bleiben wenige Meter später auch stehen ... Was soll’s es gibt ja noch einen Gipfel heute.
Jetzt wird die Tour zur reinen Traumtour ... mit jedem Schritt weiter nach oben breitet sich die Aussicht ..
... auf Bernina, Bergell und Engadin weiter vor uns aus.
Auf dem Gipfelchen sitzen wir lange im Sonnenschein und kommen vielen Bitten nach, Gipfelfotos von Gruppen oder Paaren zu machen. Nein, allein ist man da nicht .
Bergell

Runter zu lässt Hawkeye in Bögen den Pulver stauben
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Auf der Terrasse der Hütte sitzen wir in der Sonne und beobachten die fleißigeren Tourengeher und Gipfelsammler, die nach und nach eintrudeln - mit viel Sonnencreme und Getränk lässt es sich aushalten.
Gegen Abend fragt der Wirt immer häufiger nach der Truppe – ob sie es wohl noch rechtzeitig zum Hauptgang schaffen werden?
Die Armen wühlen sich wie wir am Vortag durch den weichen Schnee. Bis sie allerdings an der Querung ankommen, ist die Sonne weg, es wird frisch und es zieht an. Die Hangquerung macht wohl keine Freude, denn die Spur ist zwischenzeitlich von vielen Skifahrern schon plattgebügelt und jetzt steifgefroren. So manchen sehen wir stürzen, aber keiner fällt den steilen Hang hinunter, alle rappeln sich wieder auf und kommen wohlbehalten an. Suppe, Gulasch und Kartoffelstock trösten schnell über erlittenes Ungemach.
Die Volkszählung am Tisch ergibt: Ab jetzt ist es eine Damentour im Sektionsstil.
Nein, nicht dass deswegen die Auswahl der Ziele eingeschränkt wurde, unsere Damen waren mal wieder klar in der Überzahl.
Nach Kartenstudium und Lesen meiner Führerkopien suchen sich Obadoba, Ralle und Krümel die Flix-Runde aus (natürlich mit “kleinen Erweiterungen”) und auch für die anderen bietet sich dies als einfache und schöne Tour an. Es scheint, als würden wir beide zu zweit aufbrechen in Richtung Vadret Calderas. Aber wegen des immer noch trüben Wetters wird umdisponiert: Die Drei starten wie geplant – der gesamt Rest der Karawane zieht auf kürzestem Wege Richtung Flix/Calderas.
Eigentlich ist das Wetter gar nicht schlecht – zwischendurch reißt es immer wieder auf – und wir hoffen, dass die “Restbewölkung” bald abzieht.
Genau das tut sie aber doch nicht – der Wind wird stärker und eisig und der Nebel dichter, so dass wir nach der Hälfte erst mal Kriegsrat halten, während sich die Vorhut bestehend aus Mali, Yak, Claudine und Kerstin zielstrebig und flott dem Gipfel der Flix nähert.
Dohle mag bei dem Wetter gar nicht weiter, ich will natürlich nicht auf den gleichen Berg wie gestern, das wäre ja langweilig – da tut sich eine Wolkenlücke auf und so gehen wir doch zum Piz Calderas weiter.
Der Calderas fast frei, nur die Spitze ist verhüllt.
Doch bald schon schließt sich die blaue Lücke. Wir stehen in konturlosem Weiß rat- (und lust-)los in einem nicht gerade flachen Hang, der eine tolle Abfahrt in Drecksschnee erwarten ließ. Die Spur unserer Vorgänger ist schon wieder zugeweht. Laut Höhenmesser sind es keine hundert Meter mehr, aber es reicht. Wir lassen es für heute und drehen um.
Als wir fast den Sattel zwischen den Bergen erreicht haben, gibt’s Gegenverkehr. Obadoba, Ralle und Krümel im Anflug auf ihren zweiten (oder dritten?) Gipfel des Tages hoffen auf eine minimale Wetterbesserung (und wenn nicht, ist es wohl auch wurscht
). Immerhin lichtet sich der Nebel so weit, dass sie den Gipfel finden.
Entsprechend kehren wir nacheinander wieder zur Hütte zurück – als letzte Obadoba und Ralle, die ja die weiteste Tour mit zwei 3000ern gemacht hatten. Auf die Frage, wo denn das Krümel abgeblieben sei, kommt die schmunzelnde Antwort, dass Krümel noch ein bisschen spazieren geht Richtung Piz Jenatsch. Nicht ausgelastet …
Am Sonntag Morgen ist der Himmel blank geputzt – keine Wolke zu sehen. Wir sitzen trotzdem lange beim gemütlichen Frühstück: Vorrats-Reste vernichten vor der Hüttenschließung (Pause bis zum Sommerbetrieb). Das ist eine ernstzunehmende Aufgabe, der man sich mit der gebotenen Hingabe widmen muss.
Natürlich sind die anderen Truppen schon längst in alle Winde verstreut und rennen ehrgeizig Hänge hoch, während wir im morgendlichen Sonnenschein das Gerät an die Füße tun. Obadoba, Ralle und Krümel verlassen uns jetzt – sie dürfen noch bleiben und nehmen den Piz d’Err in Angriff (Falls Obadoba nach der Rückkehr aus Ecuador die Zeit findet, gibt es noch einen Extra-Bericht).
Jenatschhütte
Wir anderen haben alle das gleiche Ziel: Über den Surgonda zum Parkplatz. Den Weg Richtung Fuorca d’Agnel kennen wir ja alle schon vom Hüttenzustieg – jetzt ganz gemütlich und in Ruhe.

Bald zweigt links eine schöne Spur Richtung Surgonda ab.
Kleine Rast vor dem “Gipfelsturm”,
links lockt der Piz Traunter-Ovas.
Letzte Meter zum Gipfel
Vom Surgonda Bilderbuchaussicht in alle Himmelsrichtungen.
So viel zu tun und nur so weniges davon haben wir schon “erledigt” … da kann man ja ganz trübsinnig werden
.
Bilder: Gisela
Nach ausgedehnter Gipfelrast gibt es für die Skifahrer eine wunderbare Abfahrt bis direkt zum Auto …
Die Schneeschuhgänger müssen noch ein bisschen arbeiten und kommen dementsprechend später an. Nur Yak und Claudine bleiben zurück – sie sind wohl noch/schon in Urlaubslaune, da sie nicht zurück nach Norden, sondern weiter Richtung Süden fahren werden.
Text und Bilder - so weit nicht anders vermerkt- Dohle & Hawkeye
